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Tony F.

FIRE + ICE live in Dentergem

mit VURGART und OSEWOUDT


FIRE + ICE live in Dentergem
Kategorie: Spezial
Wörter: 792
Erstellt: 05.11.2012
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Mit dem Erscheinen des neuen FIRE + ICE Albums „Fractured Man“ (Besprechung) nach zwölf Jahren ohne Veröffentlichung, ist IAN READ auch live wieder in Europa unterwegs. So stand unter anderem das belgische Antwerpen auf dem Programm, wo das Konzert letztendlich aber dann doch nicht stattfand, sondern ins beschauliche Städtchen Dentergem – schlappe 80 Kilometer westlich von Antwerpen gelegen – verlegt wurde. Über Gründe und Auswirkungen dieser Entscheidung lässt sich natürlich trefflich spekulieren – in der Konsequenz bedeutete es aber, dass dieses Konzert in einem sehr intimen Rahmen stattfand, was auch einiges für sich hatte, die beteiligten Musiker aber nicht unbedingt glücklich gemacht haben dürfte.
 
Zur Einstimmung waren an diesem Abend allerdings auch noch die beiden eher jungen Neofolk-Projekte VURGART und OSEWOUDT mit dabei. Das Ein-Mann-Projekt von MATTHIAS KRAUSE namens VURGART machte dabei den Anfang, wobei ihm Unterstützung durch JOHN MURPHY an den Trommeln gewährt wurde. Aus dem SONNE HAGAL-Umfeld entstammend liefert VURGART eine eher minimalistische, an – zumindest live – eben ältere SONNE HAGAL angelehnte Version deutschen Neofolks ab. Leider musste das Set aufgrund von gesundheitlichen Problemen, die die Stimme beeinträchtigten, gekürzt werden, sodass MATTHIAS KRAUSE nur einige Lieder spielte. Handwerklich war das Set nicht zu kritisieren; mir persönlich fehlen aber etwas die zündenden Songideen, die sich festsetzenden Melodiebögen beim Gesang – also irgendwo das, was einen dazu bringt, diese Art von Neofolk auch noch im Jahr 2012 für interessant zu halten. Die ruhigeren und mit verspielterem Gitarrenspiel ausgestatteten Stücke gehen dabei für mich jedenfalls in die richtige Richtung.
 
Die Niederländer OSEWOUDT traten danach mit ganz anderer musikalischer Wucht auf. Zwei Gitarristen, von denen einer auch für den Gesang zuständig ist. Ein Trommler, ein Mann am Akkordeon sowie ein Perkussionist, der auch für die Sprechparts in einzelnen Stücken zuständig ist. Auch bei OSEWOUDT ist die Nähe zum deutschen Neofolk der Nullerjahre offenkundig. Musikalisch mit viel Schwung und auch Können an den Instrumenten vorgetragen, haperte es aber deutlich beim Gesang, der gepresst, ton- und melodielos herüberkam. Wie so oft, so sind auch bei dieser Band die eher eingeschränkten Songideen der Mangel, zumal einen auch die rumpelige Hau-Drauf-Umsetzung des eigentlich tief melancholischen HESSE-Gedichts „Im Nebel“ eher verstörte als überzeugte. Problematisch an den neueren Bands im Neofolk-Kosmos erscheint mir ohnehin, dass ein gewisser Mangel an musikalischen und konzeptionellen Ideen herrscht. Die Frage, wo man eigentlich hin will, wird leider viel zu oft mit stereotypen Thematiken sowie Herangehensweisen und musikalisch mit purem Aufkochen alter Ideen beantwortet. Schlichte Akustikgitarrenstücke, in denen kaum eine Seele oder eine Richtung zu erkennen ist und denen auch thematisch ein das ganze zusammenhaltender, durchdachter Überbau fehlt, werden jedenfalls nicht in eine rosige Zukunft des Genres führen.
 
Zu guter Letzt betrat schließlich IAN READ die Bühne, der von MATTHIAS KRAUSE an der Gitarre sowie von JOHN MURPHY an den Trommeln unterstützt wurde. Waren die WGT-Auftritte von FIRE + ICE der letzten Jahre aufwändig durch eine große Band gestaltet, so konnte man hier wieder einmal eine eher ursprüngliche Performance von IAN READ erleben. Über die Präsenz von IAN READ auf der Bühne dürfte es dabei eigentlich keine Zweifel geben. Während ein TONY WAKEFORD gerne selbstironisch durch das Programm führt oder ein DOUGLAS P. mittlerweile durch ein gewisses Desinteresse bzw. durch teilweise skurrile Reaktionen auffällt, steht mit IAN READ ein zurückhaltender aber sich seiner inneren Stärke bewusster Mann auf der Bühne, der bei der Darbietung seiner Stücke quasi in ihnen aufzugehen, sie zu leben scheint. Kurze, zurückhaltende Ansagen, in denen er sich zum Beispiel charmant dafür entschuldigte, dass es mit dem neuen Album zwölf Jahre gedauert hat oder in denen er kurz etwas zu den Stücken sagt, inbegriffen. MATTHIAS KRAUSE legte mit der Akustikgitarre natürlich die melodiöse Basis, während sich JOHN MURPHY an den Trommeln etwas zurückhielt und oft nur leichte Perkussion beisteuerte, so dass ein minimalistischer aber wirkungsvoller, stimmiger Hintergrund für den Vortrag von IAN READ geschaffen wurde. Insgesamt wurde ein Streifzug durch die lange Bandgeschichte mit überzeugend vorgetragenen Stücken wie „Dragons In The Sunset“, „Lord Of Secrets“, „Long Lankin“, „Greyhead“ und „The Rising Of The Moon“ geboten. Einzig die stark überarbeitete Version von „Reyn Again“ funktionierte in der Abstimmung zwischen Musikern und Sänger meiner Ansicht nach nicht so wirklich. Daneben wurden aber auch neue Stücke des gerade erst erschienenen Albums „Fractured Man“ berücksichtigt. Neben „Nimm“ wurde das offizielle Set mit „Fractured Again“ beendet, das sicherlich einen der Höhepunkte des neuen Albums darstellt und auch dort am Ende steht. Für eine Zugabe kamen FIRE + ICE natürlich noch einmal auf die Bühne um das ebenfalls neue „Jubal And Tubal Cain“ und als Abschluss den Klassiker „Call Up The Four Winds“ zu spielen. Ein souveränes und eindringliches Konzert ging damit zu Ende und das mit dem Wissen, dass FIRE + ICE in unseren Breiten eigentlich viel zu selten live zu sehen sind.


 
Tony F. für nonpop.de


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