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Martin N.

Eliane Radigue-Trilogie de la Mort

trance-chiante de la france


Eliane Radigue-Trilogie de la Mort
Genre: Ambient
Wörter: 821
Erscheinungsdatum:
1998
Medium: 3xCD
Preis: ~0,00 €
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„Eliane Radigue works with electronic sounds on tape to create an ambience within which sound seems to move in a continual flow around the listener. Her music has been described as "infinitely discreet ... next to which all other music seems to be tugging at one's sleeve for attention."
       -Michel Chion, in Les Musiques Electroacoustiques-



Seit den frühen Siebzigern beschert die 1932 geborene, französische Komponistin Eliane Radigue Freunden elektronischer Musik ihre minimalistisch ausufernden Klangkonzeptionen.
Bereits Anfang der fünfziger Jahren kam sie mit keinem anderen als den beiden Elektronikpionieren Pierre Schaeffer und Pierre Henrys in Kontakt, die sie ab sofort in die Welt der elektroakustischen Musik einführten. In den folgenden Jahren assistierte sie unter der Leitung Pierre Henrys im „Studio Apsome“, auf dessen musikalisches Schaffen sie von nun an einwirkte.
Das Elektroakustikstudium stellt mit Sicherheit nebst tibetanisch-buddhistischer Meditation, der sie sich 1975 zuwandte, einen großen Einflussfaktor auf das äußerst eigentümliche Output der Dame dar. Ausgerüstet mit Mangnet-Tapes und einem ARP 2500 Modularsystem, das einer mit Knöpfen und Schrauben übersähten, rechteckigen Wohnzimmerheizung gleicht, die jedem elektronischen Retro-Freak Tränen in die Augen treiben würde, beginnt sie niemals enden wollende Slow-Motion-Tracks, wie es sie bis dato noch nicht gegeben hat , aufzunehmen. Titel wie „Mila's Journey Inspired by a Dream“,Adnos I-III “ oder „Biogenesis“ verhalfen Elaine Radigue, die trotz ihres hohen Alters immer noch in der Szene mitwirkt, zu weltweiter Anerkennung und so wurde sie 2006 für ihr Werk „L'ile re-sonante" mit dem „Digital Music“ Preis gwürdigt.
2005 trat sie der Laptopimprovisationsgruppe „The Lappetites“ bei, mit der sie gemeinsam ein verworrenes Album namens "Before the Libretto" auf CD bannte.

Die „Trilogie de la Mort“, eine fast dreistündig vorsichhinwabernde Klanginsallation, erblickte auf dem französischen Elektroniklabel „XI“ im Jahre 1998 das Licht der Welt. Ursprünglich nicht als Triologie geplant, entschloss sich Michel Redolfi auf dem „MANCA Festival“ drei Stücke, die Radigue ihm präsentierte, unter einem Banner zu bringen. Im selbigen Jahr wurde die „Triologie de la Mort“ von Kritikern für die „Top 15 Records Of The Year in Modern Composition“ nominiert.

Das erste Opus trägt den Titel „Kyema“ und orientiert sich an dem Buch „Bardo Thödol “, das ebenfalls unter dem Titel „Tibetan Book of the Dead“ bekannt ist und über Zustände des Menschen zwischen Sterben und Wiedergeburt berichtet. Äußerst dichte Klänge werden dem Zuhörer um die Ohren geworfen, so dass es diesem schwer fällt das Gehörte vom Eingebildeten zu trennen. Hier wird auf eine unglaublich subtile Art Stimmung erzeugt. In weiter Ferne, hinter dieser surrenden, aber keinesfalls unangenehmen Soundwand, entpuppt sich eine sanfte Melodie, die jedoch bald wieder im Nichts zu verschwinden scheint. Alsbald schleichen sich verschwommene, orchestrale Klänge in die Gehörgänge, die das Stück dramatisch und düster anschwellen lassen. Sich schon fast dem Ende neigend wird „Kyema“ durch einen immer wiederkehrenden, warm klingenden Gong aus seiner ursprüglichen Form herausgehoben, um nach kurzem Aufleben unter einer Gesamtspielzeit von 61 Minuten wiederum vollends zu versiegen

Weiter geht die Reise mit dem zweiten Track namens „Kailaska“, ebenfalls ein langsam ausschweifendes Opus, das erst nach 56 Minuten verstummt. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger geht es hier ruhiger zur Sache . Ein pulsierendes Summen, minimalste Veränderungen und ein leises, stimmungsvolles Brausen, das sich ebenfalls in den Weiten der vom ARP 2500 Modularsystem ausgespiehenen Drones verliert, charakterisieren „Kailaska“. Inspiriert wurde Mademoiselle Radigue von einer Pilgerreise am heiligen Berg Mt. Kailash im Jahre 1988, während der ihr Sohn tötlich verunglückte.
Mt. Kailash befindet sich im Himalaya Gebirge und stellt für die Buddhisten, Bönpos, Jains und Hindus eine wichtige Pilgerstätte dar.

Mit „ Koume“ kommt dieses Mammutwerk nun zu seinem letzten Stück. Klanglich fügt es sich wunderbar in die Reihe seiner Vorgänger ein und doch wirkt es um einiges aufgewühlter. Äußerst bedrohlich beginnt dieses Stück, ebbt dann etwas ab und startet von neuem mit dem Aufbau einer beklemmenden Atmosphäre, die sich immer weiter zuzuspitzen scheint. „ Koume“ baut eine unbeschreibliche Spannung auf, die in ein Inferno tibetanischer Flöten zu münden scheint.
Radigue widmete „Koume“ ihrem verstorbenen tibetanischen Lehrmeister.


Eliane Radigue ist eine Künstlerin, die einen enormen Einfluss auf die heutige Szene der meditativen Klänge ausgeübt hat.
Der hier vorgestellte Klassiker ist mit Sicherheit ein Schlüssel zu ihrem Output.
Insgesamt besitzt die „
Trilogie de la Mort“, die nochso minimalistisch vor sich hin dröhnt, eine unbeschreibliche Vielzahl von Stimmungen und es bedarf eines hohen Grades an Aufmerksamkeit und Geduld, um dieses Werk vollends zu erschließen.
Für Zeitlupensoundfreaks, Ambientanhänger oder sonstige Liebhaber chilliger Drones kann diese Platte zu einem absoluten Hörgenuss werden! Alle anderen sollten tunlichst die Finger davon lassen!


 
Martin N. für nonpop.de


Verweise zum Artikel:
» Chronicle of the NonPop Revolution
» Discogs


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Zusammenfassung
Für Zeitlupensoundfreaks, Ambientanhänger oder sonstige Liebhaber chilliger Drones kann diese Platte zu einem absoluten Hörgenuss werden! Alle anderen sollten tunlichst die Finger davon lassen!

Inhalt
CD1 Kyema (61:22)
CD2 Kailasha (56:08)
CD3 Koumé (51:17)
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