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Axel M.

Johnny Cash: Devil's Right Hand

The Man, The Myth, The Concept


Johnny Cash: Devil's Right Hand
Genre: Folk (-Rock)
Wörter: 699
Medium: CD / LP
Preis: ~13,00 €
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Nach dem Tod eines Prominenten setzt ja bekanntermaßen die Leichenfledderei ein, und die Musikindustrie versteht sich besonders gut darauf, aus ihren verstorbenen Hoffnungsträgern auch noch das Letzte herauszupressen: am Beispiel Johnny Cashs ist es ein Live-Album nach dem anderen, Zusammenstellungen mit Liedern, die der Fan meistens eh schon hat, aufgefüllt mit unausgereiftem Archivmaterial und so weiter.
Ein Lichtblick ist daher diese Veröffentlichung: "Devil's Right Hand", untertitelt "The Man, The Myth, The Concept". Ein inoffizielles Werk, kein Label, keine weiteren Informationen, nur ein Bild des Meisters und die Titel, teils in Kooperation mit anderen. Aber das genügt auch, der Zauber der Musik spricht für sich selbst.

Entstanden sind die Aufnahmen meines Erachtens 1994 (Seite 1/Band 1) und 1996 (Seite 2/Band 2), also wahrscheinlich "American Recordings"- und "Unchained"-Outtakes. Seite 1 ist ausschließlich akustisch, die Lieder der Seite 2 gönnen sich auch weitere Instrumentierung wie Piano, Schlagzeug etc.

Als überzeugter Johnny Cash-Fan kann ich mich nur bei den "Produzenten" dieses wunderschönen Albums bedanken, enthält es doch insgesamt 12 phantastische Lieder, die in dieser Interpretation wohl bisher nicht das Ohr der Öffentlichkeit erreicht haben.

Hier nun die Auflistung...

Seite 1/Band 1 (rein akustisch):

"The L & N Don't Stop Here Anymore" - ein typisches Country-Stück, vergleichbar mit Klassikern wie "Folsom Prison Blues".

"Redemption Song" - ja genau, das Lied, das durch Bob Marley bekanntgeworden ist und wohl auch das einzige Reggae-Stück, das je von der ja eher als hinterwäldlerisch verschrieenen Country-Szene gecovert wurde. Bezeichnenderweise hat Cash sich hier als Gesangpartner Joe Strummer von den Clash ausgesucht. Cash verwandelt das Lied in eine melancholische Ballade.

"Father & Son" - der alte Cat Stevens-Hit ist ja schon oft nachgespielt worden, richtig gelungen ist es niemand. Bis jetzt. Cash teilt sich den Gesang mit Fiona Apple, und sollte dem zum Islam konvertierten Stevens diese Fassung zu Ohren kommen, konvertiert er garantiert zurück und greift wieder zur Gitarre.

"Wichita Lineman" - wieder reinster Country und Cash solo.

"Cindy" - auf dieser Ballade durfte der bekennende Cash-Fan Nick Cave seinen Meister stimmlich begleiten. Jeder hat ja schon einmal vom anderen etwas gesungen, und hier wuchs nun zusammen, was zusammen gehört

"Gentle On My Mind" - hier teilt sich Cash den Gesang mit Glen Campbell, der das Lied damals auch zu einem Hit gemacht hat. Allerdings haben uns die beiden das Schnulzenhafte vom Original erspart.

 

Seite 2/Band 2:

"Pocahontas" - auf dieser Neil Young-Coverversion ist jetzt auch erstmals ein Piano zu hören.

"As Long As The Grass Shall Grow" - dieses Lied erschien erstmals auf seiner LP "Bitter Tears". Auf diesem "Remake" begleitet ihn eine namentlich leider nicht genannte Sängerin.

"Heart Of Gold" - eine weitere Neil Young-Coverversion, leicht rockig interpretiert.

"The Running Kind" - mit Tom Petty als Partner das wohl rockigste Stück der Platte, paßt aber trotzdem gut ins Gesamtkonzept.

"Devil's Right Hand" - mit Schraddelgitarre á la Billy Bragg solo vorgetragen hier das Stück, das der Platte den Titel gab: "The pistol is the devil's right hand!"

"Like A Soldier" - ein würdiger Abschluß im Duett mit Willie Nelson, und genau genommen gibt dieses Lied auch Cashs Grundeinstellung wieder: "I don't have to do that anymore, I'm like a soldier getting over the war."

Das sind die Worte eines Mannes, der weder sich noch anderen mehr irgend etwas beweisen muß. Die meisten Lieder dieser LP (oder auch alle, so firm bin ich im unergründlichen Universum der Country-Musik leider nicht) hat Cash nicht selbst geschrieben, aber trotzdem ist das Liedgut Cash pur.

Trotz ihres inoffiziellen Charakters sollte die Platte in einem gut sortierten Fachgeschäft zu bekommen sein, und für ein sogenanntes Bootleg hat man sich mit dem Cover (schöner fester Karton) und der Gestaltung wirklich Mühe gegeben: auf der Frontseite ein schon vom nahen Tode gezeichneter Cash mit blutunterlaufenen Augen, auf der Rückseite Cash mitten in der Prärie mit windzerzausten Haaren, die Gitarre wie eine Flinte in der Hand vor einem Grabstein mit der Inschrift "Delia". "Delia's Gone" hatte Cash 1994 auf der "American Recordings" interpretiert, und nun ist er gegangen.

Bleibt mir nur noch zu sagen: Ruhe in Frieden, lieber Johnny!

Axel Meese, März 2006
www.neue-aesthetik.de


 
Axel M. für nonpop.de


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