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Tony F.

Quintessenz: DISTEL

Fünf Fragen an ...


Quintessenz: DISTEL
Kategorie: Spezial
Wörter: 1262
Erstellt: 24.05.2013
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Nach einer Single und Compilationbeiträgen hat der Niederländer PETER-JOHAN NIJLAND mit seinem Projekt DISTEL das Album "Puur" (Besprechung) vorgestellt. Grund genug für NONPOP diesem noch eher unbekannten Projekt eine QUINTESSENZ zu widmen.

Normalerweise benutzt du kryptische Songtitel. Ist das eine Art von Verschleierung und wie wichtig sind die Texte für dich?

Das Wort "Verschleierung" suggeriert, dass es etwas zu verstecken gibt – was tatsächlich nahe an der Wahrheit dran sein könnte. Wie auch immer. Ich würde sagen, dass ich eigentlich nichts "verstecken" will, aber ich versuche ein Abdriften in eine trockene Tatsächlichkeit oder die Benutzung von zu konkreten Bildern zu unterlassen. Ich möchte den Leuten nicht vorgeben, was sie erfahren sollen, am wenigsten noch mit einem konzeptionellen Kontext. Mein primäres Interesse beim Musikmachen ist die Kanalisierung von Kreativität in ein musikalisches Substrat und nicht, dass ich eine Art von Botschaft herüberbringen will. Die Titel mögen sich manchmal auf Teile der Texte beziehen. In anderen Fällen passen die Namen in meinen Ohren zum Charakter des Songs. Jeder DISTEL-Titel hat vier Buchstaben und sie entstammen verschiedenen Sprachen – manchmal sind sie auch etwas verdreht worden. Somit sind sie nicht notwendigerweise kryptisch gemeint, sie wurden einfach nur an das eigene ästhetische Universum von DISTEL angepasst. Die Texte sind wichtig für mich – allerdings meistens wegen ihrer klanglichen oder rein gesanglichen Eigenschaften. Weil mir langweilig werden würde, wenn ich nur Englisch benutzen würde, beschloss ich Stücke auch in anderen Sprachen aufzunehmen – etwas Niederländisch kann man auf dem Album hören, Norwegisch und etwas Japanisch. NAJAH, die Sängerin von DOLINA fügte einem der Stücke zudem ein französisches Flair hinzu. Ich liebe Sprachen und wie sie klingen – wahrscheinlich sogar mehr als textlichen Inhalt. Die Wörter und Themen, die ich verwende, basieren auf einem festen, persönlichen Rahmen von Referenzen, aber ich benutze keine eindeutigen Erzählungen oder greifbare Phrasen, um dem Hörer eine bestimmte Story zu vermitteln. Ich male eher Bilder, die durch Worte oder Teile des Textes offensichtlich werden ... und durch die Musik selbst natürlich.

Gibt es denn einen speziellen Inhalt, den du mit "Puur" an den Hörer bringen willst – oder auch mit DISTEL als Projekt?

Primär wäre das der musikalische Inhalt. Ich denke nicht, dass Musik das Behältnis für etwas anderes sein sollte. Wenn da jemals ein Wunsch vorhanden wäre, mehr auszudrücken als das, was allein durch die Musik repräsentiert wird, dann bin ich sicher, dass das fehlschlagen würde. Die Musik inklusive des textlichen Inhalts erwirkt ihren eigenen Eindruck auf den Hörer. Und ich glaube, dass es nicht wahrscheinlich ist, dass dies mit den Emotionen und Umständen korrespondiert, die mich während des Schreibens und des Aufnehmens der Songs bewegt haben. Tatsächlich hoffe ich sogar, dass es nicht so ist. Es gibt da natürlich eine gewisse bedrückende Atmosphäre und Klaustrophobie in der Musik – und vielleicht auch etwas Wut – was die Leute, wie ich glaube, erkennen werden. Das Album wurde in einer düsteren Zeit geschrieben, in der ich mit einem verdrehten Geist in Teufelskreisen stecken blieb, was letztlich ein Hindernis für alles war, was ich tat. Es war aber niemals meine Intention, diese Situation oder Gefühle wiederzugeben. Es ist etwas, dass einfach passiert, wenn ich DISTEL-Songs schreibe.

Du veröffentlichst auf Vinyl – nicht Digital. Was bedeutet das für dich als Musiker, da dies ja eher konträr zu den digitalen Trends in der Musikindustrie ist?

Grundsätzlich bin ich erst einmal froh, dass es überhaupt ein Angebot für eine Albumveröffentlichung gegeben hat. Beruflich betätige ich mich als Komponist und eine Menge meiner Auftragsarbeiten werden nicht in dem Sinne veröffentlicht – außer, dass sie z.B. auf Ausstellungen oder im Fernsehen zu hören sind. Somit ist es großartig, dass ein Teil von dem, was ich tatsächlich mache, so greifbar wird. Wie dem auch sei, wenn ich meine Arbeiten veröffentliche, ist es mein Hauptziel, Musik zu machen, die für ein Publikum zugänglich ist, vornehmlich in einer geschmackvollen Art und Weise und auf diversen Medien. Ich mag Vinyl wegen der großen Cover und ich liebe es, da es etwas ist, was man tatsächlich in der Hand halten kann. Davon abgesehen sehe ich nicht, warum ein Format wesentlich besser als ein anderes sein sollte. Ich bin einfach nur glücklich, dass die Musik da draußen und für interessierte Hörer zugänglich ist. Sowohl digitale als auch physische Kopien sind für mich in Ordnung. Beide haben Vor- und Nachteile und ich möchte beides machen. Ob Leute das Vinyl oder eine mp3 hören, ist ihre eigene Entscheidung – ich möchte nicht nur alleine auf eine Hörerschaft der Vinyl-Käufer abzielen. Für mich sind die aktuellen Formate des Mediums – CD, Tape, Vinyl, USB-Stick – notwendigerweise ein standardisiertes Phänomen, neben dem es nicht viel Raum für Kreativität gibt. Wenn man ein Sklave des Formats ist, lenken einige Label oder Künstler ihre Kreativität dahin, dass sie aufwändige Cover designen. Für mich persönlich könnte ein gut designtes Cover ein Grund sein, ein Album zu erwerben, das ich mag. Ich kann aber auch verstehen, dass jemand den Punkt, etwas zu sammeln oder so etwas, nicht im Blick hat, wenn er stattdessen die Musik – wobei ich davon ausgehe, dass sie das wichtigste für eine Menge Leute ist – ordentlich im Computer ablegen kann.

Dein Sound ist sehr atmosphärisch und dicht – aber nicht formelhaft wie viele andere Electro-Produktionen. Außerdem vermeidest du moderne Methoden und Strukturen wie harsche Beats, Plastik-Sounds oder naive Minimal-Elektro-Strukturen. Was ist also dein Ansatz? Was willst du erreichen?

Ich habe versucht, mit DISTEL Musik zu machen, die den düsteren Genres zugeordnet werden kann, die aber gleichzeitig über die üblichen Formeln und Sub-Genres hinausgeht. Ich versuche, die meisten gewöhnlichen Rhythmus-Klischees zu vermeiden und in anderen Fällen die grundsätzlichen Harmoniestrukturen. Aber andererseits verfolge ich das Ziel, bestimmte Elemente in die Songs zu implementieren, damit sie im Gedächtnis bleiben. Ein DISTEL-Song sollte eine organische, oft klaustrophobische Atmosphäre haben sowie Elemente, die ihn aus dem bloßen "atmosphärische Musik"-Sumpf herausziehen. Vielleicht sogar bis zu dem Punkt, wo er geradezu  körperlich und zwingend wird.

Nutzt du analoges Equipment, digitale Hardware oder Software-Synthesizer – und warum? Glaubst Du, dass die Art des Equipments, das ein Musiker nutzt, wirklich wichtig für das Ergebnis ist? Und wie wichtig ist das alles für dich?

Für DISTEL benutze ich nur analoge Synthesizer – bis auf zwei Ausnahmen – einen alten FM-Synthesizer (FM ist die Abkürzung für Frequenzmodulation. Anm. d. Ü.), der auf digitaler Basis arbeitet, und einen digitalen Drumcomputer. Außer der meisten Perkussion ist alles handgespielt, um ein gewisses menschliches Gefühl in der Musik zu belassen. Einige Perkussion-Parts auf dem Album wurden von DISTELs Perkussionisten SCRAMASAX ebenfalls handgespielt. Am Ende wurde alles mit einer antiken Version von Cubase (Software für Midi-Sequencing sowie für Musikaufnahme und -bearbeitung. Anm. d. Ü.)  aufgenommen und gemischt, sodass da tatsächlich auch eine digitale Seite existiert, obwohl es eine "Vintage-Digital-ness" ist.
Ich benutze Hardware-Equipment, weil Hardware-Synthesizer, wie auch akustische Instrumente, die Räumlichkeit eines Stand-Alone-Instruments besitzen – und obendrein eine Art von Greifbarkeit. Ich muss mit dem Instrument in Kontakt sein, um es zu fühlen. In meinen Ohren gibt es definitiv eine hörbare Differenz im Klang. Deshalb nutze ich für andere Projekte ebenfalls digitale Synthesizer und Effekte. Jeder Synthesizer hat seinen eigenen Charakter und eine eigene Stimmung – das macht ihn aus. Somit hängt es nur davon ab, was für einen Klang ich nutzen will, wenn ich mich für analoges oder digitales Equipment entscheide. Software-Synths nutze ich nie, obwohl eine erhöhte Mobilität und Flexibilität, wenn alles in eine Box passt, schon nett ist. Ich war nie ernsthaft dazu geneigt, das Hardware-Reich zu verlassen. Es ist einfach die Art wie ich zurzeit arbeiten möchte.


 
Tony F. für nonpop.de


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