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Micha W.

JAMES GRAHAM BALLARD: Betoninsel

Eine moderne Robinsonade


JAMES GRAHAM BALLARD: Betoninsel
Genre: Literatur
Verlag: Area
Erscheinungsdatum:
1974 (Erstausgabe)
Medium: Buch
Preis: ~10,00 €
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Robert Maitland hat alles, was er sich wünschen kann: Er führt ein glückliches Leben, hat eine Frau und eine Geliebte, zwischen denen er seine Freizeit aufteilt, und zudem ist er noch als Architekt erfolgreich und fühlt sich mit seinen 35 Jahren auch noch recht jung - in seinem Leben scheint einfach alles zu stimmen. Umso tiefer allerdings fällt er dann auch, als er auf der Autobahn aufgrund überhöhter Geschwindigkeit aus der Spur geschleudert wird und eine Absperrung durchbricht - und sich zehn Meter tiefer mit seinem Wagen auf einer Verkehrsinsel überschlägt. Verletzt wartet er zunächst im Auto, geht er doch davon aus, dass es nur eine Frage von Minuten, maximal einer oder zwei Stunden sein kann, bis Hilfe eintrifft, eine Hilfe, die länger und länger auf sich warten lässt. Als am nächsten Morgen immer noch niemand aufgetaucht ist, muss er feststellen, dass niemand kommen wird - weil ihn schlicht und ergreifend niemand vermisst. Sein Leben ist so eingerichtet, dass er tagelang abwesend sein kann, ohne dass jemand Verdacht schöpft. Schafft es Maitland anfangs noch, die steile Böschung dieses Niemandslandes zwischen drei Autobahnen zu erklimmen, zehren Hunger, Durst und Verletzungen zunehmend an seinen Kräften, sodass er zu der Erkenntnis gezwungen ist, auf diesem Ödland - in Sichtweite der Wolkenkratzer Londons - gestrandet zu sein, ohne dass sich jemand seiner Freunde sorgte oder dass er von den Vorbeifahrenden gesehen würde. Je länger er auf ‚der Insel’, wie er diesen Ort nennt, bleibt, desto mehr identifiziert er sich mit ihm und desto geringer wird sein Wunsch, tatsächlich die Flucht anzutreten. Und schließlich bemerkt er, dass er nicht der einzige Bewohner dieses kahlen Fleckchens ist…

Auch wenn JAMES GRAHAM BALLARD ohne Zweifel einer der größten noch lebenden Science Fiction-Autoren des englischsprachigen Raumes ist, lässt er sich doch keineswegs auf dieses Genre reduzieren: Wie der schon kurz zuvor veröffentliche Roman "Crash" ist "Betoninsel" (Erstausgabe 1974) bar jeglicher phantastischer Elemente. Stattdessen geht es einmal mehr um den Menschen in einer gänzlich automatisierten Welt, deren Grad der Maschinisierung anhand der Omnipräsenz des Autos verdeutlicht wird. Doch anders als in "Crash" widmet sich BALLARD hier weniger der Auslotung einer neuen, durch eine technisierte Umwelt bedingten Sexualität im Geiste HANS BELLMERs, als dass er seinen Protagonisten auf eine Reise zu sich selbst schickt. "Betoninsel" ist eine introvertierte Robinsonade, eine sorgsame Charakterstudie, in deren Verlauf Maitland mit sich und seinen Schattenseiten konfrontiert wird und gezwungen ist, Prioritäten immer wieder erneut abzuwägen und zu überdenken. Wenn es gemeinsame Nenner von "Crash" und "Betoninsel" gibt, dann sind es die Verbindung von Mensch und technisierter Umwelt sowie die Zivilisationsmüdigkeit, die in beiden Werken deutlich durchscheint, weshalb sie auch ohne weiteres als komplementäre Werke zu verstehen sind, als zwei in unterschiedliche Richtungen weisende Versuche, ein und denselben Umstand auszuloten: den Menschen in der westlichen Welt, in einer Umgebung, die er längst nicht mehr bestimmt, sondern die ein Eigenleben gewonnen hat, dem sich die Protagonisten wie von selbst anpassen, ohne dass es dazu eines äußeren Zwanges bedürfte. Das mag mitunter ein wenig nach CHUCK PALAHNIUK klingen, doch hinkt der Vergleich dahingehend, dass BALLARD weniger wütend als vielmehr analytisch zu Werke geht und ganz in klassicher Science Fiction-Manier eine Was-wäre-wenn-Situation durchspielt. Das mag mitunter zwar ein wenig arg konstruiert wirken, doch wenn man sich erst einmal auf die Prämissen eingelassen hat, entwickelt sich die von BALLARD entworfene Situation mit einer Dynamik, der man sich nur schwerlich zu entziehen vermag. Was der Engländer vor mittlerweile über 30 Jahren verfasste, war nicht nur das mit genauem Blick entworfene Psychogramm eines einzelnen Menschen, sondern eine Prognose, die er der Gesellschaft ausstellte, die ihn umgab - und die sich bis heute nicht wesentlich geändert hat.

"Betoninsel" ist momentan nicht als Einzelausgabe, sondern lediglich als "Die Betoninsel" in einem Sammelband zusammen mit "Crash" und "Der Block" erhältlich.

 
Micha W. für nonpop.de



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Zusammenfassung
"Betoninsel" ist eine introvertierte Robinsonade, eine sorgsame Charakterstudie, in der Zivilisationsmüdigkeit ebenso durchscheint, wie sie das Verhältnis von Mensch und Maschine eindrücklich seziert.

Inhalt
JAMES GRAHAM BALLARD: "Crash/Die Betoninsel/Der Block". Area Verlag. 794 Seiten.
(Die bibliographischen Angaben beziehen sich auf den Sammelband, die augenblicklich einzige Möglichkeit, "Betoninsel" neu zu erwerben.)
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