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Tony F.

DISTEL: Puur


DISTEL: Puur
Genre: Angst Pop
Verlag: Enfant Terrible
Erscheinungsdatum:
April 2013
Medium: Vinyl LP
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Nach einer Single aus dem Jahr 2010 und einigen Compilation-Beiträgen veröffentlicht der Niederländer PETER JOHAN NIJLAND unter dem Namen DISTEL nunmehr sein Debüt-Album auf ENFANT TERRIBLE – und was für eins. Musikalisch bewegt sich das Projekt irgendwo im Bereich von Angst-Pop mit einer Prise Minimal-Elektronik, wobei gerade der oftmals etwas unbeschwerte Ansatz typischer Minimal-Elektronik hier überhaupt nicht zum Tragen kommt, sodass im Kern ein sehr dichtes, schleichendes, drückendes und atmosphärisches Werk vorliegt. Als übertrieben düster oder gar extrem kann man die Musik hingegen nicht bezeichnen, weswegen ich auch ungern von Industrial-Einflüssen spreche, obwohl man diese in Bezug auf ein historisches Verständnis des Begriffs eventuell schon herausstellen könnte.

Der Sound hat etwas Schwebendes, Warm-Analoges, das den Hörer anzieht und versinken lässt. Gleichzeitig ist er beinahe zum Anfassen räumlich. Im Gegenzug sorgen klinische Drumpattern und weniger glatte, analoge Klänge für die nötige Spannung. Den Klängen wird dabei viel Platz zur Entwicklung gelassen – vordergründige Effekte aber auch allzu griffige, analoge Querschläger werden weggelassen. Die Sequenzer werden nur hier und da angeworfen wie z.B. bei „Sarc“, das mit einer sogar an EBM erinnernden Basssequenz aufwartet. Zudem verweigert sich die Musik gängigen, ja Pop-Klischees, sodass eher offene Songstrukturen verwendet werden und allzu straighte Rhythmen bzw. Beatstrukturen fehlen. Vielmehr klopfen klare, analoge Drumsounds einen unterstützenden, zurückhaltenden Takt. Passend zum Gesamtsound wird auch der Gesang recht zurückhaltend, weiter hinten im Mix stehend aber dennoch ausreichend melodisch inszeniert. Überhaupt kommt die melancholische Melodik nicht zu kurz wie gerade einer der sanft treibenden Höhepunkte des Albums namens „Hale“ hervorragend dokumentiert.

Aufkommende Vergleiche zu Bands des Braunschweiger GALAKTHORRÖ-Labels werden in der Label-Info selbst gezogen und treffen sicher in gewissem Maß auch zu, obwohl gerade der Vergleich mit den GALAKTHORRÖ-Labelflaggschiffen eigentlich eher hinkt – da fehlt es meiner Meinung nach dann doch an Kompaktheit, Druck sowie einem Schuss Abgründigkeit. Darüber hinaus ist der Sound von DISTEL insgesamt auch sauberer und klinischer, während bei den GALAKTHORRÖ-Acts die Oszillatoren brummen und die Rhythmen zumeist dreckiger herüberkommen. Zudem fehlen bei DISTEL die druckvollen „Hits“, was die Klasse des Albums aber nicht schmälern sollte. Ein Vergleich mit MASKA GENETIK wäre vielleicht der nahekommendste. „Puur“ kommt somit eher dem Labelklang oder der Labelphilosophie als Ganzes nahe. Die von ENFANT TERRIBLE zudem ins Feld geführten Witch-House-Vergleiche ziehen aufgrund der Sound- und der Rhythmusstrukturen aus meiner Sicht allerdings eher weniger. Letztlich ist „Puur“ aber ein überaus gelungenes Album geworden, dessen Sound besticht, das sich nicht so leicht in die üblichen Strukturen fügt und das einiges zum Entdecken bereit hält.


 
Tony F. für nonpop.de


Verweise zum Artikel:
» DISTEL-Homepage

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