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Tony F.

IN THE NURSERY vertonen SIMON BECKETT

Interview zum neuen Album "The Calling"


IN THE NURSERY vertonen SIMON BECKETT
Kategorie: Spezial
Wörter: 1199
Erstellt: 21.02.2013
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Mit der musikalischen Verarbeitung der DAVID HUNTER-Buchserie, des ebenfalls aus Sheffield stammenden Autors SIMON BECKETT betreten IN THE NURSERY quasi Neuland, da sie sich eben nicht wie sonst üblich neben dem 'normalen' Bandgeschäft mit der musikalischen Untermalung von Stummfilm-Klassikern beschäftigen. Grund genug, von den HUMBERSTONE-Brüdern etwas mehr über die Entstehung von "The Calling" zu erfahren. (Fotos: CHRIS SAUNDERS)

Wie seid ihr darauf gekommen, dieses Mal mit einer Buchvorlage zu arbeiten – und was ist der Unterschied bei der Umsetzung?

Nigel: Wie so viele Dinge, so entwickelte sich das Projekt aus einem zufälligen Zusammentreffen. Gegen Ende 2011 waren wir auf der Suche nach einem neuen Projekt, in das wir uns nach dem "Blind Sound"-Album verbeißen konnten. Einige Stummfilmtitel wurden angedacht. Aber die Chance, uns selbst herauszufordern zu können, indem wir in einer anderen Disziplin arbeiten, stimulierte uns. Und das war es, was "The Calling" eigentlich angetrieben hat. Bei einem Film hat man Bilder auf dem Bildschirm, die einen inspirieren, wohingegen Literatur persönlicher ist. Dabei musst du auf deine eigene innere Visualisierung setzen, auf das, was dir das geschriebene Wort suggeriert. Diese flüchtigen Bilder einzufangen und diese in Musik zu verwandeln, war der größte Unterschied.

Klive: Wir blühen bei frischen Inspirationen für unsere musikalischen Projekte regelrecht auf. Die Aussicht, einen "thematischen Soundtrack" zu kreieren, der durch Bücher einer Krimi-Thriller-Serie inspiriert ist, schien eine perfekte Kollaboration zu sein und eine Möglichkeit, mit neuen Verfahrensweisen für die Beschaffung von Sounds und der Kreation musikalischer Atmosphären zu experimentieren.

Warum habt ihr euch für DAVID HUNTER entschieden. Habt ihr ein spezielles Interesse an seinem Charakter oder an seinen Fällen?

Nigel: Ich habe ein schon weit zurückreichendes Interesse und eine Faszination für Kriminologie, soziale Abartigkeiten und die Psychologie des Verbrechens – beispielsweise für Autoren wie COLIN WILSON. Während sich dies hauptsächlich in den Bereichen der wahren Verbrechen bewegt, baut die HUNTER-Serie, die ja auf Büchern von SIMON BECKETT basiert, Elemente aus der Forensik mit ein. Dies fügt dem Krimi-Thriller-Genre Realismus hinzu. BECKETTs Arbeit war mir zunächst nicht bekannt. Aber sobald ich "Chemistry Of Death" (dt. "Chemie des Todes" Anm. d. Übersetzers) gelesen habe, war ich gefangen.

War es schwierig, SIMON BECKETT für das Projekt zu überzeugen?

Nigel: Ich habe SIMON BECKETTs Arbeit ja erst Ende 2011 durch einen gemeinsamen Freund kennengelernt. Daraufhin habe ich seine Email-Adresse bekommen und ihm geschrieben. SIMON hat von Beginn an sehr unterstützend auf das Projekt eingewirkt – er kannte unsere Musik und sah offensichtlich, wie sie das geschriebene Wort ergänzen könnte.

Wie wurden die Entscheidungen getroffen, welche Teile der Bücher von SIMON BECKETT eingelesen werden sollten?

Nigel: Wir lasen die vier Bücher der DR. HUNTER-Serie und währenddessen notierten wir uns Sektionen, die bestimmte Sounds in uns weckten und Szenarien in uns heraufbeschworen und außerdem solche, die – wie wir dachten – gut als Erzählteil mit unserer Musik funktionieren würden. Zum Beispiel war es klar, dass Dialogsektionen nicht funktionieren würden, da wir ja kein Hörbuch produzieren wollten. SIMON BECKETT machte zudem einige Vorschläge, so dass wir am Ende eine Liste von zwölf Auszügen aus vier Büchern hatten.

Aus meiner Sicht ist die Musik angenehm zurückhaltend. Damit handelt es sich nicht um einen typischen Thriller- oder Horror- Soundtrack.

Nigel: Prinzipiell stimme ich dir zu, obwohl es an einigen Stellen unangenehm ist, die Musik zu hören, und hoffentlich auch verstörend, da dies unsere Intention war.

Ihr habt einige akustische Instrumente eingebunden – etwas Gitarre und Schlagzeug – und auch die elektronischen Wellenformen klingen auf ihre Art organisch.

Nigel: Bei diesem Album haben wir tatsächlich eine große Auswahl von Instrumenten und Aufnahmetechniken benutzt. Du hast Recht, wir nutzten Gitarre, Bass und Schlagzeug – einige davon wurden binaural aufgenommen – aber auch Software-Synthesizer. (Binaurale Aufnahmen oder auch Aufnahmen in 'Kopfhörer-Stereofonie' sind eine der besten Möglichkeiten, um einen räumlichen Höreindruck zu erzeugen. Anm . d. Übersetzers) Aber um die Flächen so zu kreieren, wie wir sie haben wollten, haben wir die Klänge genommen und manipuliert – in einigen Fällen bis zur Unkenntlichkeit verändert. Einige Klänge – wie die Sektion am Ende von "3 AM" – wurden durch Verzerrer-Pedale geschleust und erneut aufgenommen. Andere wurden geschaffen, indem wir granulare Synthese und additive Synthesizer-Apps eines iPad nutzten. (Granulare Synthese ist ein Verfahren, das sich gut mit der Illusion des bewegten Bildes bei Filmen, die ja letztlich aus Einzelbildern bestehen, vergleichen lässt. Hier werden sehr kurze Einzelfragmente so aneinandergereiht oder zusammengestellt, dass sich für das Ohr ein einheitlicher Klang ergibt. Anm. d. Übersetzers)

Klive: Ich bin froh, dass du die organische Gesamtatmosphäre des Albums ansprichst. Aus meiner Sicht wussten wir schon in einem frühen Stadium der musikalischen Planungen, dass der Charakter der Sounds eine natürliche Qualität besitzen sollte. Sogar die elektronischen Klangfarben wurden so gestaltet, dass sie eher analog als digital wirkten. Die Field-Recordings setzten die Benchmark für das, was wir erreichen wollten. Die binauralen Daten besaßen eine Essenz, die all die Qualitäten der Bücher heraufbeschworen, die wir mit unserer Musik vermitteln wollten. Es war eine bewusste Entscheidung, sicherzustellen, dass all unsere aufgenommene Musik und das Sound-Design dieselbe Qualität erreichten.

In Interviews hat SIMON BECKETT betont, dass im Falle einer Verfilmung der DAVID HUNTER-Bücher das Britische seiner Charaktere erhalten bleiben soll. Glaubt ihr, dass eure Arbeit das Britische betont und könntet ihr euch vorstellen auch an einem Film-Soundtrack dafür zu arbeiten?

Nigel: Ich bin mir sicher, dass die DAVID HUNTER-Bücher zu irgendeinem Zeitpunkt für die Leinwand adaptiert werden und es wäre großartig, wenn wir für das Schreiben des Soundtracks berücksichtigt würden – aber die Dinge sind niemals so einfach oder unkompliziert. Wir haben immer von Sheffield aus gearbeitet und sind unterbewusst sicher durch unsere Umgebung beeinflusst. Ich bin mir nicht sicher, ob unsere Musik 'britisch' ist oder als solche betrachtet werden sollte.

Klive: Wir haben beim Komponieren nicht an die 'britshness' gedacht. Die Musik, die wir kreiert haben, wurde eher von der Örtlichkeit und der Landschaft beeinflusst, die beim Lesen der geschriebenen Wörter in den vier Büchern erstand. Die Visualisierung der HUNTER-Serie in einem Film wäre eine komplett andere Disziplin. Auf die eine oder andere Art mag ich es genauso, wie der Soundtrack sein eigenes Bild der Bücher entwirft, wie auch das Geschriebene auf eine andere Art beim Lesen eine Welt in unseren Köpfen porträtiert. Die Musik für eine Film-Adaption zu schreiben, erfordert nach meinen Vorstellungen einen anderen, mehr linearen Ansatz – übrigens eine Aussicht, bei der wir es natürlich genießen würden, so eine Chance wahrzunehmen.

Eure Musik wird ja auch für Film- oder Fernseh-Trailer lizenziert – zuletzt zum Beispiel für die gerade angesagte Serie "Game Of Thrones". Wie kommt da der Kontakt zustande?

Nigel:
Einige Anfragen kommen von Leuten, die unsere Musik gehört haben, obgleich sie in der Mehrzahl der Fälle eigentlich von unserer Agentur in Los Angeles kommen, mit der wir zusammenarbeiten.

Plant ihr spezielle Auftritte mit SIMON BECKETT, der live liest, oder andere Konzerte für "The Calling"?

Nigel: Uns ist diese Frage schon öfter gestellt worden und wir haben keine klare Antwort darauf. SIMON BECKETT hält Lesungen seiner Bücher und IN THE NURSERY sind für ihre Film-Live-Scores bekannt. Theoretisch gibt es also Elemente für eine spezielle Live-Zusammenarbeit.


 
Tony F. für nonpop.de


Verweise zum Artikel:
» IN THE NURSERY-Homepage

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