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Endsal

CoH: To Beat

Von Ton zu Rhythmus und retour ...


CoH: To Beat
Genre: Electronica
Verlag: Editions Mego
Vertrieb: Editions Mego
Erscheinungsdatum:
12. Mai 2014
Medium: CD / LP
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Der Rezensent gesteht offen, dass ihn "TO BEAT" insofern ein klitzekleines bisschen ratlos macht, als er – und das kommt eher selten vor – nicht so recht weiß, was genau er auf Anhieb dazu sagen soll. Was übrigens keineswegs heißen soll, das Werk wisse nicht zu gefallen – mitnichten, das glatte Gegenteil ist der Fall. Und doch gestaltet sich eine gehaltvolle Kommentierung etwas kniffelig, was zuerst und zunächst wohl damit zusammenhängen dürfte, dass es sich um eine reichlich kühle, glatte, dabei doch durchaus verspielte, in Teilen tendenziell frickelige, alles in allem jedoch reichlich technoide Soundlandschaft handelt, die der in Schweden lebende, russische Musiker IVAN PAVLOV aka CoH – die Hintergründe des gewählten nom de guerre hat bereits der Kollege andrewkorsch im Rahmen seiner Besprechung des Vorgängeralbums "Retro-2038" vor ziemlich genau einem Jahr hinreichend erläutert – hier kreiert, die im Grunde (und das scheint mir typisch für Musik dieser Couleur) recht wenig erzählt, auch wenn sie deshalb keineswegs langweilt. Doch der Reihe nach:

Das Konzept, welches das Album verfolgt, erschließt sich anhand der Coverabbildung, die mit grafischen Mitteln die Transformation eines, einen Ton repräsentierenden, Sinuswellenmusters in eine intervallisch segmentierte Wellenform abbildet, die ihrerseits das strukturierende Moment Beat darstellt. Unter diesem grafischen Muster prangen die Worte "TO BEAT", und dementsprechend führt bereits der Eröffnungstrack qua Titelgebung und musikalischer Umsetzung sinnfällig ins Thema ein: "WAVE TO BEAT" – was man durchaus wörtlich verstehen darf, denn es ist, so klärt der Promotext auf, "[t]his mathematical progression [which] is made audible in the album's opening track". Und diese Charakterisierung ist für den Hörer sensorisch unmittelbar nachvollziehbar, insofern hier tatsächlich ein langgezogener, flächiger Ton durch stetig zunehmende Modulation in eine einfache Beatstruktur überführt wird. In dieser Hinsicht schließt das Album nahtlos an seinen Vorgänger "Retro-2038" an, der mit eben jenem Sound ausklingt, mit dem "TO BEAT" einsetzt, um sich im weiteren Verlauf dann in allerlei technoiden Spielarten zu ergehen, die man seitens CoHs federführendem Haus- & Hoflabel EDITIONS MEGO mit dem irgendwie putzigen Label "adventurous dance music" versehen hat.

Ob und in wie weit er das, was der Herr PAVLOV auf dem vorliegenden Tonträger im Rahmen von insgesamt neun Tracks dann so alles treibt, nun tatsächlich "adventurous" finden mag, sei dem jeweiligen Hörer geflissentlich selbst überlassen. Der Rezensent wenigstens fand "Retro-2038" in dieser Hinsicht – ungeachtet des eher Gegenteiliges suggerierenden Titels – etwas ergiebiger, doch steht es ganz generell außer Frage, dass dem ursprünglich doch arg experimentell und frickelig ausgelegten Projekt CoH durch die Hinwendung zu tendenziell tanzbarer elektronischer Musik eine Facette hinzugefügt wurde, die, vergleicht man den kreativen Output der frühen Jahre mit dem der jüngeren Vergangenheit, zweifelsohne von großer Experimentierfreude und ausgeprägtem Spieltrieb zeugt. "TO BEAT" löst die Erwartungen, die der Titel weckt, jedenfalls durch die Bank ein und wartet dementsprechend mit treibenden, rhythmischen, größtenteils tanzbaren Stücken auf, die durch Abwechslungsreichtum, intelligenten Aufbau und Druckkraft überzeugen – wenngleich jener, irgendwie experimentell-futuristische Vintage-Techno (sic!), den CoH auf dem Vorgänger zelebrierte, noch eine Spur schmissiger daherkam. Doch auch hier ballert und pluckert es, ebenfalls dezent nostalgisch konnotiert, ausgesprochen dynamisch vor sich hin und fordert nachdrücklich zu Mitwippen und darüber Hinausgehendem auf. Lediglich die Vocal-Samples, die immer mal wieder zum Einsatz kommen, stimmen ein wenig kritisch, doch ist dies angesichts des Albumganzen eine Marginalie und kann guten Gewissens den jeweiligen persönlichen Präferenzen des Endverbrauchers überlassen werden: "Wat den eenen sin Ul, is den annern sin Nachtigall", wie der Friese so sinnreich zu sprechen weiß.

Der Sound, den CoH – ursprünglich und in weiten Teilen seines musikalischen Schaffens ja denkbar weit von allem entfernt, was an Tanzbarkeit erinnert – auf seinen letzten beiden Alben kultiviert, hat den Weg vom Kopf in die Beine des Publikums jedenfalls mit Bravour und jenem speziellen Quäntchen Besonnenheit gemeistert, welches gewährleistet, im Taumel neu entdeckter Tanzbarkeit an der Stätte des Herkommens – dem Kopf – kein Vakuum zurückzulassen. Als Meilenstein des Genres muss man "TO BEAT" zwar nicht unbedingt bezeichnen, nichtsdestoweniger ist es eine überdurchschnittlich solide Veröffentlichung mit originellem Charme, welche sich vom bisweilen doch recht öden Einheitsbrei zeitgenössischer elektronischer Tanzmusik erfreulich abzuheben weiß. Ach ja: Der letzte Track, sinnigerweise "BEAT TO WAVE" betitelt, führt das Konzept schließlich wieder an seinen Ausgangspunkt zurück – und so schließt sich der Kreis: "This brings back the album's main idea, where tone and beat are essentially one and the same, like vowels and consonants in a language, like Yin and Yang in music" ...

 
Endsal für nonpop.de


Verweise zum Artikel:
» CoH-Homepage
» CoH @ discogs
» CoH @ wikipedia
» TO BEAT (Excerpts) @ SoundCloud

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» V.A. :: Mia Runa


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Zusammenfassung
CoH hat mit seiner Musik den Weg vom Kopf in die Beine des Hörers erfolgreich und ohne Kollateralschäden gemeistert: Solides, kurzweiliges und - nomen est omen! - dezidiert rhythmisches Opus eines Musikers, der dem Beat an sich über weite Teile seines Schaffens hin eher abhold war.

Inhalt
01: WAVE TO BEAT
02: Meguro 10-6
03: Becha-Kpacha
04: ungear moi
05: eena ferroix
06: Moonviewhigh
07: Bond Number
08: Helicon
09: BEAT TO WAVE
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