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Tony F.

SOL INVICTUS - ein Interview


SOL INVICTUS - ein Interview
Kategorie: Spezial
Wörter: 1452
Erstellt: 05.10.2011
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TONY WAKEFORD ist mit seinen diversen Projekten ein viel beschäftigter Mann wie man so sagt. Zunächst erwischte ich ihn in Wroclaw, wo er einen Auftritt mit seiner neuen Band OWLS absolvierte. Später, zu den Zeiten der „Riots“ in Großbritannien fragte ich ihn dann, ob er deswegen in irgendwelchen Schwierigkeiten stecken würde, was er verneinte, da dort alles ruhig sei und seine Frau mit eiserner Hand herrschen würde. Letztlich ging es aber neben der Aufarbeitung der Tatsache, dass unsere Eltern denselben Geschmack für Namen hegen, auch noch um SOL INVICTUS und das neue Album „The Cruellest Month“.


Zurückblickend auf das WGT 2011 in Leipzig – wie war es, mit OWLS und solo im Heidnischen Dorf zu spielen? Und hat dir JOE BUDENHOLZER dein „Come on Grandpa!“ verziehen?

Mir hat unser Live-Debüt auf dem WGT sehr gefallen. Wir sind gerade in Wroclaw, wo wir morgen ein Festival spielen. Ich denke, dass das Ganze vor allem mit dem Gebrauch von Videoinstallationen live wirklich gut funktioniert. JOE ist ein grausamer Mensch! Wenn mir irgendetwas zustoßen sollte, wirst du wissen, wo du suchen solltest.

„The Cruellest Month“ ist ja nun vor einiger Zeit erschienen. Du hast woanders gesagt, dass du gar nicht sicher warst, ob du noch ein SOL INVICTUS-Album veröffentlichen wolltest. Gab es Pläne, die Band zu Grabe zu tragen? Und wann, warum und aus was für Gründen hast du deine Pläne geändert?

Ich habe gedacht, dass es mit der Veröffentlichung des Box-Sets Zeit wäre, mit der Sache Schluss zu machen. Letztendlich gab es einige Ereignisse, die geholfen haben aufzuzeigen, dass es ein paar gute Gründe dafür gab, weiterzumachen – aber in eine neue Richtung zu gehen. Somit gab es eben ein weiteres Album.

Wie kamst du mit PROPHECY in Kontakt? Es ist ja ein Label, das eher auf Metal fokussiert ist. Auch die meisten Neofolk-Bands auf AUERBACH – außer HEKATE – haben ihre Wurzeln im Metal. Ist SOL INVICTUS deshalb so etwas wie ein Außenseiter und fühlst du dich wohl, Teil dieser Truppe zu sein?

Sie haben mich kontaktiert. Ich dachte zunächst, dass es ein Angebot für die Wiederveröffentlichung eines alten Albums wäre. Aber MARTIN hat mich schnell mit seinen Plänen für einen „SOL-Blitzkrieg“ konfrontiert. Ich sehe es eigentlich als Vorteil an, dass das Label kein Neofolk-Label ist. Auf mich wirken musikalische Ghettos beengend und keiner in der Band fühlt sich besonders wohl mit einigen Dingen, die unter dieser Bezeichnung laufen.

Es scheint, dass die Nullerjahre SOL INVICTUS eine Menge Zeit gestohlen hätten. Nach dem Zusammenbruch von WORLD SERPENT musstest du erst einmal nach einem professionellen Label Ausschau halten. Du hast versucht in DARK VINYL und COLD SPRING eine neue Heimat zu finden, was aber scheinbar nicht wirklich geklappt hat. Trifft das zu oder gab es andere Gründe, warum es nur ein reguläres Album zwischen „Thrones“ und „The Cruellest Month“ gab?

Ich denke, es war keine gut Zeit für SOL INVICTUS. Zu versuchen, ein Album auf einem Windows-Rechner aufzunehmen, ist etwas, das ich nicht wiederholen werde. Und um es schonungslos zu sagen, zwei des damaligen Line-ups hätten schon Jahre vorher entlassen werden müssen – aber das war mein Fehler.

Wie ist das aus deiner Sicht. Wie wichtig ist ein funktionierendes Label – generell eben auch in Zeiten von mp3, i-Phones, etc. WORLD SERPENT war ja eigentlich ein Vertrieb, mit dem du mit deinem eigenen Label TURSA zusammengearbeitet hast. PROPHECY ist das erste „echte“ Label für dich, oder nicht?

Ja, obwohl das in Zeiten, in denen „echte“ Label untergehen, wobei das für PROPHECY glücklicherweise nicht gilt, zusätzlich seltsam wirkt. Es war für TURSA oder andere kleine Label jedenfalls unmöglich, die SOL-CDs ständig vorzuhalten – von so etwas wie dem Box-Set gar nicht erst zu sprechen. So gesehen war das Signing bei PROPHECY ein Glücksfall.

„Sol Veritas Lux“ wurde ja vor Jahren von TURSA/DARK VINYL schon einmal wiederveröffentlicht. War nicht mit DARK VINYL als Partner auch mal die Wiederveröffentlichung von allen SOL INVICTUS-Alben geplant?

Nein.

Können wir jetzt mit PROPHECY im Rücken auch mehr Tourneen und Konzerte erwarten?

Ja!

Das letzte Album „The Devil's Steed“ war meiner Meinung nach ein Album, das in einer Zeit entstand, in der sich SOL INVICTUS in Veränderung befand. MATT HOWDEN und SALLY DOHERTY hatten die Band verlassen. KARL BLAKE und ERIC ROGER folgten nach dem Album. Somit scheint das Album ein eher schwieriges gewesen zu sein, das für das Ende einer Episode stand. Würdest du zustimmen?

Ja, ausdrücklich.

Nun hast du einige neue Mitmusiker. Was sind die wichtigsten Gründe für dich, mit einer Person zusammenzuarbeiten oder nicht?

Dass sie mich ertragen können und ich sie, ist immer ein guter Anfang.

Und wie ist es mit TONY WAKEFORD zu arbeiten?

Wunderbar, ich habe ihm gegenüber noch nie ein böses Wort geäußert.

Der Klang des neuen Albums ist rau. Manchmal erscheinen Songs etwas übervoll und es liegen sehr viele Effekte auf dem Gesang. Warum hast du diesen Klang herausgearbeitet und kannst du die Ansicht von Hörern verstehen, denen die guten Melodien zu sehr unter Sounds und Effekten begraben sind?

Natürlich ist das eine legitime Sichtweise, aber wenn man mit einem Produzenten zusammenarbeitet, muss man darauf eingestellt sein, seinen Rat anzunehmen und ich persönlich bin glücklich mit dem Album.

Der Albumtitel „The Cruellest Month“ bezieht sich auf T.S. Eliots „The Waste Land“. Ist das richtig? (Darin wird der April als der grausamste Monat von allen bezeichnet. Eigentlich paradox für einen Monat, der für den Frühling steht. Somit erklären sich auch Songtitel wie „Raining In April“ oder „April Rain“. Anm. d. Verf.)

Ja, das ist eines meiner Lieblingswerke.

Ein Song, der den beim Älterwerden wachsenden Zynismus sehr gut zusammenfasst, ist „Toys“. Glaubst du, dass es zur menschlichen Existenz gehört, dass jeder Traum zerstört wird und dass sich alles Gute früher oder später in etwas Schlechtes wendet? Oder ist es mehr das Lachen über sich selbst – über den dummen Glauben eines Kindes?

Ein bisschen von beidem. Die eigentliche Idee kam von „Thick As A Brick“ von JETHRO TULL. Da wird von Helden der Kindheit gesungen, die sich für die Rente nach Cornwall zurückgezogen haben, um dort ihre Memoiren zu schreiben. Meine Idee war dann mehr, wie sie sich entwickeln würden – in meiner kranken Welt.

Einige Promo-Fotos für das Album (Siehe auch das Artikelfoto. Anm. d. Verf.) zeigen die Band in einer Art, die mich an den alten WORLD SERPENT-Style, wie er auf dem „Earth Covers Earth“-Album von CURRENT 93 erkennbar wird, erinnert. War das purer Zufall und ist der Begriff „WORLD SERPENT Family“ für dich ein passender, wenn du zurückdenkst?

LESLEY, die diese Fotos gemacht hat, hatte glaube ich diese Idee, und ja, sie haben diesen „Look“. Der Begriff „WORLD SERPENT Family“ ist aber meiner Meinung nach so gut wie jeder andere auch.

Ich könnte mir denken, dass es seltsam ist, mit dem Box-Set sein „Lebenswerk“ in den Händen zu halten. Kam während der Arbeit daran Nostalgie auf oder als du zum ersten Mal das Endergebnis vor dir hattest – eine Art Memento Mori-Gefühl? Und um in die Zukunft zu blicken, gibt es schon Pläne für ein neues Album?

Ja, es ist seltsam. In einer Art, als wenn man seinen eigenen Grabstein sehen würde. Nun, es gibt einige Songs, die zur Zeit ausgearbeitet werden. Aber wir sind nicht in Eile, da wir hoffen, einige von ihnen als Band und live auszuarbeiten.

Ende Juni habt ihr am Abend des letzten 6COMM-Konzerts gespielt. Stimmt es, dass eine Veröffentlichung von PATRICK und dir geplant ist? Er hat das mal erwähnt.

Ja, wir hatten die Ehre, zu PATRICKs letztem Konzert als 6COMM eingeladen zu werden, um dort zu spielen. Wir haben über ein mögliches gemeinsames Projekt gesprochen. Im Moment sind wir beide aber sehr beschäftigt, von daher ...

Die meisten der ehemaligen WORLD SERPENT-Künstler fühlen sich eher unwohl, wenn man sie über ihre WSD-Vergangenheit und den Ärger innerhalb der Familie befragt. Es scheint aber, dass du dich mit einigen dieser Künstler noch ziemlich gut stehst. Du hast in der jüngeren Vergangenheit zum Beispiel mit NWW-Mitgliedern zusammengearbeitet und du spielst Konzerte mit PATRICK LEAGAS. Wie würde eine Familien-Reunion mit TONY WAKEFORD als Mentor aussehen?

Wie die Hölle auf Erden, sollte man meinen. Wenn ich über das Ganze nachdenke, dann ergibt sich mit dem Alter eine gewisse Perspektive. Das Leben ist zu kurz für die meisten solcher Sachen. Aber so was muss natürlich jeder für sich selbst entscheiden.


 
Tony F. für nonpop.de


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