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Thomas L.

SIGH: Scenes From Hell


SIGH: Scenes From Hell
Genre: Black Metal
Wörter: 524
Medium: CD
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Bei SIGH handelt es sich um eine japanische Black Metal-Band, die bereits seit den frühen Neunziger Jahren aktiv ist und auf eine BATHORY-Coverband zurückgeht. Während grundsätzliche Stilelemente des Black Metals blieben, so kamen im Laufe der Jahre verstärkt experimentelle und avantgardistische Fragmente hinzu, die nicht immer leicht zu konsumieren waren. Bandkopf MIRAI KAWASHIMA ist parallel zu SIGH in zahlreichen weiteren Projekten aktiv und dieser Umtriebigkeit dürfte er auch die Bekanntschaft mit DAVID TIBET verdanken, der sich mit zwei Spoken Word-Beiträgen an „Scenes From Hell“ beteiligt hat; eine zwar äußerst spartanische Kooperation, die SIGH aber dennoch so manchen neuen Hörer zuliefern wird.
Mit „Prelude To The Oracle“ beginnt das Werk schnell und treibend; Gesang und Schlagzeug setzen SIGHs bekannte Variante des Black Metals fort; die Gitarre verlässt ab und an die Pfade der Finsternis und tendiert hin zum klassischen Heavy Metal. Schnell setzen auch die Orchesterpassagen ein, die sich dann durch das gesamte Werk ziehen. Eben diese klingen hingegen für westliche Ohren etwas gewöhnungsbedürftig. Wenn man Vergleiche bemühen will, so stelle man sich vor, THERION würden ihre Death-Metal lastigen Frühwerke neu mit dem später obligatorischen Orchester vertonen wollen, doch statt des Miskolc-Orchesters hat man versehentlich einen leicht alkoholisierten Spielmannszug aus bajuwarischen Landen verpflichtet. Die Orchesterparts liegen immer etwas schief neben der Metalspur; das mag nun je nach Sichtweise schlecht arrangiert oder eben avantgardistisch sein. Wohlwollend kann man argumentieren, dass das Hören durch diese Disharmonie nicht so schnell langweilig wird.
Beim vierten Stück gibt sich DAVID TIBET schließlich die Ehre und beginnt „The Red Funeral“ mit apokalyptischen Versen, die von einem dezenten Piano begleitet werden. Der Hörer fühlt sich für wenige Sekunden an „Black Ships Ate The Sky“ erinnert, doch das währt nur kurz, denn dann kommt schon wieder der Spielmannszug um die Ecke. Für „The Summer Funeral“ hat man schließlich den Trauermarsch adapiert, während sich im Hintergrund MIRAI die Seele aus dem Leib schreit. Das siebenminütige Stück ist in meinen Augen das Glanzlicht des Albums, da die Orchesterparts hier zum ersten und letzten Mal wirklich majestätisch und hymnisch klingen, was der düsteren Atmosphäre des Stückes sehr zugute kommt. Es ist sozusagen eine Black Metal Variante von CURRENT 93s „Maldoror Is Dead“. Das eher futuristisch anmutende „Musica In Tempora Belli“ gibt schließlich wieder DAVID TIBET die Möglichkeit, über Alpha und Omega zu sprechen.
Insgesamt handelt es sich um eine Veröffentlichung, die wohl sehr polarisieren wird. So wie der japanische Noise eine Szene für sich bildet, so unterscheidet sich auch der Black Metal von seinen europäischen Vertretern. Eine Brücke könnte man allenfalls zu den avantgardistischen Brüdern im Geiste von SOLEFALD schlagen, doch mit Klängen von Bands wie DARKTHRONE oder MAYHEM haben SIGH nichts gemein. „Scenes From Hell“ als Gesamtwerk hat mich weder begeistert, noch finde ich es schlecht. Nachhaltig beeindruckt hat mich lediglich das Stück „The Summer Funeral“; viele der anderen Stücke haben einen Unterhaltungswert, bleiben aber nicht als Klassiker im Gedächtnis hängen. Was bleibt, ist ein interessantes, obskures Album, das nicht zuletzt eben auch durch die kurzen Gastbeiträge von DAVID TIBET geadelt werd. Eine Empfehlung an jene, die eine Vorliebe für das Obskure haben. Doch es empfiehlt sich, vor dem Kauf zunächst eine Hörprobe zu wagen.


 
Thomas L. für nonpop.de


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Zusammenfassung
Avantgardistischer Black Metal aus Japan mit einem Gastspiel von David Tibet und gewöhnungsbedürftigen Orchesterpassagen.

Inhalt
1. Prelude To The Oracle
2. Lart De Mourir
3. The Soul Grave
4. The Red Funeral
5. The Summer Funeral
6. Musica In Tempora Belli
7. Vanitas
8. Scenes From Hell
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