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Tony F.

OSTARA: The Only Solace


OSTARA: The Only Solace
Genre: Neofolk
Verlag: Trisol
Vertrieb: Soulfood
Erscheinungsdatum:
Januar 2009
Medium: CD
Preis: ~13,00 €
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Dieser Artikel wurde mit Musikbeispielen in der NONPOP-Hörschau Nr. 18 vertont!


Mit der Veröffentlichung von „Immaculate Destruction“ vor einigen Jahren ergab sich für OSTARA im Grunde eine Art Scheidepunkt. Der Stil der Band hatte sich über die Jahre vom typischen Neofolk über Folk-Pop bis hin zu rockigeren Klängen – ab dem Zeitpunkt ohne den langjährigen Partner TIMOTHY JENN - entwickelt, und gipfelte bei besagtem Album schließlich im Gothic-Rock. Zur gleichen Zeit gab es auch angekündigte letzte Akustik-Auftritte, so dass die Abkehr vom alten Stil manifestiert schien. Letztlich stellte sich allerdings die drängende Frage, ob OSTARA mit dieser Entwicklung den Bogen nicht vielleicht überspannt hatten, weil alte Fans im Angesicht dieses musikalischen Wandels im günstigsten Fall doch ein leichtes Unbehagen verspürten und die Gothic-Rock Szene sicher nicht auf eine Band wie OSTARA gewartet haben dürfte. Angekündigte Live-Auftritte blieben dann auch erst einmal aus, und ich war mir relativ sicher, dass nach diesem Album entweder das Ende von OSTARA folgen würde oder eine Platte, die sich wieder deutlich zum alten Stil bekennt.

Letzteres ist nun schließlich eingetreten, wobei man amüsiert feststellen kann, dass es so wirkt, als hätten sich zwei Musiker, die sich schon sehr lange kennen, abgesprochen, wie sie ihre jeweils neuen Alben gestalten. Nämlich sehr zurückhaltend und auf das Wesentliche reduziert. Im Gegensatz zu DOUGLAS P. hat RICHARD LEVIATHAN allerdings wesentlich mehr Engagement und die deutlich besseren musikalischen Ideen in die Produktion seines neuen Albums „The Only Solace“ einfließen lassen, das im Grunde ein Solo-Werk ist, da nur einzelne Musiker, darunter auch STUART MASON, der schon länger zu OSTARA gehört, sowie der extrem umtriebige MATT HOWDEN, hier und da etwas zu einzelnen Stücken beitragen – mehr aber auch nicht.

Tatsächlich hat sich RICHARD LEVIATHAN scheinbar von Allem befreit und präsentiert nun ein Album, das im Wesentlichen neben seiner prägnanten Stimme mit Akustikgitarren und Keyboardklängen auskommt. Selbst das eigentlich auf jeder OSTARA-Produktion eingesetzte Schlagzeug, das mir seit jeher auch immer etwas zu präsent war, wird nur bei dem Stück „Darkly Shining“ eingesetzt. Dennoch wirken die Stücke agil und kraftvoll.

Schon das Artwork zeigt, wohin die Reise geht. Es wirkt roh und die Bilder zeigen eine fast schon überzeichnete ins Unscharfe abgleitende Nähe. Keine Schnörkel, keine Glätte, kein Kitsch. Hört man sich dann in die Platte ein, wird schnell deutlich, dass RICHARD LEVIATHAN hier eines seiner besten Alben überhaupt abgeliefert hat. Wer bei Akustikgitarre und Keyboards an ödes Geklampfe denkt, dem muss man entgegenhalten, dass die Akustikgitarren sehr vielfältig und mehrschichtig eingesetzt werden. Das treibende, nur auf Akustikgitarren basierende, eindringliche „Architects Of Ruin“ ist da ein gutes Beispiel mit seiner sich trotz des alleinigen Einsatzes der Gitarren zum Ende hin steigernden, weitenden Stimmung. Die Keyboards wiederum liefern unaufdringlich etwas atmosphärische Tiefe und die Gastbeiträge von MATT HOWDEN an der Violine oder von DAVE LOKAN am Bass bringen zusätzliche Abwechslung ins Klangbild. Der Gesang wird an manchen Stellen interessant gedoppelt und fällt auch insgesamt wieder sehr eindringlich aus. Letztlich leben die gut ausgearbeiteten Stücke aber von den berührenden Melodien sowie der abwechslungsreichen Produktion, so dass trotz des zurückhaltenden Klangbilds eigentlich nie Langeweile aufkommt und sich die Songs genügend voneinander abgrenzen.

Höhepunkte kann man sicher einige benennen. Die Platte beginnt eigentlich mit sehr typischen OSTARA-Stücken, die eine regelrechte Gelöstheit ausstrahlen, wobei „The First Day Of Summer“ gleich mit einem schönen gedoppelten Gesang im Refrain auffällt. Spätestens mit dem hervorragenden „Pillow Of Ashes“ wird die Atmosphäre melancholischer. Dieses auf zurückhaltenden Pianoakkorden und dem Violinspiel von MATT HOWDEN aufbauende Stück, lässt gerade in der Strophe atmosphärische Ähnlichkeiten zu BACKWORLDs „The Tide“ aufkommen. Neben dem bereits genannten „Architects Of Ruin“ fallen noch „Lanterns Of Storm“ mit seinem mitreißenden Refrain, sowie das trotz der zurückhaltenden Instrumentierung druckvolle, schier hitverdächtige „Stilts & Crutches“ auf. Auch das Titelstück ist gelungen. Einer meiner deutlichsten Favoriten taucht allerdings erst an zweitletzter Position mit „The Darkening“ auf. Hier stimmt einfach alles. Berührende Melodien in der Strophe sowie im Refrain, wobei dort die hintergründige, verwaschen verzerrte Gitarre noch für zusätzliche Tiefe sorgt. Der Refrain steigert sich schließlich zu einem Finale, das nach dem Ende des Stücks nach einem fließenden Ausklang des Albums verlangt, der mit „If The Dead Could See“ perfekt gelingt. Das eher kriechende, düstere Stück bricht allerdings auch etwas mit dem vorhergehenden Stil, da es mit hintergründigen Rhythmen arbeitet und auf deutlich mehr Effekte setzt, die auch über die raunende Stimme gelegt sind. Dieses Stück ist allerdings auch kein wirklich neues Stück, da es bereits auf dem „Saw II Original Score“-Sampler erschienen ist und damit auch älteren Datums ist.

Was soll man sagen: Irgendwie ist „The Only Solace“ ein Album, auf das ich im Neofolk-Bereich seit bestimmt ein bis zwei Jahren gewartet habe, was einen endlich mal positiven Befreiungsschlag darstellt und was so von dem einen oder anderen alten WORLD SERPENT-Act wohl nicht mehr zu erwarten ist. Ohne großes Brimborium werden einem vierzehn Stücke präsentiert, die wieder den Kern dessen behandeln, um was es mal ging: gute Songideen, die mit einfachen Mitteln aber dennoch mit Atmosphäre umgesetzt werden, die berühren, melodiös ausfallen und eine gewisse Sehnsucht ausstrahlen. Dazu kommen hier eine sehr gute musikalische und gesangliche Leistung sowie die wie immer hervorragende Textarbeit eines RICHARD LEVIATHAN. Eigentlich kann man nur hoffen, dass man in Zukunft musikalisch an dieses Album anknüpfen wird. Denn das ist der Stil, den OSTARA am besten beherrschen.


 
Tony F. für nonpop.de


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Zusammenfassung
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Inhalt
Victory Surrender
The First Day Of Summer
Darkly Shining
Calling To The Storm
Pillow Of Ashes
Architects Of Ruin
Fields Of Fire
The Carnival
Lanterns Of The Storm
Rise Descending
Stilts & Crutches
The Only Solace
The Darkening
If The Dead Could See
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