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Dominik T.

Schwedischer Death Metal

"Dark were the thorns of crimson death"


Schwedischer Death Metal
Kategorie: Spezial
Wörter: 1246
Erstellt: 09.07.2009
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Wenn also der „schwedische Stil“ sich auf solche Dinge bezieht und vor allem ein schwedisches Tonstudio hier ganz entscheidend ist, dann können sich in dieses Studio natürlich auch nicht-schwedische Bands einquartieren, um eben so einen typischen „schwedischen Sound“ zu erreichen. Genauso ist es natürlich möglich, dass ein Tonstudio irgendwoanders auf der Welt hinter das Geheimnis des SUNLIGHT kommt und einen ganz ähnlichen Sound kreiert und zu allem Überfluss ist es ebenso natürlich denkbar, dass eine schwedische Band, um sich von ihren Landsleuten zu unterscheiden, versucht besonders „us-amerikanisch“ zu klingen (deren Sound war wiederum bedingt durch ein Tonstudio, das MORRISOUND in Tampa, Florida). All diesen Möglichkeiten kann man reale Bands zuordnen: DARKTHRONE, CADAVER (beide Norwegen) und auch die deutschen FLESHCRAWL spielten (oder spielen noch) eine Zeit lang „schwedischen Death Metal“, ohne aus Schweden zu sein, während sich wiederum SEANCE, LUCIFERION und auch HYPOCRISY für ein paar Alben überdeutlich am us-amerikanischen Death Metal orientierten, obwohl sie doch Schweden sind. Einen Stil in Landesgrenzen einzupferchen, funktioniert also nicht richtig. EKEROTH versucht es dennoch, doch muss man ihm zu Gute halten, dass er diese methodische Fehlentscheidung wenigstens nicht chauvinistisch übertreibt, und ab und an, wenn es die Rekonstruktion erfordert, mal ganz kurz über die Grenze nach Norwegen blickt. Wünschenswert wäre es gewesen, wenn er das häufiger getan hätte, so mussten leider CADAVER, eine der ganz frühen Bands des „schwedischen Death Metal“-Stils, unter den Tisch fallen, weil sie unglücklicherweise keine Schweden sind. Aus gleichem Grund ist das klassische „Soulside Journey“ (1991) Death Metal-Album von DARKTHRONE nahezu unerwähnt, ebenso all jene finnischen Death Metal-Bands, die auch diesem Sound sehr nahe kamen, z.B. die ganz frühen AMORPHIS.

Von den erwähnten Dingen abgesehen liest jedoch der interessierte Nerd EKEROTHs Buch mit Gewinn. Nach ein paar Gemeinplätzen zur Frage, warum gerade in Schweden eine so aktive Death Metal-Szene entstehen konnte (Langeweile, Reichtum, die berühmte schwedische, sozialdemokratische Rundumversorgung), führt er in die Frühzeit der extremen, schwedischen Metalmusik ein. Die Situation war vor allem dadurch bestimmt, dass es so etwas wie lokale Szenen eigentlich erst recht spät gab, im Rückblick ergibt sich das Bild einer Handvoll Bands, die unabhängig und ohne Kontakt zueinander zu haben extremen Black Metal im Sinne ihrer Vorbilder VENOM, HELLHAMMER und SLAYER spielten. Jede Band, neben BATHORY, vor allem noch OBSCURITY und MEFISTO, ist für sich ein erstaunliches Einzelphänomen. Gerade MEFISTO dürfen ungebrochen bis heute, im Schatten BATHORYs, als kleines Wunder der Black/Death Metal-Geschichte gelten. Das fängt schon bei den wenigen, existierenden Bandphotos an, drei relativ Metal-untypisch aussehende Gestalten, die aus dem Nichts kamen, Interviews gibt und gab es praktisch keine.



Szenestrukturen entwickeln sich erst allmählich durch PENTAGRAM (die späteren TRIBULATION), deren Schlagzeuger MARK FORSBERG ein begeisterter Tape-Trader war und viele spätere Death Metal-Helden in die Musik initiierte, sowie durch MERCILESS, jene Thrash-Combo, die EURONYMOUS (MAYHEM) als erste Band für sein neu gegründetes DEATHLIKE SILENCE-Label unter Vertrag nahm. Dazu dann wohl noch MORBID, die erste Band von PER YNGVE „DEAD“ OHLIN (MAYHEM) und UFFE „NAPOLEAN PUKES“ CEDERLUND (ENTOMBED).
MERCILESS wirkten, so legt es EKEROTH nahe, jedoch vor allem als allseits beliebte und verrückte Partylöwen. Nichtsdestotrotz ist ihr „The Awakening“-Debütalbum (1990) über die schwedischen Landesgrenzen hinaus ein kleiner Klassiker des extremen Thrash, wohingegen TRIBULATION und MORBID  als Bands, ungeachtet ihrer Schaltstellenfunktion bzw. dem „historischen Wert“ bei MORBID, heute eigentlich nicht lohnend genug sind, um wiederentdeckt zu werden.
Der Schwedische Death Metal als weltberühmte Marke beginnt dann eigentlich um 1988 mit einem kleinen Haufen Stockholmer Schuljungen zwischen 14 und 17 Jahren, die sich auf öffentlichen Plätzen besinnungslos besoffen (nachdem ihnen meist der ein klein wenig ältere JOHNNY HEDLUND, der spätere Frontmann von UNLEASHED, unter komplizierten Umständen das in Schweden für Minderjährige schwer zu beschaffende Bier besorgte). Im heimischen Kinderzimmer wäre das schwer möglich gewesen, zumal natürlich dazu auch die damals gewalttätigste Metalmusik über tragbare Kassettenrekorder gehört wurde – die Demos früher Death Metal- und Grindcore-Bands wie DEATH, POSSESSED und NAPALM DEATH verbreiteten sich wie ein Lauffeuer. Die offene Clique nannte sich „Bajsligan“ („Die Armee der Exkremente“). Es entstanden hier solche Bands wie TREBLINKA/TIAMAT, THERION, CARBONIZED, DISMEMBER, CARNAGE und natürlich die Vorreiter und die mit Abstand wichtigste Band NIHILIST (die späteren ENTOMBED).



DANIEL EKEROTH beschreibt das alles anschaulich über viele Seiten mit vielen O-Tönen der musizierenden Zeitzeugen und vergisst auch nicht, ausführlichst die Wichtigkeit des Tape-Tradings, des Fanzine-Erstellens, die Wichtigkeit bestimmter Konzerte (NAPALM DEATH und MORBID ANGEL) und den lustigen, auf die jungen Nacheiferer elektrisierend wirkenden Fernsehauftritt der schwedischen Punk/Grindcore-Combo FILTHY CHRISTIANS, die etwas älter als der Rest war, für die Herausbildung einer Szene zu beschreiben.
Bei seinen musikalischen Wertungen ist dem Kenner EKEROTH weitestgehend zuzustimmen. Für mich als Leser war trotz Vorahnung erstaunlich, wie sehr von Anfang an bis praktisch zum heutigen Tag der „schwedische Death Metal“ die Innovationsleistung einer Handvoll immer gleicher junger Männer war, allen voran NICKE ANDERSSON, Kopf, Gehirn, Texter, Schlagzeuger und zeitweiliger „Sänger“ von NIHILIST/ENTOMBED, der praktisch jeden Entwicklungsschritt des Genres als Erster vollzog und die anderen mitriss. Wenn heutzutage in Schweden mal wieder ein frisch wirkendes Death Metal-Album erscheint, wie 2007 eine EP einer Band namens DEATH BREATH, steckt schon wieder NICKE dahinter, nachdem er freilich zwischendurch THE HELLACOPTERS für ein paar Jahre zu Chart- und Grammy-Erfolgen führte und ENTOMBED in seiner Abwesenheit schamlos schlechte Alben herausbrachten. Ganz so als wollte er das selbst bestätigen, gibt's im Buch, angesprochen auf die erwähnte Partyclique, auch den passenden O-Ton von NICKE: „Um ehrlich, kann ich mich nicht erinnern, an etwas namens „Bajsligan“ teilgenommen zu haben. Ich war nie Teil von so was. Ich war wahrscheinlich alleine daheim, schrieb Briefe und Songs. Die Hurensöhne ließen mich die ganze Arbeit machen, während sie feierten.“ 
Natürlich waren auch ein paar andere Musiker wichtig, etwa der Okkultismus-interessierte Eigenbrötler CHRISTOFER JOHANSSON (THERION), der Multiinstrumentalist DAN SWANÖ (EDGE OF SANITY und eine Vielzahl anderer Bands), der eigentlich Metal-fremde SUNLIGHT-Produzent THOMAS SKOGSBERG und für den nördlich gelegenen Teil Schwedens vor allem THOMAS „Tompa“ LINDBERG (GROTESQUE, AT THE GATES), aber es bleibt doch ein Kreis, der kaum mehr als zehn Musiker umfasst, bei den Hunderten an Death Metal-Bands, die Schweden seit 1988 zu bieten hat und die in diesem Licht leicht unkreativ wirken, ist das erstaunlich.
EKEROTH hält alles in allem ENTOMBEDs „Left Hand Path“-Klassikerdebüt (1989) für das beste Schwedische Death Metal-Album aller Zeiten. Er schreibt: „Seien wir ehrlich, wir waren bei Erscheinen alle wie vom Blitz getroffen (…) Das gilt für uns alle, von DISMEMBER und GRAVE (die es zu kopieren versuchten) bis hin zu MAYHEM und BURZUM, die sich dagegen wandten). Dies war das Album, das alles in Skandinavien änderte und die schwedische Szene weltweit bekannt machte.“ 
Einigermaßen erstaunt war ich hingegen über seine Kritik der Klangqualität eines anderen Klassikers, nämlich AT THE GATES' Vollzeitdebüt „The Red In The Sky Is Ours“ (1992). Niemals habe ich den Sound als „zu dünn“ empfunden, vielmehr ist er genau richtig. Das Album ist vom ersten bis zum letzten Moment perfekt, aber auch die Musiker selbst finden den Sound furchtbar, seltsam, sehr seltsam.
Bei Fragen dieser Art pflichtet EKEROTH immer den rückblickenden, selbstkritischen Wertungen der beteiligten Musiker bei. Bei allem Expertenwissen und vielen richtigen Geschmacksurteilen, so verweist er dankenswerterweise so kommerziell erfolgreiche Bands wie IN FLAMES in ihre Schranken und fällt auch nicht auf die Großkotzigkeit späterer THERION-Alben herein, hier wirken die Statements EKEROTHs oft etwas willenlos.


 
Dominik T. für nonpop.de


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