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Michael We.

Elektronische Laborversuche Teil 1 und 2

Neue Alben von Bastlern


Elektronische Laborversuche Teil 1 und 2
Genre: Experimental
Wörter: 894
Medium: CD
Kaufen bei: Amazon


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NANA APRIL JUN: The Ontology Of Noise

TOUCH TONE 37
5 Tracks
CD (36:40)
Kaufen bei TOUCH TONE (£ 9)

CHRISTOFER LÄMGREN liebt skandinavischen Black Metal. Das überrascht auf den ersten Blick, da er selbst ausschließlich elektronische Soundfrickeleien produziert. LÄMGREN ist einer der vielen, auf der ganzen Welt wie Pilze aus dem Boden schießenden jungen Multimedia-Künstler, deren Output in der Regel aus einer Mischung von elektronischen Klängen, Fotos, Videos und Text besteht, nicht immer alles gleichzeitig natürlich. Der 34jährige Schwede lebt in Göteborg und arbeitet dort unter anderem als Herausgeber des Kunstmagazins YKKY, einer übergroßen Zeitschrift im A3-Format, die sich in der kommenden, dritten Ausgabe zum Beispiel ARVO PÄRT widmet. Unter dem Pseudonym JEANNE IKEDA hat er schon einige Noisestücke veröffentlicht, wohl in Anlehnung an den japanischen Klangkünstler RYOJI IKEDA, um den sich YKKY #3 ebenfalls kümmert.

Der Name NANA APRIL JUN ist neu und "The Ontology Of Noise" somit ein Debüt mit einem viele Erwartungen weckenden Titel. Eine Ontologie, eine Seinslehre des Noise soll es sein. Etwas flapsiger formuliert: Mal zeigen, was Noise so alles leisten kann. Die selbst gewählte Versuchsanordnung von LÄMGREN lautet, dass sich alles elektronisch Erzeugte auf diesem Album atmosphärisch so nah wie möglich an Black Metal bewegen soll. Zum einen wird das über die Simulation eines Instruments erreicht: Viele Sounds steigern sich zur Kakophonie, die wie das kreischende Blatt einer Kreissäge tatsächlich an den zerstörerischen Sound von Black Metal-Gitarren erinnern kann. Zum anderen bekommt die Naturnähe und -liebe, die gerade viele skandinavische Black Metal-Musiker prägt, ihren Raum.

Zum Auftakt schafft dunkles Rauschen eine unheimliche, gleichförmige Grundstimmung, die nach ungefähr zwei Minuten von einer ersten Kreissäge zerrissen wird. Diese düstere, zerrende Wand schält sich im Verlauf der CD immer wieder aus all den Geräuschen und ähnelt in verschiedenen Variationen, etwa als Drone, tatsächlich verblüffend einer E-Gitarre. Im Großen und Ganzen weist "Ontology..." keine Arrangements, keine Strukturen auf. Ein Strom aus Rauschen fließt mit dezenten Veränderungen durch einen Tunnel voller Leere, nur unterbrochen vom fiesen Sägeblatt oder diversen Rückkopplungen. Das dritte Stück ist offenbar der Natur gewidmet, sehr organische Sounds ahmen Wind und Regen nach, die Einsamkeit großer, abweisender Wälder stellt sich ein. Zum Ausruhen dröhnt einige Minuten lang der angenehme Ton eines Glockenschlages, bevor im großen Finale ganze Rauschbündel in Wellen anrollen.

"The Ontology Of Noise" ist durchaus interessant – wenn man die knapp 37 Minuten Geräusch als Experiment betrachtet und nach Momenten sucht, die eine Nähe zum Black Metal schaffen. Davon gibt es einige, und wie klar sich aus dem Noise phasenweise eine verzerrte Gitarre formt, überrascht immer wieder.


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FRANCISCO LÓPEZ & LAWRENCE ENGLISH: HB

BASKARU 13
4 Tracks
CD (52:25)
Kaufen bei BASKARU (€ 14)

Der Dschungel dieser beiden Geräuschartisten ist wirklich harter Hörstoff, was auch daran liegt, dass manche Teile so leise sind, dass man sie kaum wahrnimmt. Aber der Reihe nach. Wer sich auch nur ein wenig für elektronische Musik interessiert, ist schon einmal dem Spanier lopez.net/">FRANCISCO LÓPEZ begegnet. Der Mann hat in den vergangenen 25 Jahren viel für die experimentelle Elektronikszene getan, zum Beispiel dazu beigetragen, das Kunstradio (oder die Radiokunst) am Leben zu halten. Seine Soundinstallationen sind in 50 Ländern der Welt zu hören, und beim honorigen ARS Electronica-Festival gewann er diverse Preise. Die Denker dieser Welt lassen sich gerne mit ihm sehen; LÓPEZ hat auch Kunstwerke für die Eröffnung von Goethe-Instituten und EXPO-Pavillons gestaltet. Ein Detail seiner Arbeit ist für die Annäherung an "HB" wichtig: Bei Liveauftritten sitzt sein Publikum immer in absoluter Dunkelheit.
Der Australier LAWRENCE ENGLISH ist jünger als sein spanischer Kollege, aber ebenso fleißig in der Veröffentlichung von eigenen und – als Kopf des australischen Labels ROOM 40, das inzwischen fast 450 (!) Publikationen aufweist – fremden Soundexperimenten.

Die Versuchsanordnung für "HB" ist denkbar einfach: Jeder der beiden Künstler nimmt field recordings aus seiner Sammlung, die ihm besonders gefallen, und schickt sie seinem Kollegen. Der darf die Files mit eigenen Feldaufnahmen und Sounds ergänzen, schickt sie wieder zurück usw. Ein CD-Puzzle, sozusagen. Herausgekommen ist ultraminimale Musique concrète, als hätten LÓPEZ und ENGLISH ein Mikrofon auf einer Lichtung liegenlassen und 24 Stunden später wieder abgeholt. Hauptsächlich besteht "HB" aus Vogelgezwitscher, welches aus fernen Ländern zu stammen scheint. Hierin besteht ein großer Teil der Kunst: Mit ein paar ausgewählten, wie Puzzleteile zusammengesetzten Vogelstimmen eine so große, komplexe Atmosphäre wie die eines exotischen Dschungels aufzubauen. Manchmal, zuweilen in fast rhythmisch zu nennenden Abständen, taucht dazu eine Art bäriges Grunzen und Schaben auf. An wenigen Stellen werden die Vögel durch ein starkes Rauschen überlagert, am Ende mischen sich Regen und ein vermutlich teilweise synthetisch erzeugtes Gewitter dazu. Meistens bleiben die Sounds aber im Ursprungszustand eines geheimnisvollen Tierparadieses, aufgenommen aus einer akustischen Perspektive kurz über der Grasnabe.

Teile der CD sind so leise, dass schon das Surren eines Computerlüfters den Sound übertönt. Deshalb – wie angekündigt – Augen zu und Kopfhörer auf. Mit der Bereitschaft, sich auf – mehr oder weniger – 50 Minuten Tiergeräusche einzulassen, ist "HB" wie eine Videoinstallation ohne Video, welches beim Hören aber im Kopf entstehen kann. Für Freunde akustischer Tüftelarbeit.

 
Michael We. für nonpop.de


Verweise zum Artikel:
» NANA @ myspace
» JEANNE IKEDA @ myspace
» Fotos von YKKY
» LÓPEZ-Podcasts mit Interviews und Musik
» ROOM 40 @ myspace

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» VARIOUS: Chthonian Musik
» FRANCISCO LÓPEZ: Untitled (2010)
» FRANCISCO LOPEZ: Untitled [2009]


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Zusammenfassung
Zwei Tüftler, zwei elektronische Experimente: 1) Wie sehr kann Noise nach Black Metal klingen? 2) Welche Atmosphäre kreiert ein 50minütiges Puzzle aus Vogelstimmen? Beide Alben haben starke Momente, fordern den Hörer aber auch gewaltig.

Inhalt
NANA APRIL JUN

1 The One Substance (3:12)
2 Process Philosophy (6:59)
3 Space-Time Continuum (10:40)
4 Semantic Shift (3:04)
5 Sun Wind Darkness Eye (12:44)

LÓPEZ & ENGLISH

1 Untitled #175 (15:39)
2 Pattern Review by Motion (12:06)
3 Wire Fence Upon Opening (8:45)
4 Untitled #204 (15:55)
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