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Endsal

COPH NIA / MINDSPAWN: Erotomechaniks II

Von der Monotonie interstellarer Hangaranlagen


COPH NIA / MINDSPAWN: Erotomechaniks II
Genre: Dark Ambient
Verlag: Raubbau
Vertrieb: Ant-Zen
Erscheinungsdatum:
12. September 2016
Medium: CD
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"Erotomechaniks II" ist – der Titel legt es nahe – bereits die zweite Kollaboration des hinlänglich bekannten Dark Ambient- und Post Industrial-Projekt COPH NIA des Schweden MIKAEL ALDÉN mit dem etwas weniger bekannten US-Musiker MINDSPAWN, bürgerlicher Namen GENE WILLIAMS. Der wuchs übrigens auf einer Farm in Missouri auf, ist genuin also eher ein Landei, entwickelte sich aber recht früh zum multitalentierten Tausendsassa und entfaltet seit den 1980er-Jahren einen extrem regen Aktivismus, der neben archäologischen Forschungen, Architekturtätigkeiten und Bullenreiten auch das experimentelle Musizieren umfasst, wie man dem Wikipedia-Eintrag (!) des Herrn entnehmen kann. Dem Rezensenten war er bislang praktisch unbekannt und selbiges gilt für "Erotomechaniks", die erste Co-Produktion der beiden, die mittlerweile satte elf Jahre auf dem Buckel hat. Ungeachtet des Umstandes aber, dass es im Interesse einer möglichst vollständigen Übersicht normalerweise geboten ist, dergleichen weiße Flecken auf der musikalischen Landkarte möglichst fix und umfassend zu tilgen, um sich ein valides Gesamturteil bilden zu können, heißt es im aktuellen Falle einmal beherzten Mut zur Lücke zu beweisen, denn bedauerlicherweise gibt es so ziemlich gar nichts, was den Verfasser dieser Zeilen motivieren könnte, sich auch noch den ersten Teil einer Veröffentlichungsreihe zu Gemüte zu führen, deren vorliegender zweiter Teil ihn dermaßen unberührt gelassen hat, dass es ihm einigermaßen schwerfällt, überhaupt etwas dazu zu schreiben. Doch das Leben ist bekanntlich kein Ponyhof, deshalb sei's im folgenden angegangen.

"Erotomechaniks II" kann genretechnisch unter der Rubrik Dark Ambient mit dezidiert rhythmisch-perkussivem Drall subsumiert werden. Das Album kommt demgemäß ohne die, wenigstens für die letzten COPH NIA-Releases typischen, Vocals aus und hinterlässt – nicht untypisch für diese musikalischen Gefilde – ein wenig die Anmutung eines Filmsoundtracks, was wiederum vortrefflich zur Vita des Herrn WILLIAMS alias MINDSPAWN passt, der, wie sein Wikipedia-Eintrag des weiteren vermeldet, im Laufe seiner facettenreichen Karriere auch schon die musikalische Untermalung für diverse Fernseh- und Videospielproduktionen besorgt hat. So scheint im Zuge einer Annäherung die Frage einigermaßen naheliegend, wie man sich den Film denn wohl so vorzustellen habe, dem das vorliegende Album als Soundtrack dienen könnte. Der Rezensent wenigstens assoziiert einen Science-Fiction-Streifen, der sich über weite Teile auf einem unglaublich riesigen, unglaublich öden und entsprechend unübersichtlichen Weltraumhangar abspielt, auf dem jenseits des alltäglichen Start- und Landetreibens nicht allzuviel passiert. Demgemäß lauscht der Hörer dem üblichen, geschäftigen Gerumpel, Gebrumme und Gedröhne, das so vor sich hinpluckert, ohne nennenswerte Höhepunkte oder strukturelle Reize zu generieren. So schweifen die Gedanken an gigantischen Raumkreuzern und Transportschiffen vorbei, die für sich genommen durchaus reizvoll wären, hier jedoch einfach lediglich en masse herumstehen und planlos navigiert werden, so dass sich beim Rezipienten nach ersten wohligen, futuristischen Fröstelschauern recht schnell eine gewisse Gewohnheit und – infolgedessen – Gleichgültigkeit breitmacht, zumal eine interne Dramaturgie, die dem Ganzen Kohärenz und Spannung verleihen könnte, weitestgehend fehlt oder immerhin zu fehlen scheint. Vielleicht ist sie auch einfach nur zu raffiniert versteckt.

So hat man denn während der gesamten ersten Hälfte der CD das Gefühl, man schlendere ohne Sinn und Verstand auf dem besagten, imaginären, interstellaren Hangar herum, ohne auch nur ansatzweise eine gewisse Sogwirkung zu erfahren: Es bleibt amorph, es dröhnt, es brummt, mal hört man metallisches Klacken, es schließen sich Schlösser, Zahnräder greifen irgendwo ineinander, doch fehlt der Zusammenhang, der einem Spannungsbogen zur Voraussetzung dienen könnte. Das ändert sich – wenn auch keineswegs dramatisch – erst mit dem vierten Track, "Harlot Coding", der im Mittelteil ein recht voluminöses, kraftvolles Rhythmusgefüge aufbaut, das den Rezipienten kurz aufhorchen lässt, bevor es auch schon wieder langsam verhallt und in den Folgetrack überleitet, der seinerseits ganz ähnlich funktioniert, leider jedoch gleichermaßen eines gelungenen Spannungsaufbaus ermangelt. "Lust Transformers" ist recht ruhig und gemächlich, von ein paar verhaltenen, extrem tiefgelegten Beats durchzogen und mit etwas verhaltenem Hintergrundgestöhne versetzt, das dem Präfix "Eroto-" im Titel der CD wenigstens ein kleines bisschen Geltung verschafft. Der Promotext befleißigt sich in dieser Hinsicht übrigens deutlich vollmundigerer Worte und erläutert das Leitmotiv des Albums wie folgt: "the meeting of machinery with eroticism, of precision with yearning, of industrial with human sounds." Nun ja. Da bilde sich denn ein jeder sein eigenes Urteil. – Wenn man auf diesem, an Höhepunkten eher armen, Album dann übrigens partout dennoch so etwas wie Höhepunkte namhaft machen will, mag man neben dem bereits genannten "Harlot Coding" auch noch den Abschlusstrack "Bridge Of Streams" dazuzählen, der mit einem vergleichsweise interessanten, weil komplexeren Rhythmusgefüge aufwartet und dieses einigermaßen pfiffig mit allerlei drumherumflirrendem Geraschel und Geknirsche zu kombinieren weiß. Das war's dann allerdings auch schon – mit einer guten Dreiviertelstunde ist die Laufzeit immerhin nicht derart üppig bemessen, dass jene allgemeine Indifferenz, die sich während des Hörens peu à peu breitmacht, zu wirklicher Langeweile vergären könnte.

Zum Bedauern des Verfassers bleibt  "Erotomechaniks II" unterm Strich eine ziemlich blutarme Veranstaltung. Das liegt zum einen am Grundkonzept, das, wenn überhaupt vorhanden, nicht wirklich greif- oder erkennbar wird, zum anderen an der extremen Konservenhaftigkeit des Sounds insgesamt, zu guter letzt aber schlichtweg an mangelnder Originalität, denn, jetzt mal ehrlich: das hier zur Darbietung Gebrachte hat man nun wirklich wirklich schon x-mal anderswo besser gehört – und das nicht erst seit gestern, sondern spätestens seit Mitte der 1990er-Jahre. Am Ende bleibt eine CD, die keinem auf die Nerven geht, die aber auch keiner braucht, weil sie keine relevanten Spuren oder Eindrücke hinterlässt und insofern letztlich leider – man sehe dem Rezensenten die harschen Worte nach, doch hier steht er nun mal und kann nicht anders: ziemlich überflüssig ist.

 
Endsal für nonpop.de


Verweise zum Artikel:
» COPH NIA @ facebook
» COPH NIA @ bandcamp
» COPH NIA @ discogs
» MINDSPAWN-Homepage
» MINDSPAWN @ facebook
» MINDSPAWN @ bandcamp
» MINDSPAWN @ discogs
» RAUBBAU-Homepage
» ANT-ZEN-Homepage
» "Erotomechaniks II" @ ANT-ZEN

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Zusammenfassung
Ziemlich ereignisarme zweite Kollaboration der beiden Dark Ambient-/Post- ndustrial-Projekte, die weder durch besondere Originalität noch durch ein nachvollziehbares thematisches Konzept zu fesseln weiß. Tut nicht weh, löst aber auch ansonsten nichts Nennenswertes aus.

Inhalt
01: Hive Mechanics (6:22)
02: Tech Priests (5:03)
03: Temple Of The Cores (9:20)
04: Harlot Coding (5:28)
05: Birthing Vats (6:14)
06: Lust Transformer (6:41)
07: Bridge Of Screams (8:50)
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einigermaßen erotomechaniks mindspawn musikalischen übrigens