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Michael We.

NAEVUS: The Division Of Labour

NAEVUS ohne alles, aber scharf.


NAEVUS: The Division Of Labour
Genre: Neofolk / Post-Punk
Verlag: HauRuck!
Erscheinungsdatum:
1. Mai 2012
Medium: CD
Preis: ~16,00 €
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Eigentlich hätte das neue NAEVUS-Album ja "Beast" heißen und viele Akkordeon-Passagen haben sollen. So kündigten es LLOYD JAMES und JOANNE OWEN – das in London lebende Musikerpaar und Herz des Projekts – vor knapp zwei Jahren in unserem Interview an. Was genau zwischen den beiden passiert ist, bleibt ein Geheimnis. Rund vier Jahre nach dem letzten Vollzeitalbum "Relatively Close To The Sea" (Besprechung) trägt der Nachfolger nun aber einen anderen Namen, nämlich "The Division Of Labour". Und es ist kein einziger Akkordeon-Ton darauf zu hören, weil LLOYD JAMES die neun Songs bis auf die Unterstützung einiger weniger Bekannter im Alleingang eingespielt hat, also ohne JOANNE, die neben dem Akkordeon bislang unter anderem für den treibenden Bass verantwortlich war. Und so tauchen neben LLOYD nur RAFFAELE CERRONI (MUSHROOM'S PATIENCE), BEN MCLEES (THIS IS RADIO SILENCE), PROPERGOL Y COLARGOL alias RENO BERTHOU und – wie so häufig – HUNTER BARR an den Drums auf; eine für NAEVUS ungewöhnlich kurze Gästeliste.

Einige der Songs für das neue Album waren zum Zeitpunkt unseres Gespräches schon fertig und werden vermutlich irgendwie den Weg auf "The Division Of Labour" gefunden haben, wenngleich anders eingespielt als geplant. Dennoch stellt sich die Frage: Kann ein NAEVUS-Album mit nur 50 Prozent des Herzens der Band ein gutes, ein voranschreitendes sein? Oder ähnelt es doch den manchmal sehr experimentellen Soloprojekten von LLOYD? Nein, es ist ein hervorragendes Werk mit immer noch vorhandenem Wiedererkennungswert geworden, wenn auch klanglich an vielen Stellen anders als die letzten Alben, ursprünglicher, in Richtung frühere NAEVUS.

Der Opener könnte auf den Gemütszustand von LLOYD hindeuten, ein 'Mann im Straßengraben'. "Man In A Ditch" (01) startet mit einem mächtigen, instrumentalen Vorspiel, ein ansteigendes Grummeln, das eigentlich über das gesamte Album hinweg nie ganz verstummt und hier in eine mitreißende Melodie mündet. Akustikgitarre und Stimme, sehr minimalistisch. Die positiven Entwicklungen hat LLOYD offenbar mitgenommen, der Gesang ist nach wie vor stark verbessert, die Stimme beinahe geschmeidig. Der Song birgt eine mächtige, tiefe Traurigkeit, wirkt blank und bloß, endet einsam und urplötzlich mitten in der Luft. Die Vermutung, dass der typische, schwarze NAEVUS-Humor auch im weiteren Verlauf fehlen wird, bestätigt sich. "Idiots" (02) ist mehr Punk denn je: E-Gitarren-Geschrammel, treibende Percussion, ein gelooptes "Idiots" im Hintergrund und die tiefe und wiederum äußerst melodiöse Stimme von LLOYD JAMES. Der Track geht zwar in eine andere Richtung, aber zweifellos ist es nach zwei Songs schon der zweite Hit des Albums, wiederum von Wut und Zynismus geprägt, puristisch und kein bisschen mehr 'Prog' wie manches auf "Relatively Close To The Sea".
Es gibt aber noch Vergleichbares. "Bleat Beep" (03) zum Beispiel, einer der typisch gitarrenbasierten Songs, auch irgendwie punkig mit dem minimalen Schlagzeug im Hintergrund; der Text arbeitet – ein weiteres Stilelement auf diesem Album – mit sich ständig wiederholenden Schlagwörtern. Auch "Making Hay" (04) hat dieses schunkelige NAEVUS-Gen, ist eigentlich das erste wirklich charakteristische Stück. "The Stomach" (05) ist dagegen wieder eine (sehr) traurige Ballade, mit deutlich hörbarem Bass und ansonsten zunächst nur Akustikgitarre. LLOYD JAMES sinniert, geht in sich, bis sich auch in diesem Lied wieder eine 'Wall of Sound' auftürmt, melodiös zwar, aber zerrend. Ein Zwischenfazit: Die Beobachtung von der letzten Maxi und bis dato jüngsten Veröffentlichung "Days That Go" (Besprechung), dass NAEVUS wie manche Manchester-Bands klingen können, setzt sich fort, ebenso der durch das gleichzeitige Einspielen im Studio entstandene, 'authentische' Sound.

"Song In Suspension" (06) klingt dann zum ersten Mal wirklich auffällig anders, höchst reduziert und mit dronigen, dezenten Orgeltönen im Hintergrund, einem Schlagzeug-Besen sowie sanfter Drummachine-Programmierung – der Bogen zu früheren Tagen. Ab der Mitte des Songs setzt wieder ein bedrohlicher, zerrender Soundteppich ein, dieses Mal mit zusätzlichen Space-Geräuschen, am Ende der Untergang mit Marschtrommel. Gitarrennoise ist der Kern von "Hobo Placing" (07), ein instrumentales Tatütata plus Windgeräusch, darüber rezitiert LLOYD JAMES mit Pausen, müde oder verzweifelt. In "Donkey's Trough" (08) singt er wieder, bleibt aber insgesamt reduziert, die breiige E-Gitarre statt Bass, nur leise Akustik-Twangs im Vordergrund, und dazu eine todtraurige und ebenfalls leise Stimme. "Chalk Is Valuable, Keep It In Your Hand" (09) ist dann doch ein Experiment zum Abschluss, klingt wie die  Fremdsprachenübung auf einer Lern-CD mit Gitarrenbegleitung, das Stilelement der Wiederholung einzelner Wörter wird hier stoisch eingesetzt. Dann der Wechsel zu einem reinen Akustiksong, nur die Gitarre und LLOYD, Songwriting und Lyrics absolut minimalistisch. Und zum Schluss wieder Wort, Gitarrenakkord, Wort ...

Ich bin überrascht und beinahe traurig, wie wenig JOANNE (mir) musikalisch fehlt. Die Instrumentierung ist logischerweise reduzierter, ein (prog-)folkiges Element geht "The Division Of Labour" fast völlig ab. Einige Songs sind etwas experimenteller als gewohnt, bleiben aber im Bandrahmen, so wie das Album trotz aller Veränderungen immer wieder einen typischen, gitarrenbasierten NAEVUS-Sound hat, was wohl auch zum großen Teil an der unverwechselbaren Stimme von LLOYD liegt. Ganz sicher aber ist es das emotional stärkste, packendste Album. Es hat mit seiner punkigen, rohen Energie bei gleichzeitiger Verletzlichkeit einen tiefen Eindruck hinterlassen und birgt außerdem ein paar der bisher stärksten NAEVUS-Songs, etwa "Man In A Ditch". Wie (und ob überhaupt) es mit NAEVUS weitergeht, wird aber wohl erst ein nächstes Album endgültig belegen.


 
Michael We. für nonpop.de


Verweise zum Artikel:
» NAEVUS @ myspace
» NAEVUS @ youtube
» HAURUCK!
» HAURUCK! @ myspace

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Zusammenfassung
Ein Album ohne JOANNE am Bass! Die Instrumentierung ist deshalb reduzierter, ein (prog-)folkiges Element fehlt völlig. Einige Songs sind etwas experimenteller als gewohnt. Ganz sicher aber ist es das emotional packendste NAEVUS-Album, welches außerdem ein paar der bisher stärksten Stücke birgt.

Inhalt
1. Man In A Ditch
2. Idiots (Let Me In)
3. Bleat Beep
4. Making Hay
5. The Stomach
6. Song In Suspension
7. Hobo Placing
8. Donkey's Trough
9. Chalk Is Valuable, Keep It In Your Hand
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