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Dominik T.

VESTIGIAL: Aeon

Guter Dark Ambient-Debütant und dennoch alles wie immer


VESTIGIAL: Aeon
Genre: Dark Ambient
Verlag: New Sun Prod.
Medium: 3-Zoll-Mini CD-R
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Dark-Ambient ist ja bekanntlich so ein Metier, bei dem es auf Individualität nicht sonderlich ankommt, wenn es also hier einem neuen Künstler gelingt, eine Klanglandschaft zu erschaffen, die einem der führenden Vertreter des Genres, beispielsweise LUSTMORD oder INADE, sehr ähnlich ist, wäre dies kein Grund zum Nase rümpfen, sondern vielmehr etwas was tendenziell für Qualität spräche. VESTIGIAL, das italienische Projekt, das hier kurz vorgestellt werden soll, ist ein klassisches Beispiel dafür. Ihre Debüt Mini-3"-CD „Aeon“ ist knapp 25 Minuten lang, und während dieser Zeit passiert absolut nichts, woran man nun so etwas wie einen ureigenen VESTIGIAL-Sound, eine eigene Note, festmachen könnte und dennoch darf man ihr Debüt als ausgesprochen gelungen bezeichnen.
Dieses Gesichtslose fängt dann, wenn man’s genau nimmt, auch schon beim Namen des Minialbums an. „Aeon“, genauso hieß bereits das Vollzeit-Debütalbum des australischen Dark-Ambient Projektes TERRA SANCTA, welches 2004 über malignantrecords.com/">MALIGNANT RECORDS erschien, zu recht überaus gute Kritiken einstecken konnte und atmosphärisch in genau die gleiche Kerbe schlug, wie nun VESTIGIAL. Ein Jahr vorher debütierten TERRA SANCTA bereits mit einer Mini-CD im Eigenverlag, ganz haargenauso wie VESTIGIAL nun vier Jahre später.
„Äeon“ ist im allgemeinen eine Bezeichnung für Weltzeitalter, meist gebräuchlich in einem esoterischen Sinne, somit ist auch schon einmal klar, dass der VESTIGIAL-Ambient eher „kosmischer“-Natur ist, d.h. im Sinne des berühmten Kopfkinos haben wir es hier nicht mit aufspringenden Sargdeckeln und verwunschenen Spukschlössern zu tun, sondern mit Reisen durch Raum und Zeit, die ambientmusikalisch untermalt werden. Die Hörerfahrung lehrt, dass solche „kosmischen“ Ambientprojekte eigentlich immer jenen Spuk-Ambient-Projekten qualitativ vorzuziehen sind, vielleicht weil bei ihnen das „Dunkle“ des „Dark“-Ambient eher einen ernsthaft-natürlichen Charakter bekommt, während die Spukprojekte, so „düster“ sie sich selbst mitunter auch empfinden mögen, immer eher etwas von Kasperletheater haben, und das wollen wir ja nicht, oder? Die internationalen Champions jenes kosmischen Dark-Ambients mit Wurzeln in der „Industrial Culture“ sind seit vielen Jahren in Leipzig ansässig, gemeint ist natürlich der Musikverlag der LOKI FOUNDATION. Wenn nun also ein Dark-Ambient Projekt, welches den Wandel der Äonen musikalisch untermalen will, gut ist, wird es so klingen, dass man sich ihre Musik auch eben dort in Leipzig veröffentlicht vorstellen kann. Bei VESTIGIAL trifft genau das zu, sie klingen zwar weder vollständig nach INADE noch nach HERBST 9, dafür besitzen beide deutschen Projekte einen zu großen Wiedererkennungswert, dennoch platzieren sich VESTIGIAL bewundernswert treffsicher genau dazwischen, aber in diesem "Dazwischen" sitzt tragischerweise auch schon IONOSPHERE. VESTIGIALs Ambient besitzt genau das gleiche aufwühlende Element, welches einem von INADE vertraut ist, man aber auch von BAD SECTOR kennt, die ja ebenfalls aus Italien sind. Dunkles Grollen, verzerrte Stimmfetzen, Ansätze dramatisch-tragischer Melodien, verlorene Momente, Hall und dann gut gesetzte verzerrte Ausbrüche, die mitunter durchaus brutal wirken können. Es ist jedoch alles computergeneriert, Feldaufnahmen, akustische Instrumente Fehlanzeige. VESTIGIAL scheinen gut aufgepasst zu haben und verbinden die besten Momente von INADE, HERBST 9, LUSTMORD, RAISON D’ETRE und BAD SECTOR zu etwas völlig...ja völlig Uneigenem. Um die Parallele zu TERRA SANCTA nochmals aufzugreifen, die sich ja anbietet, weil „Aeon“ als Name schon signalisiert, dass man das gleiche will, VESTIGIAL ist ihre Äoneninterpretation noch ein Stück weit besser gelungen als den Australiern. Im direkten Vergleich liegt im VESTIGIAL-Ambient weitaus mehr Dramatik, während TERRA SANCTA minimalistischer sind und damit der ursprünglichen Ambient-Idee, Hintergrundmusik zu bieten eigentlich näher kommen.
Fazit: Man darf gespannt sein, welches Label in Zukunft mit VESTIGIAL arbeiten wird. In erster Linie würde sich schon die LOKI FOUNDATION anbieten, vor allem weil bereits gewisse Kontakte bestehen. ANDREAS WAHNMANN (FIR§T LAW) produzierte die Mini-CD, der Mann also, der auch seit einiger Zeit alle LOKI-Projekte produziert und somit für den Labelsound mit-, wenn nicht hauptverantwortlich ist. Wenig überraschen würde mich jedoch auch eine Zusammenarbeit mit TESCO oder ihren Landsleuten von EIBON, welche mit CAUL bereits ein us-amerikanisches Dark-Ambient Projekt verlegten, das mit VESTIGIAL auch ganz gut zu vergleichen wäre. Weiterhin in Frage kämen natürlich die üblichen Verdächtigen MALIGNANT und MANIFOLD. Labels wie CYCLIC LAW, COLD MEAT INDUSTRY oder ETERNAL SOUL empfände ich für VESTIGIAL schon weit weniger passend. So unterschiedslos Dark-Ambient mitunter auch ist, zu unterscheidende Labelsounds und Labelphilosophien gibt es dennoch.
VESTIGIAL bieten anspruchsvollen Dark Ambient-Hörgenuss für Kenner. Man kann sie sogar auf Anhieb zu dem exklusiven Club der Allerbesten zählen, aber, wie ich versucht habe darzulegen, verpasst man tragischerweise trotzdem eher weniger, wenn man dieses aufstrebende italienische Projekt nicht kennenlernen möchte oder genauer: Man verpasst guten Dark-Ambient, aber sicher nicht eine bisher unbekannte atmosphärische Nuance. Eigentlich reichen die besten Alben, der sagen wir mal vier besten Dark-Ambient Projekten eigener Wahl für eine gut sortierte Sammlung völlig aus, alles darüber hinausgehende beginnt der pure Luxus zu sein. Bis zur nächsten Dark Ambient Rezension!

 
Dominik T. für nonpop.de


Verweise zum Artikel:
» VESTIGIAL

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Zusammenfassung
Kosmischer Dark-Ambient aus Italien für Hörer von INADE, BAD SECTOR, IONOSPHERE und CAUL. Klangtechnisch perfekt umgesetzt und produziert von SECRETLAB (FIRST LAW). Es gibt eigentlich nichts zu kritisieren, aber es gibt nunmal viele gute Ambient-Projekte...

Inhalt
Tracklisting:

1. Last Extinction Prayer (7:28)
2. The Grey Constellation (6:22)
3. Dagda Rising (5:26)
4. Celebrating The New Sun (3:56)

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