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RUNES ORDER: The Hopeless Days


RUNES ORDER: The Hopeless Days
Kategorie: Rezension
Wörter: 520
Erstellt: 28.07.2004


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Autor: Michael Schönhold

"welcome to this hopeless days" - mit diesen Worten begrüßt eine sonore Stimme mit italienischem Akzent den Hörer auf der aktuellen Runes Order - Veröffentlichung "The Hopeless Days".

Runes Order ist das Projekt des Italieners Claudio Dondo, welcher seit 1988 (Anfangs noch unter dem Namen "Order 1968") Musik produziert. In Kollaboration mit diversen Mitmusikern/innen veröffentlichte er seither eine Vielzahl von Tonträgern. Auf der Runes Order Homepage findet sich eine schöne und übersichtliche Zusammenstellung all seiner Werke. Claudios Musik ist wohl am ehesten dem Dark Ambient oder Ritual zuzuordnen, enthält aber mehr elektro-technische Schnörkeleien, als man es normalerweise in diesen Genres gewohnt ist.

Auf The Hopeless Days erwarten den Hörer elektronische Soundgemälde und synthetische Akustiklandschaften von einer beeindruckenden Intensität. Sie entführen ihn in Klangwelten von grosser Ausdruckskraft und beinah anmutiger Schönheit. Musikalische Vergleiche liegen irgendwo zwischen Dark Ambient und "pur-synthetischer" Musik im Stile Tangerine Dreams (in den siebziger/achziger Jahren) oder auch Softwares. In manchen Passagen klingt die CD aber auch nach Industrial und gelegentlich geht die Reise sogar in Richtung Synthie-Pop. Die Melodien sind traurig bis sehnsuchtsvoll-schön, und sie erinnern mich an andere große Momente italienischer Elektronikmusik - womit ich ein wenig in Richtung Kirlian Cameras schiele.
Die dargebotenen Klangtüfteleien sind gelegentlich mit Sprachsamples angereichert, welche die teils bedrohliche Atmosphäre der Musik noch unterstreichen. Wie es bereits der Titel der CD ausdrückt, geht es nicht darum Freude zu verbreiten - aber es tauchen immer wieder auch "hoffnungsvolle" Momente in den "Hopeless Days" auf. Das Hören gestaltet sich dadurch sehr Abwechslungsreich, und dieser CD zuzuhören wird zu einem spannenden Erlebnis. Durch die Sequenzerlastigkeit vieler Stücke gerieten einige davon auch sehr tanzbar - was die CD zudem noch sehr Partytauglich macht. Unterstützt wird Claudio Dondo auf The Hopeless Days übrigens von Trevor (Camerata Mediolanense/Northgate), der hier für gelegentlichen Gesang, Bass und Gitarrenklänge zuständig ist, und vielleicht auch insgesamt einen guten Einfluß auf das Gelingen der CD hatte.

Trotz der Anzahl von 15 Tracks und einer gesamten Spielzeit von über 70 Minuten wirkt diese CD nicht überladen, und ich kann darauf keine wirklichen Tiefpunkte ausfindig machen. Das beste Stück der CD ist für mich derzeit "Lucy (Nothing)", bei welchem über treibend-hämmerden Beats zu einer Syntie-Chor-Melodie eine verzerrte 'Weltraumfunk-Stimme' den Text krächzt - was zwar keine neue Idee ist, aber ich habe sie bisher kaum so gut umgesetzt gehört, wie hier.

Am Markt gibt es häufig neue Veröffentlichungen, doch eher selten bleibt mal ein Produkt so hartnäckig in meinem Gehörgang, wie dieses. Mein erster Eindruck von der CD war dabei eigentlich gar nicht so positiv - erst beim zweiten hören, da hat sie so richtig "eingeschlagen". Von allen Runes Order - Veröffentlichungen gefällt mir diese hier am besten. Überaus eingängige Musik zum darin versinken, entspannen, zum zuhören, tanzen und entfliehen - all das bekommt man von The Hopeless Days geboten. Es ist eigentlich der Soundtrack zu einer (Alb-)Traumreise, auf welche 'Signore Dondo' den Hörer einläd, und ihn bis zum Ende nicht wieder aussteigen lässt - und das ist ganz im positiven Sinne gemeint.


Runes Order - The Hopeless Days - erschienen auf "Beyond Productions" (2004)


 
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