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Michael We.

Berstende Tintenfische

Ein Interview mit KRAKEN aus Belgien


Berstende Tintenfische
Kategorie: Spezial
Wörter: 1255
Erstellt: 27.12.2008
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fotografie, film und berühmtheit

Neben der Musik fotografiert Ihr beide. Logischerweise hat die Optik bei KRAKEN deshalb einen hohen Stellenwert. Die CDs sind hochwertig aufgemacht, in der Regel mit vielen Fotos im Booklet – die thematisch auf den ersten Blick nichts mit der Musik zu tun haben, oder täusche ich mich?

j> Nein, tut mir leid, dieses Mal liegst Du falsch. Die Art, wie man ein Foto macht oder Musik produziert, ist sehr persönlich. Wenn es so scheint, als ob Foto und Sound nichts miteinander zu tun hätten, dann ist das wiederum eine sehr persönliche Ansicht. Nimm zum Beispiel DEPECHE MODE und ANTON CORBIJN, die beiden haben auf den ersten Blick doch überhaupt nichts miteinander zu tun. Wenn unsere Bilder nicht mit unseren Klängen zusammenpassen, ist das unser Problem, aber ebenso Deines.
r> Ich kann den Ursprung Deiner Frage verstehen, aber zwischen beidem, Foto und Musik, besteht natürlich ein Zusammenhang. Nicht immer, oder sogar meistens, ist dieser Zusammenhang nicht offensichtlich. Manchmal versteckt, in einer tieferen Schicht, oder hinter einer doppelten Bedeutung, wie auch bei unseren Songtiteln. Wir möchten die Leute ermutigen, die Beziehungen herauszufinden, die wir in unsere Arbeit hineinstecken. Selbst das kleinste, unwichtig scheinende Detail ist aus einem ganz bestimmten Grund da.

Habt Ihr Motive, die Ihr besonders häufig fotografiert?

j> Ich würde generell gerne häufiger fotografieren. Warum? Das drückt meine Art zu leben aus. Es drückt aus, dass alles zu Ende geht. Es ist mein Weg, den Zweifel an Religionen und schlussendlich an der Menschheit selbst festzuhalten.
r> Für mich ist es eine der wenigen Aktivitäten, die ich endlos ausüben könnte. Ein seltener Moment des inneren Friedens. Was dabei herauskommt, drückt meinen Ekel gegenüber manchen Teilen der Gesellschaft aus.

Welchen Teilen?

r> Ignoranz. Korruption. Umweltverschmutzung. Egozentrik. Dumpfheit...

Einige Ansätze Eurer Fotografie scheinen aus dem 'Film Noir' zu stammen: Verzerrungen, schräge Winkel, Wölbungen. Inspirieren Euch entsprechende Filme?

j> Nö, für mich waren eher Comics von JACQUES TARDI und ganz besonders von SCHUITEN/PEETERS wichtig. Ich hab's nicht so mit Filmen.
r> Für mich ist der Film mit STANLEY KUBRICK gestorben, mal abgesehen vielleicht von ein paar ganz wenigen Filmemachern. Könnte sogar sein, dass meine Liebe zum Kino früher mal eine Rolle gespielt hat, auf einer unterbewussten Ebene, aber ich mache meine Fotos eigentlich sehr spontan. Das fühlt sich ganz natürlich an im entsprechenden Moment.



Woher stammt die nackte und gefesselte Frau auf dem "Drift"-Cover?

j>
RICARDO hat zuerst mal sein Studium abgebrochen. Vom gesparten Geld engagierte er ein 'Model', das für ein paar Nacktfotos zur Verfügung stehen sollte. Zu diesem Zeitpunkt war das eine ganz neue Idee für uns, außerdem bekamen wir eine ganze Menge zu trinken. Wir kamen bei der Frau an, und sie hat uns hochprozentiges belgisches Bier angeboten. Da konnten wir nicht 'Nein' sagen. Als wir endlich Fotos machten, war ich so besoffen, dass ich den Lichtmesser nicht mehr ablesen konnte. Da sind seltsame Sachen passiert in diesem Keller.... Ich wollte eigentlich im Badezimmer fotografieren, aber ihr Kind schlief nebenan. Also haben wir sie schließlich auf ein Bett unten im Abstellraum platziert, alles war klamm und sah billig aus. Unsere Arbeit war so mies, dass ich aus den Negativen nichts herausbekommen habe. Irgendwann bekamen wir diesen neuen Digitalscanner, und plötzlich konnten wir doch noch ein Bild retten. RICARDOs Geld war nicht ganz verschwendet.
r>
Ein sehr starkes Bild, das damals verpufft wäre. Es hat später perfekt zu "Drift" gepasst.

Eure Musik hat eine sehr filmische Atmosphäre – welchen Film könnte sie untermalen?

j>
Vermutlich wird es uns weitere fünf Jahre kosten, aber natürlich "KRAKEN - Der Film".
r>
Viele Hörer verknüpfen uns mit dem Universum von DAVID LYNCH. Nettes Kompliment. Aber natürlich muss ich zustimmen, dass nur unser eigener Film das fehlende Teil im KRAKEN-Puzzle sein kann.

Ihr habt mit der Filmerei ja schon angefangen und der neuen CD eine DVD beigelegt, auf der auch kurze Filmaufnahmen zu sehen sind, extravagante Aufnahmen, zum Beispiel von einem Typen, der – mehrfach übereinander gelegt – einen gekachelten Boden abtastet. Könnt Ihr uns erklären, was es damit auf sich hat?

r>
Für die Sequenz, auf die Du Dich beziehst, hatte ich die sklavische Komponente von alltäglicher Arbeit im Sinn. Der Typ rutscht auf seinen Knien, eine unterwürfige Position. Macht ein paar standardisierte Bewegungen mit seinen Händen. Die schlitternden, rutschenden Sounds, die sich in die Sequenz schleichen, könnten für menschliche Fehler und die darauf folgende Bestrafung stehen. Das geschichtete Bild wirkt wie eine permanente Korrektur seiner Aktionen von außen. Zurück zum Meer bringen uns die Bewegungen der Hände, die aussehen, als würden sie wie Krabben laufen.

Die Kapitel der DVD variieren sehr stark in Stil, Länge und verwendetem Material. Könnt Ihr die rund 60 Minuten in ein paar wenigen Worten abstrahieren?

r>
Existentieller Pessimismus.
j>
Ich wusste, dass Du das sagen würdest.

LP, CD, Fotos, DVD – wann kommt der schon angesprochene KRAKEN-Film?

j>
Ja, der Film, der eine Geschichte von Anfang bis Ende erzählt, der Euch von Anfang bis Ende zittern macht. Der Film, in dem wir uns alle selbst gegenüber stehen und wünschten, es wäre nicht passiert. Übrigens: Wir sagen immer, es sei unser letztes Album. Aber vielleicht haben wir noch ein paar Ideen und machen einfach eine neue CD, das scheinen wir zu mögen. Keine Ahnung wann, keine Ahnung wo (lalala).
r>
Ja, der Film. Oder eine Serie zusammenhängender Kurzfilme. Eine Arbeit fürs Theater wäre auch schön.

Über KRAKEN gibt es so gut wie keine Infos, obwohl ihr schon seit fast 20 Jahren Musik macht. Ist das Absicht?

r>
Es wird eine KRAKEN-Seite im Netz geben, eines Tages, wenn wir Zeit haben und die Art der Aufbereitung unserer Arbeit stimmt. Solange ich denken kann, hatte ich allerdings keine Zeit für diese egomanischen Community-Seiten. Klar sind wir bei myspace und betreiben einen Blog, aber ich werde nicht zulassen, dass diese Dinge Macht über KRAKEN bekommen.

Arbeitet Ihr in Belgien in einem bestimmten musikalischen Umfeld, einer Szene, oder bleibt Ihr für Euch allein?

j>
Tut mir leid, ich habe absolut keine Ahnung von der Musikszene in Belgien.
r>
Ich weigere mich, wegen einer bestimmten Sache irgendeiner Szene anzugehören. So denke und arbeite ich nicht.

Trotz hoher Qualität in Musik und Verpackung - Euer Bekanntheitsgrad, zumindest in Deutschland, wäre noch ausbaufähig. Wie ist die Rezeption in Belgien?

j>
Wir treten nie live auf, außer auf dem "Maschinenfest" in Krefeld. Ricardo lebt sein Familienleben, und ich bin viel auf Reisen. Wir kümmern uns nicht um Bekanntheit, aber natürlich haben wir es gern, wenn Leute unseren Alpträumen zuhören. Klingt überheblich, aber vor 100 Leuten in einem Club aufzutreten, juckt mich nicht die Bohne. Sollten wir jemals einen Auftritt vor 1000 träumenden Kraken bekommen, dann ganz sicher in Deutschland. So ich habe alptraume von dich!
r>
Was Deutschland angeht, setzen wir auf dieses Interview. Ich danke THOMAS vom "Maschinenfest" für die Möglichkeiten, die er uns bisher geboten hat. Wir sind kein einfacher Act für Festivals, die wollen halt Geld verdienen und setzen auf Sicherheit, was eigentlich eine Schande ist. Die meiste Resonanz kommt aus dem Ausland, wenn ich ehrlich bin. Viele belgische Künstler oder Szenen sind im Moment zu sehr beschäftigt damit, sich neu zu erfinden, fürchte ich. In Deutschland, Frankreich und Italien scheinen die meisten KRAKEN-Liebhaber zu wohnen.

JORIS, Ricardo, vielen Dank für die ausführlichen Antworten!


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Michael We. für nonpop.de


Verweise zum Artikel:
» KRAKEN-Label (SPECTRE)
» KRAKEN-Mailorder @ ANT-ZEN
» KRAKEN-Kanal @ youtube
» KRAKEN-Blog @ myspace

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