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Dominik T.

Devil's Avenger. Biographie von LaVey

Burton H. Wolfe und die 1. LaVey-Biographie


Devil's Avenger. Biographie von LaVey
Genre: Theater
Verlag: Edition...
Medium: Buch
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Wolfe lernte LaVey 1967, also etwa ein Jahr nach Gründung der CHURCH OF SATAN, auf einem Treffen der "Sexual Freedom League" (eine Art Swinger-Club mit linkslibertärer politischer Agenda) kennen und muss den Plan, in Kooperation mit LaVey dessen Biographie zu schreiben, kurz darauf schon begonnen haben, in die Tat umzusetzen. Eigentlich ist "Biographie" für das ganze Unternehmen auch der falsche Begriff, in Wirklichkeit wird das Innenleben der Church Of Satan in den ersten Jahren ihrer Existenz geschildert, die unmittelbare Vorgeschichte dieser "Kirche", und immer, wenn sich damit ein "satanischer Gedanke" hervormeisseln lässt, beschreibt Wolfe gutgläubig spannende Anekdoten aus LaVeys Leben, d.h. er geht schon biographisch-chronologisch vor, aber all das dient nur dazu, in den LaVey'schen Satanismus einzuführen. Für Wolfe selbst war 1970 dann schon Schluss mit seiner Satanistenkarriere, folglich bricht dann die Darstellung im Buch zu diesem frühen Zeitpunkt bereits ab. Wolfe schreibt: "Tatsache ist, dass ich mich von jeglichen Aktivitäten der Church Of Satan zurückzog, obwohl ich meine persönliche Freundschaft mit Anton aufrechterhielt, zum Teil weil ich mit der Richtung und dem Verlauf von LaVeys Philosophie nicht mehr übereinstimmte – aber auch weil ich grundsätzlich kein Organisationsmensch bin, die meisten Rituale nicht mag und nicht wirklich an Magie glaube." (S. 183).
Wolfe erläutert später im Buch, dass vor allem, die sich bei LaVey langsam herauskristallisierenden sozialdarwinistischen Denkmuster bei ihm leichtes Unbehagen auslösten. Sein Unbehagen wäre in den Folgejahren vermutlich noch beträchtlich angewachsen, denn spätestens in den 80er Jahren war LaVey zusammen mit anderen "Prankstern" und Provokateuren, wie die mit ihm bekanntlich befreundeten BOYD RICE (NON), ADAM PARFREY (FERAL HOUSE), die Galionsfigur jener sogenannten "Apocalypse Culture" (benannt nach dem gleichnamigen Buch im FERAL HOUSE Verlag), deren verbindendes Element in einem schwarzhumorigen Suhlen in misanthropisch und kulturpessimistischen Stimmungslagen lag. LaVey nannte dies treffend einmal eine schwer nur programmatisch zu bestimmende "while rome burns"-Philosophie. 
Der LaVey in Wolfes Biographie ist jedoch noch ein anderer. Natürlich, auch Ende der Sechziger wurde deutlich, dass LaVey eher ein "Law and Order"-Mensch war als ein "Anarchist", und zu den "Blumenkindern" des "Summer Of Love" hielt er schon immer Abstand, dennoch war seine Satanskirche natürlich atmosphärisch nicht unbefleckt von dem, was sich in unmittelbarer Nachbarschaft abspielte. Die Klientel, welche von der CHURCH OF SATAN zu einer Zeit angezogen wurde, als diese noch ein San Francisco-Stadtphänomen war, setzte sich jedoch vor allem aus "im Leben stehenden" Ärzten, Immobilienmaklern usw. zusammen, hinzu kamen libertär gesinnte Journalisten, die frühe Szene der LOVECRAFT-Mythos-Fans und -Fortschreiber ( z.B. FORREST J. ACKERMAN) und vor allem Vorkämpfer für "sexuelle Freiheit"…unter den ersten Anhängern war angeblich ein Dildo-Fabrikant, EDITH EYDE (lesbische Sängerin und Aktivistin für Homosexuellen-Rechte), aber auch Schriftsteller und Künstler wie der "Neo-Schamane" MICHAEL HARNER und natürlich KENNETH ANGER. Beliebt war LaVeys Satanskirche auch bei einigen Interaktions-Soziologen in der Nachfolge von ERVING GOFFMAN, was mit LaVeys eigenem Interesse an Theorien zum Rollenverhalten in Gruppen zusammenhängt (auf denen seine Form von "Satanismus" ganz wesentlich aufbaut).
Aufgrund all dieser Dinge galt der frühe LAVEY in der Presse bisweilen als "Kommunist" und in Zeiten des Kalten Krieges, war es ihm sicher durchaus nicht unrecht, wenn er rein äußerlich die Leute mitunter an Lenin erinnerte. Zu allem Überfluss stellte das "Museum der Geschichte der Religion und des Atheismus" auf dem Roten Platz in Moskau sehr früh ein Exemplar der "Satanischen Bibel" mitsamt einer Reihe von Photos seiner "Happenings" aus.  
Das Schöne an Wolfes Buch ist, dass es einem diese Zeit noch einmal nahe bringt, eine Zeit, in der es noch keinen Black Metal gab und gerade die ROLLING STONES erst "Sympathy For The Devil" veröffentlichten, ja  und auch BOYD RICE erst gerade mal zehn Jahre jung war und seinen späteren Mentor noch nicht kannte. Dazu kann der Leser dann ein paar Photos mit nackten Frauen auf dem Altar (selbstverständlich "unshaved") und Dr. LaVey mit seinen Plastikhörnchen dahinter bestaunen.
Großen Raum nehmen natürlich einige Mythen aus LaVeys Leben ein, die man tausendfach heute im Internet nachlesen kann und an die sich ein "Anhänger" so klammert, als ginge es um die eigene Biographie. Zu erwähnen hier seine (angebliche) Liaison mit MARYLIN MONROE, bevor sie berühmt wurde, seine Arbeit als Löwendompteur, Musiker, Polizeiphotograph und seine spätere Affäre mit Busenwunder JAYNE MANSFIELD mitsamt ihrem spektakulären Unfalltod (LaVey-Gläubige sagen, er habe magisch nachgeholfen). Vieles von all dem stimmt nicht, wie man mittlerweile herausfinden konnte, doch weiß man oft ebenso wenig, wie es wirklich war. LaVey hat kunstvoll seine Spuren verwischt und mystifiziert. "I don't want to give anyone the satisfaction that they have me all figured out(…)It began in mystery. I want it to end that way", lässt LaVey seine spätere Biographin BLANCHE BARTON in "Secret Life Of A Satanist" verkünden. Wichtiger als all das, wäre es jedoch ohnehin LaVey als großen Inspirator und Katalysator von Ideen zu würdigen, der Neugierige nicht bloß mit okkulten Traditionen bekannt machen kann, sondern auch mit gesellschaftspolitischen Traditionssträngen, obskuren Filmen, Büchern, Musik, tiefenpsychologischen Vorstellungen und nicht zuletzt mit einer gewitzten Form von Selbsthilfe bzw. Analyse.


 
Dominik T. für nonpop.de



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Zusammenfassung
Schilderungen aus der Frühzeit der Church Of Satan, "Anhänger" werden vorgestellt (z.B. Kenneth Anger) und aus dem Leben des Gründers Anton Szandor LaVey berichtet - u.a. Liaison mit Marylin Monroe & Jayne Mansfield, sein Leben als Löwendompteur, Polizeiphotograph, Organist, Magier, Illusionist,...

Inhalt
Es ist bezüglich LaVeys Leben unmöglich, Fiktion und Wahrheit auseinanderzuhalten. Diese Schwierigkeit wird allerdings gar nicht thematisiert.

Genussvoll zu lesendes Buch!



189 Seiten, einige Schwarz/weiß Photos, gute Übersetzung
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