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Michael We.

Angespielt: ULVER, GRAND MAL X...

...SUNN O))), SORC'HENN & L'ACÉPHALE. Kurzreviews


Angespielt: ULVER, GRAND MAL X...
Kategorie: Spezial
Wörter: 989
Erstellt: 19.02.2014
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SORC'HENN & L'ACÉPHALE: Will Of The Abyss
UNION FINALE, 20. Februar 2014, C40 / Download




Irgendwo zwischen Doom und Drone liegt dieses neue Tape auf UNION FINALE, dem Label von MENACE RUINE. Es handelt sich um die Zusammenarbeit von LAURENT BOULOUARD und SET SOTHIS NOX LA. Ersterer vor allem aktiv unter dem Moniker SORC'HENN, zweiterer (BRIAN BOOTY) Mitglied der Black Metal-Band L'ACÉPHALE aus Oregon, der unter anderem auch MARKUS WOLFF (WALDTEUFEL) angehört. Die beiden rund 20minütigen Stücke hat das Duo zwischen 2006 und 2008 aufgenommen und für diese Veröffentlichung nun neu abgemischt.
Auf Seite A hängen einzelne, schwebende und sehr klare Drones in der Luft, die in Zeitlupe eine Melodie formen, ergänzt von kratzigen, langgezogenen Gitarrentönen. Es stellt sich unmittelbar ein Gefühl von ewiger, endloser Landschaft ein, von immenser Weite. Ich habe selten so erhabene Töne gehört, bei denen gleichzeitig eine fast unmenschliche Trauer mitschwingt - alles ist verloren, eine letzte Reise auf den Abgrund zu. Kaum wahrnehmbar sind die Veränderungen im Sound, ein Knistern, das sich einschiebt, oder eine sakrale Dreiton-Melodie; die holzige, dumpfe Percussion im Hintergrund. Ab der Mitte dröhnt die Gitarrenmelodie dann deutlich, erinnert mich sehr an den Sound von MENACE RUINE (die ja erstaunlicherweise ohne Gitarren arbeiten), nimmt fast doomige Züge an. Die zweite Seite beginnt mit ätherischen, zitherartigen Klänge, in die sich nach einigen Minuten ein schleifendes, donnerndes Geräusch einschaltet, so dass sich hier eher ein Dark Ambient-Gefühl ergibt, aus dem sich aber bei genauem Hinhören doch auch eine Melodie herausschälen lässt. Die leisen Stimmsamples in der Mitte stammen von CARL GUSTAV JUNG, und am Ende steht ein Brummen mit diversen Geräuschen, vermutlich basierend auf einer manipulierten Gitarre.
Ungeheuer stimmungsvolle, apokalyptische Stücke mit einer sehr eigenen, glänzenden Schönheit. STEVE von UNION FINALE hat ein Händchen für solche Klänge, auch diese Kassette ist ein Tipp!

GRAND MAL X: Life EP
BELÄTEN, 31. Januar 2014, C36 / Download


Auch BELÄTEN, das Label von THOMAS EKELUND, steht für hochwertige, düstere Musik auf Kassette. Und ich wundere mich bei dem großen Output regelmäßig, wie gleichbleibend gut die Qualität ist. Über GRAND MAL X weiß ich lediglich, dass es sich um ein Projekt aus Stockholm handelt, um das Duo KARL RYDBY und MATTIAS IVARSSON, die mir sonst noch nirgendwo begegnet sind.
Die sechs Stücke gehen stark in Richtung Angst Pop und lassen ohnehin Vergleiche mit GALAKTHORRÖ-Acts zu, zum Beispiel mit dem kränkelnden, psychotischen Sound von HERMANN KOPP. "Units" (01) liefert eine wunderbare Mischung aus Angst Pop und ATOM™, zunächst sehr technisch in der Anmutung durch digitale Quietscher und Knarzer, mit flüsternder, verfremdeter Stimme über einem vibrierenden Synthiedrone. Dazu ein ungleichmäßiges Tuckern, und zwischendurch blitzt eine melancholische Melodie auf - das Stück geht unter die Haut. "Tricks Of A Trade" (02) ist durchweg rhythmischer, ein gleichmäßiger Beat mit schnarrenden Sounds, hier muss ich an HUMAN LEAGUE denken. Die Stimme zittert und schwankt in ihrem Sprechgesang; düsterer Elektrowave. Auch "Late Night Call" (03) bleibt floatender, durchgängiger, wieder mit geheimnisvollem Flüstern aus dem Jenseits. Auch durch die restlichen Stücke tragen dunkle Beats und schnarrenden Synthies, die Angst-Stimme taucht aber selten auf. "Four Chambers" (05) wirkt eher wie (Dark) Ambient, mit weiblichen Vocals (Bahnhofsdurchsage), und "A Sudden Portal" (06) bleibt rein instrumental und fällt leider ein wenig ab; eine einfache Melodie mit Drum Machine, lieblicher in der Atmosphäre.
Passend zum seltsam-düsteren Cover macht die Musik einen unruhigen, kränklichen Eindruck. Die zunächst überwiegend digitale Anmutung verliert sich, dann wirkt "Life" analog und nah. Verdrehter, minimaler Elektro-Wave der sehr guten Sorte!

SUNN O))) & ULVER: Terrestrials
SOUTHERN LORD, 3. Februar 2014, CD / LP


Die Freundschaft zwischen beiden Bands, die wir hier nicht mehr vorstellen müssen, besteht seit 2003, als ULVER einen Track für SUNN O))) produzierten. Einige Jahre später, an einem gemeinsamen Tag in einem Studio in Oslo, entstanden diese drei (Zitat der Bands) "live in improvisation"-Stücke, und zwar zwischen Abend und Sonnenaufgang am nächsten Morgen. An diesen drei Rough-Mixen bastelten die Bandleader KRISTOFFER RYGG (ULVER) und STEPHEN O'MALLEY (SUNN O)))) weiter, fügten Instrumente hinzu, gaben den Songs einen weniger improvisierten Touch. Nun sind sie - passend mit einem stilisierten Sonnenaufgang als Cover - endlich veröffentlicht worden.
"Let There Be Light" (01) greift mit langen, zitternden Drones die nächtliche Atmosphäre auf, wirklich ergreifend ist die empathische, langsame Trompete (!) dazu. Gitarren quietschen zu Beginn nur leise, entwickeln sich aber nach und nach dröhnender und doomiger, auch die Trompete legt zu. Eine sehr außergewöhnliche, eindringliche Kombination, weder Metal noch Drone noch Doom. Stellenweise wirken die besonders verspielten Parts wie moderne Klassik mit Improvisation, die auch in der finalen Version immer noch durchzuhören ist. "Western Horn" (02) bleibt ruhiger. Dieses Mal liefert die Trompete die Drones, dazu tönen Trommeln, einzelne Gitarrenzupfer und ein Fender Rhodes Piano - ich fühle mich an BOHREN UND DER CLUB OF GORE erinnert! Ein sehr helles, klares, geistiges Stück. Höhepunkt ist eindeutig "Eternal Return" (03), der melodiöseste, harmonischste Song der drei. Die E-Gitarre spielt eine klare Melodie, der die Trompete folgt. Auch das Fender Rhodes unterstützt wieder, wunderbar elegisch und von tiefer Trauer und Schönheit. Gongs und Glocken deuten die proggige, zweite Hälfte an, und endlich singt auch KRISTOFFER RYGG mit seiner, wie ich finde, Wahnsinnsstimme. Sehr tief, wie langsames Atmen, und die Musik passt sich an, wird reduziert auf Synthietöne mit Hall.
Wie stark "Terrestrials" ist, wird daran deutlich, wie mächtig das Album wirkt - ohne jemals laut zu werden. Die Atmosphäre einer 'besonderen' Nacht mit morgendlicher Dämmerung in Oslo kommt gut durch, und nächtlich entfaltet sich das Album sicher auch am besten. Ich schätze, dass Fans von ULVER mit "Terrestrials" noch ein bisschen glücklicher sein werden als die von SUNN O))).

 
Michael We. für nonpop.de


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