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Dominik T.

SATAN - Jäger, Jünger und Justiz

Satanismus Verbrechen P.R. König & OTO


SATAN - Jäger, Jünger und Justiz
Kategorie: Rezension
Verlag: Kreuzfeuer...
Medium: Buch
Preis: ~18,00 €
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Von nun an geht es im Buch also in Interviewform ans "Eingemachte", auch wenn es ganz harmlos mit ein paar begrifflichen Erklärungen anfängt.
Im lockeren Plauderton beschreibt König seinem Co-Autor Huettl und dem Leser, was "Okkultismus" ist, was "Satanismus" ist oder sein könnte, dann die langsame Annäherung an das "O.T.O.-Phänomen" und seine geschichtliche Entwicklung, Einiges zu Crowley, Gnosis, dem magischen Gebrauch von Sperma, dem gesellschaftlichen "Ort" dieser Szene, zwischen Anpassung und "Gegenkultur" usw., sowie auch zum überaus spannenden Punkt, welche politische Ausprägung Thelema und der O.T.O. haben kann. Antwort hier: Alles ist möglich, es gibt in diesem Umfeld sowohl radikal antiamerikanische, aus dem Spektrum der "Nouvelle Droite" herkommende Kräfte, etwa den schillernden CHRISTIAN BOUCHET, wie auch Linksradikale, z.B. PAOLO FOGAGNOLO, einen "führenden" O.T.O.ler, der  Anschluss suchte an die "Roten Brigaden" oder JAMES WASSERMAN, der als einflussreicher Yankee-Thelemit argumentiert wie ein us-amerikanischer "Neocon".
Wer König kennt, weiß, dass er sehr gerne sich selbst zitiert (Wen sollte er bei dem Thema auch sonst zitieren?), und so paraphrasiert er einige seiner früheren Publikationen, gewährt aber auch mehr als sonst Einblicke in seine persönliche Sicht der Dinge oder gar in seinen eigenen Werdegang. Das ist, wie immer beim schlagfertigen König, durchaus unterhaltsam, immerhin ist er Inhaber zahlreicher Okkultgrade von schwindelerregender Höhe verschiedenster, miteinander verfeindeter oder auch mal befreundeter O.T.O.- und FRATERNITAS SATURNI-Gruppen, die er alle legal mit Charme, Wortwitz oder auch mal im Tausch gegen Pornovideos bei seinen "Opfern" erwarb, eine Demaskierung dieser Gesellschaften reiht sich an die nächste, durchaus sehr witzig.

König plaudert und plaudert, erzählt teilweise sehr lustige Anekdoten aus dieser Parallelwelt, etwa die eines Saturngnostikers, der gerne aus "magischen Gründen" in Zügen auf die Sitze des Abteils 418 (eine thelemitisch wichtige Zahl) masturbierte - deshalb die Großraumwagen, Herr Mehdorn? Zwischendurch wird es aber auch ernst und teilweise geradezu atemberaubend indiskret, wenn König z.B. die bürgerlichen Berufe und Klarnamen des 1., 2., 3. Vorsitzenden, der Beisitzer usw. diverser "okkulter eingetragener Vereine" nennt oder (sehr interessant) die phantasierten Zahlen der Panik verbreitenden Anti-Kult-Literatur in Relation zu den wirklichen Zahlen der O.T.O.-Mitgliederverzeichnisse oder die (mikrigen) deutschen Verkaufszahlen von Crowley-Büchern in Relation setzt (alles belegt). Huettl bleibt natürlich auch als Fragesteller bei seinem Stammthema, dem der etwaigen "Kriminalität" solcher Gruppen, und auch hier gibt König seine Einschätzung zum Besten, die sich zu zitieren lohnt, weil sie sowohl Einblick in den Plauderton des Buches verschafft, als auch eine Art Resumee der gesamten 400 Seiten sein kann:

"Die psychische Konstitution der meisten Okkultisten lässt die Verbrechen, die man ihnen in den Medien vorwirft, gar nicht zu. Die sind viel zu ängstlich, fürchten sich vor der Realität, leben in anderen Sphären, in Büchern und Träumen. Im Internet, im Katzentempel neben dem Bett. Wenn man zehn Jahre lang vierundzwanzig Stunden pro Tag die Kabbala studiert...und ohne Drogen oder Knoten im Yoga-Sitz keinen Orgasmus mehr erleben kann, der ja auch unbedingt ein Gebet ist oder ein Wunsch den nörgelnden Chef im Büro zu hypnotisieren: Da ist man wahrlich nicht fähig organisiert Babies zu züchten, zu missbrauchen und zu ermorden."
(S. 336).

Hier könnte dann auch eine Kritik einsetzen, denn zweifellos ist König oft "irgendwie" arrogant in den gratis mitgelieferten Psychogrammen seiner "Studienobjekte", denn natürlich ist nicht jeder "Okkultist" gleich ein Narziss und/oder Vollidiot, und diejenigen Protagonisten dieser Parallelwelt, die eben solche sind, muss man vielleicht auch nicht unbedingt so unbarmherzig (wie an manchen Stellen des Buches) der Lächerlichkeit preisgeben, jedenfalls dann nicht, wenn man sich nicht an Schwächeren vergreifen will. König ist es mehr als bewusst, dass er ein "schlaues Kerlchen" ist, und er möchte eben seine Leser, vorausgesetzt sie sind ähnlich "schlau", unterhalten. Ddas gelingt, ist aber eben auch oft sehr kalt, was manchmal erfrischend ist, aber einen auch aus purer Nächstenliebe vor den Kopf stoßen kann.
Die Sache ist wie immer zweischneidig, auf der einen Seite, die Spiritualität als "Wahrheit" und menschliches Bedürfnis, in welch skurriler Form sie sich auch immer ausbilden mag, auf der anderen Seite der "menschliche Faktor" und die Organisation dieser Spiritualität. Jedenfalls möchte man König nach der Lektüre als überzeugter "Neofolker" "beleidigt" zurufen, dass schonmal einige Okkultisten, jedenfalls als Künstler, ganz und gar nicht "lächerlich" sind, wobei König sicher auch unter den ersten wäre, die einräumen würden, dass "wir" doch alle, ob Neofolker, Okkultist, Okkultistenbeobachter oder Antifaschist, irgendwie einen Knall haben - "Ich entdecke todsicher einen Knacks bei allen, die sich für diesselben Dinge interessieren wie ich."  E. M. Cioran.

Dennoch oder gerade deshalb: "SATAN, Jäger, Jünger und Justiz" muss man eine Empfehlung mit Sternchen aussprechen, die Gründe sind fast zu zahlreich, um sie alle aufzuführen, deshalb nur die wichtigsten:

- Es (das Buch) räumt mit Mythen auf, wie es dringend erforderlich ist, ist ausgesprochen RATIONAL und genügt wissenschaftlichen Kriterien, weil auch im Interviewtext alles nachvollziehbar belegt ist. Bei den von König erstellten Psychogrammen seiner Studienobjekte, wie auch denen der Panikmache-Journaille (Gebrüder Grandt etc.) kann man ihm folgen, muss man aber nicht.

- Es fasst in Interviewform das fast schon unüberschaubare "Gesamtwerk" Königs zusammen und bleibt dabei auch für Einsteiger verständlich.

- Es gewährt Einblicke in eine wirklich ausgesprochen seltsame Parallelwelt, tut dies unterhaltsam und auf eine Weise, der zumindest der Rezensent "Authentizität" zusprechen würde, vor allem was die spießige Vereinsmeierei dieser Okkultorden betrifft.

- Die Lektüre reizt dazu, Parallelen zur Neofolkwelt zu entdecken (CURRENT 93, COIL, die Metal Band ABSU und andere kommen auch kurz zur Sprache). Unfähige Sektenbeauftragte, Seelsorger und Antifaschisten, ist das nicht alles irgendwie (fast) dasselbe? Vom ständigen Lavieren beider Szenen zwischen Anpassung, Gegenkultur und puren Kindereien ganz zu schweigen...

- Zudem lässt es dank Huettl keine juristischen Fragen unbeantwortet, so wird z.B. der Leser auch über die Strafbarkeit von Blasphemie, Religionsfreiheit, Zeugenvernehmung und "Glaubhaftigkeitsbegutachtung" aufgeklärt.

Ganz unbescheiden möchte ich noch anmerken, dass ich selbst alle wichtigen Bücher und Aufsätze zum Thema "Satanismus" in deutscher und englischer Sprache gelesen habe und hoffe mit diesem Bekenntnis zu erreichen, dass mein Lob dieses Buches dadurch ein "besonderes Gewicht" erhält. Zusammen mit Joachim Schmidts "Satanismus, Mythos und Wirklichkeit", sollte "Satan - Jäger, Jünger und Justiz" zu dem deutschsprachigen wissenschaftlichen Referenzwerk dieses Themas werden, und das trotz des Unterhaltungswertes und der unüblichen Interviewform.

Schließen muss ich allerdings mit einem Hauch von Bitterkeit: Auf Amazon ist schon das neue Desinformationsmachwerk von Guido Grandt angekündigt; der Titel: "Der Satan von Witten und andere fanatische Ritualmörder". Erscheinen wird das Buch beim großen Knaur Verlag... und das, obwohl Grandt(s) schon ihr "Schwarzbuch Anthroposophie" aus dem Verkehr ziehen mussten, aufgrund einer Vielzahl von verleumderischen Falschbehauptungen, dennoch scheint dies für Knaur nicht komprimittierend genug zu sein, zumal die Grandts nicht das einzige Beispiel einer unschönen Verbindung von faktischer Desinformation, Ahnungslosigkeit und hoher Auflage sind (Stichwort Rainer Fromm). "Satansmord" sells offensichtlich.
"SATAN, Jäger, Jünger  und Justiz" hingegen erscheint leider nur auf einem bisher neuen Verlag namens KREUZFEUER, der selbst einen subkulturellen Ursprung zu haben scheint und wohl daher im tobenden Information War mit unaufholbarem Nachteil startet. Der Kampf gegen Dummheit scheint eine verlorene Schlacht zu sein, die Beschäftigung mit "Satanismus" zeigt dies auf besondere Weise...

Hier noch zwei interessante König-Interviews:

1. altes Interview aus dem SIGILL Neofolk-Kultmagazin
2. Ein König-Interview zu den Methoden der Gebrüder Grandt






 
Dominik T. für nonpop.de


Verweise zum Artikel:
» Homepage zum Buch
» Koenigs O.T.O. Seite


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Zusammenfassung
1. Teil: Wissenswertes zu Themen wie "Ritualmord"
2. Teil: One Man Show Peter R. König

Positiv aufgefallen
Rational, aufklärend und unterhaltsam.

Negativ aufgefallen
Kein Namensverzeichnis

Inhalt
ISBN 3-937611-01-0
Leipzig 2006
Broschiert, 416 Seiten
mit 65 Abbildungen
18 EUR
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