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SPLITTER MUSIC FESTIVAL

MUSIC-MINING IN LARGE SCALE FORMATS


SPLITTER MUSIC FESTIVAL
Kategorie: Spezial
Wörter: 1368
Erstellt: 24.12.2016
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Kollektive Großorchester sind den meisten sicher unbekannt. Vielleicht hat schon jemand einmal etwas vom SPLITTER ORCHESTER gehört. Doch Vieles aus der Ecke dieses musikalischen Tätigkeitsfeldes liegt weitgehend im Dunkeln, ist noch unentdeckt, nahezu ein blinder Fleck. Vor allem jene, die sich um die „Echtzeitmusik“ verdient machen, stehen zu unrecht im Schatten der Aufmerksamkeit. Als da wären: das genannte SPLITTER ORCHESTER, das INSUB META ORCHESTRA oder das HARDING GREENS ORCHESTRA – nur um einige zu nennen.

Ich für meinen Teil kam mit dieser Musik erstmalig während des letztjährigen „Labor Sonor Festivals“ in Berührung. Auch dort traten Orchester auf, die der „Echtzeitmusik“ – die hier einen Terminus meint, der eine besondere Form der Neuen Improvisationsmusik darstellt – zuzurechnen sind. THE PITCH sind mir da noch im Ohr. Aber auch FELIX KUBIN, der das SPLITTER ORCHESTER in überragender Weise interpretierte.

Das SPLITTER ORCHESTER selbst wurde im Jahr 2010 von CLARE COOPER, CLAYTON THOMAS und GREGOR HOTZ (der im Übrigen die Künstlerische Leitung und die Produktionsleitung für das Festival übernahm) gegründet. Mit Hilfe des Hauptstadtkulturfonds konnte im Folgenden die Arbeit anlaufen. Die Größe des Orchesters beläuft sich auf 22 Personen. So auch auf dem Festival. Allerdings nur einmal als es selbst. Meist kam es zu Vermischungen mit anderen Orchestern. Die Kontexte wechselten stets. Mal mit, mal ohne Dirigat, mal frontal, oder auch verteilt im Raum.
Das Ganze fand vom 24.– 27. November statt. Das heißt, dass ich am 24. Und 25. November Gelegenheit hatte, mir ein direktes und unverfälschtes Bild davon zu machen, wie es ist, wenn Klangsplitter zu Tonbrocken werden.



Am 24. November fand das Festival unter dem Motto „Codes Of Conduct“ in der „Wabe“ statt – die 1986 eröffnete und zudem größte Aufführungsstätte des Bezirks Prenzlauer Berg/Pankow ist. Ein schöner Ort mit hervorragender Akustik.
Es begann das INSUB META ORCHESTRA. Drei Stücke waren zu hören. Während des ersten brach immer wieder die Stille ins tonale Gefüge. Als hätten sie alle keine Instrumente sondern spielten mit Wind oder Atem. Drumherum wurden E-Gitarre und -Bass, Streicher, Snare mit Kratzschwamm und dergleichen gespielt. Das während der Stücke ohne Dirigat auskommende Orchester organisierte sich selbst. Sie saßen zum Teil paarweise. Diese Sitzordnung hatte den Vorteil, dass es immer einen Bezugspunkt gab, um den Einsatz auf die Nebenperson abstimmen zu können.
Auch im zweiten Stück herrschte immer wieder die Stille. Diese wurde von Passagen durchzogen, die mal Stimme und Streicher, Klangschale und Elektronik, Bläser und Streicher, Flöte und Stimme usw. kombinierten. Stille, Einsatz, Stille, Einsatz, Stille, Einsatz aller mit Beginn des dritten Stückes – das durchaus auch der Höhepunkt des Vorangegangenen hätte gewesen sein können. Finster, kalt und warm gleichermaßen. Ein Durcheinander, das zugleich zum Mitzählen einlud.
Das zweite Orchester war ein Hybrid. Es setzte sich aus dem INSUB META ORCHESTRA und dem SPLITTER ORCHESTER zusammen. Es gab nun mehr Elektronik. Sogar ein Flügel war zu sehen. Dazu trat eine Dirigentin vor das Orchester. Das Folgende wurde also frontal auf Fingerzeig gelenkt. Jeder dieser Fingerzeige war dem Orchester ein Zeichen. Es ging hier aber nicht mehr nur um den Takt, das Anzeigen der Einsätze usf., sondern um etwas, das „Soundpainting“ genannt wird. Dieses „Soundpainting“ macht es dem Ensemble möglich zu improvisieren. Denn es wirkt nicht mehr direkt ins Geschehen ein. Es entwirft mit dem Orchester Klangfelder, die eine Einheit bilden oder eben genug Freiraum lässt, um innerhalb dieses Raumes improvisieren zu können.
Die Dirigentin SABINE VOGEL, die selbst Mitglied des SPLITTEROCHESTERs ist, kurbelte mit ihren Händen, schwang die Arme. Ihre Hände schwebten über dem Kopf. Soweit ich das mitbekam, meinte ein erhobener Finger Achtung, zwei sich auseinander bewegende Hände ein Dehnen, Strecken oder Wirbeln. Und die Stille oder eine Pause wurde mit einer geballten Faust, auf der eine flache Hand liegt, angezeigt.
Dabei schwollen die Sounds immer wieder an, die Elektronik klang wie Vogelgezwitscher. Es gab Stand-Tomb-Schläge als stehende Töne. Oder es klimperte bei jedem Schlag, weil auf dem Fell Metallstäbe langen. Bögen an Becken, brummende Instrumente und fauchender Wind. Aber auch das Brummen wilder Tiere war zu hören. Produziert wurde das mit einem Trichter aus Metall. Dann ein Pausenzeichen. Dies galt jedoch für eines der Instrumente nicht. So wechselte die Atmosphäre. Dann wieder Schlagwerk. Die Tombs schlagen, schlagen. Und Schluss.
Ein meines Erachtens denkwürdiger Abend. Denn alles kann eben Musik sein. Selbst die anwesenden Gäste, die sich in knarrende Lehnen schieben, die Augen schließen, um sich von der Musik treiben zu lassen und dabei schwer atmen. Oder aber ihr Smartphone fallen lassen, weil sie es beim Fotografieren nicht in Händen halten können.

Der zweite Abend, an dem ich anwesend war, war Freitag der 25. November. Dieser Abend stand unter dem Motto: „Poetry of Noise“ und fand im „Ballhaus Ost“ in der Pappelallee statt.
Zunächst gab es eine wirklich nette und fast aus der Zeit gefallene Ansprache zu dem, was das Publikum erwarten konnte. Der Sprecher, der auch den zweiten Teil des Abends angesagt hat, ist SVEN-ÅKE JOHANSSON, der Komponist des Stückes, das das HARDING GREEN ORCHESTRA dann auch aufführte. Eine Symphonie für Kartonagen. Richtig, es gab anstatt klassischer Instrumente nur Kartons als Klangkörper. Und diese wurden mit Bögen gespielt.
Gestaffelt standen vorn kleine, etwas erhaben größere und hinten, hoch oben die für den Bass zuständigen Kartons. Es wurde wieder frontal dirigiert, d.h. mit Dirigent, der ebenfalls großen Wert auf die Einhaltung der Stille dazwischen legte. Um der jeweiligen Stimmung zu entsprechen, wurden die Kartons mit mehr oder weniger Styropor ausgelegt. Ein wunderbarer Vielklang, der durchaus noisig genannt werden kann. Ja, auf einem Tonträger könnte durchaus an den Klang von Werksmaschinen oder den eines Betonmischers gedacht werden. Darüber hinaus gab es auch Momente, die vom Klang her an Elektronisches erinnerten.
Die Einsätze saßen, so wie die Ruhemomente dazwischen. Die Lautstärke, die mit diesen Kartons erreicht wurde, war wirklich erstaunlich. Je nach Druck mit dem Bogen und Geschwindigkeit des Sägens am Rand des Pappkartons. Das sah auch manchmal lustig aus – so als ob die nebeneinander befindlichen Personen heftig an Baumstämmen sägten. Es war mit den Kartons aber auch möglich tatsächliche Tonfolgen zu spielen, oder gänzlich ohne Kartons. Etwa als sämtliche Bögen wie Peitschen durch die Luft geschwungen wurden. Es folgten noch zwei Einsätze des gesamten Orchesters. Dann war erst einmal Schluss, d.h. Umbau.
Nach etwa einer halben Stunde ging's weiter mit MARGARETH KAMMERER + LES FEMMES SAVANTES – etwas anderes als das, was da vorher ablief. Hier hatte es das Publikum mit einer Band bzw. einer Konstellation zu tun, die an eine klassische Pop-Formation erinnerte. Drei – wie es der Name schon hergibt – Frauen, die Texte der kanadischen Lyrikerin ANNE CARSON zu Soundcollagen umgestalteten. Das alles kurz gehalten. Wie wir es eben von Songs her gewöhnt sind. Dies reichte aber auch darüber hinaus. Die Variationsbreite war wirklich erstaunlich. Stimme, Gitarre, Trompete. Ein Geigenbogen an einem abgenommenen Blech, das aber auch mit einem Pinsel bestrichen oder zu einer Art Mini-Percussion umfunktioniert wurde. Das klang manchmal nach LAURIE ANDERSON. Stimmen, Laute, Krächzer, Stöhnen. Aufatmen und auch Sprechgesang – mal hoch, mal mittig, mal matt oder hell und auch spitz.
Dann ein Personalwechsel. Es wurde merklich elektronischer. Die mittig stehende Person dirigiert beide am Rand und spricht diese zunächst mit „Woman one“ und „Woman two“ an. Dies mischt sich mit weiteren Anweisungen, die sich zum Ende des Stücks mit einer verfremdeten Stimme aus dem Mixer vermischt.
Danach wurde zurück zur ersten Besetzung gewechselt. Knistern, Luftauslassungen aus der Trompete, die ab und an auch mit Dämpfer gespielt wurde. Dazu Percussion vom präparierten Tisch mit Mixer und der dazugehörigen Stempelkissen-Bass-Drum.
Ein heterogener Abend, der in puncto Varianz allerdings auch das musikalische Sichtfeld zu erweitern wusste.

Unterm Strich zwei wirklich gelungene Abende, die zeigten, dass es auch bei großen Besetzungen und groß angelegten, über vier Tage andauernden Zeiträumen zu Entdeckungen im Kleinen kommen konnte.
Dazu sei noch erwähnt, dass es Veröffentlichungen gibt, die dieses Spektakel annähernd wiedergeben können. Da wären das SPLITTER ORCHESTER + GEORGE LEWIS: CREATIVE CONSTRUCTION SET und das SPLITTER ORCHESTER + FELIX KUBIN: SHINE ON YOU CRAZY DIAGRAM.
Die künstlerische und die Produktions-Leitung übernahm GREGOR HOTZ, die Pressearbeit DOMINIQUE SCHWEIZER/ AMIONT, den Ton ROY CARROLL/ KASSIAN TROYER, das Licht RUTH WALDEYER/ BRUNO POCHERON und die Gestaltung MILCHHOF.NET.

 
awk für nonpop.de


Verweise zum Artikel:
» SPLITTER ORCHESTER
» INSUB META ORCHESTRA
» Video des HARDING GREEN ORCHESTERS
» LES FEMMES SAVANTES
» MARGARETH KAMMERER
» THE STILL
» HANNO LEICHTMANN auf bandcamp
» THE PITCH
» TRANSMIT
» CD SPLITTER ORCHESTER + GEORGE LEWIS
» SPLITTER ORCHESTER + FELIX KUBIN


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