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Dominik T.

Schwedischer Death Metal

"Dark were the thorns of crimson death"


Schwedischer Death Metal
Kategorie: Spezial
Wörter: 1354
Erstellt: 09.07.2009
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„Anderer“ Schweden-Death Metal

-    OBSCURITYOvations To Death, Demo, 1985
-    OBSCURITY – Damnations Pride, Demo 1986

OBSCURITY wurden jüngst wieder von JON METALION (SLAYER MAGAZINE) in seinem VICE MAGAZIN-Überblick über „norwegischen Black Metal“ gesondert hervorgehoben (obwohl Schweden, aus Malmö), was natürlich anzeigt, dass OBSCURITY eine jener „Ursuppen-Bands“ war, sowohl Death- als auch Black Metal. Ihre Demos waren stark beeinflusst von damals zeitgenössischen Bands wie SODOM, SCHIZO, BULLDOZER und BATHORY, in deren Schatten sie standen. Dazu ein schwer fassbarer Einfluss durch klassische Musik. Vielleicht eine Einbildung meinerseits, aber vieles, was später die Tschechen MASTERS HAMMER oder auch die Landsleute DISSECTION perfektionierten, war hier bereits angelegt. Essentiell für jede Black-und Death Metal-Geschichte, was bereits in den ersten Sekunden des ersten Demos deutlich wird, wenn CHOPINs Begräbnismarsch bruchlos in Metal übergeht. 1998 erschienen die beiden Demos gesammelt auf der CD „Damnations Pride“, herausgegeben vom italienischen Label SCARLET RECORDS.
Nun, 23 Jahre nach den Demos, soll es OBSCURITY wieder geben.

-    MEFISTO – Megalomania, Demo, 1986
-    MEFISTO – The Puzzle, Demo, 1986
MEFISTO sind ein ähnlich interessanter Fall wie OBSCURITY (und wurden genauso im oben verlinkten VICE-Artikel von METALION hervorgehoben). Viele dürften sie viele Jahre auch nur deshalb vom Namen kennen, weil L.G. PETROV oft mit einem sehr schicken MEFISTO-T-Shirt rumlief (zumindest mir ging es so). Ursuppen-Black/Death Metal-Stil mit virtuoser Gitarrenarbeit, vielen kleinen Details und thelemitisch-crowleyanischen Texten. Zwischenspiele an der klassischen Gitarre, wie sie später bei DISSECTION zu hören waren, finden sich hier bereits. METALION interviewte sie damals für SLAYER, ansonsten eine Band, über die kaum etwas bekannt ist. BLOODDAWN veröffentlichten 1999 ihre beiden Demos unter dem Titel „The Truth“ auf CD.

-    GROTESQUE – Incantation, Vinyl EP, 1990 DOLORES RECORDS
Wieder eine Black/Death-Metal-Ursuppen-Band. DANIEL EKEROTH legt nahe, dass dies nach ENTOMBED die wichtigste und folgenreichste Extrem-Metal-Band Schwedens war. Dafür gibt es zweierlei Gründe: Erstens findet sich hier eine Form schwedischen Death/Black Metals, die von Anfang an komplett anders klang als das, was ENTOMBED versuchten. Zweitens gingen aus GROTESQUE die Bands AT THE GATES und LIERS IN WAIT hervor.
1996 veröffentlichte BLACK SUN RECORDS die posthume GROTESQUE-CD „In The Embrace Of Evil“ mit Demotracks, Remixen der „Incantation“-EP und sogar zwei neuen Stücken, die die alten Mitglieder extra für diese Veröffentlichung nocheinmal aufnahmen.

-    TIAMAT – The Astral Sleep, LP/CD, 1991 CENTURY MEDIA
TIAMAT sind aus der Ursuppen-Black/Death Metal-Band TREBLINKA hervorgegangen. Nach einem weiteren Album („Sumerian Cry", 1990) in diesem Stil folgte 1991 mit „The Astral Sleep“ ein Album, welches im Nachhinein zusammen mit dem im gleichen Jahr erschienenen „Gothic“-Album der Engländer PARADISE LOST als das Pionieralbum des „Gothic Metal“ gelten darf. Die Idee war denkbar einfach: Death Metal mischen mit dem Stil solcher Projekte wie FIELDS OF THE NEPHILIM, SISTERS OF MERCY oder THE MISSION, bei TIAMAT kam noch ein deutlicher HELLHAMMER/CELTIC FROST-Einfluss hinzu, also etwas, was man heute ein „Black Metal-Gefühl“ nennen könnte. Ein absoluter Klassiker, den man kennen muss. Zu was das alles führt, war auch noch nicht ganz klar.

-    LIERS IN WAIT – Spiritually Uncontrolled Art, MLP, 1991 DOLORES RECORDS
Wie AT THE GATES hervorgegangen aus GROTESQUE. Pionierformation des „Göteborg-Sounds“. Im Unterschied zum ENTOMBED-Death Metal sind hier alle Instrumente fein rauszuhören. Viel Melodie, viele Tempowechsel, sehr quirlig  und zügellos wirkend alles und mit einem Bein von der ganzen Präsentation immer auch „im Black Metal“ stehend. Hinter LIERS IN WAIT stand vor allem KRISTIAN NECROLORD WAHLIN, der später vor allem als Coverzeichner anerkannt war (u.a. für EMPEROR), LIERS IN WAIT gab er bald auf, vielleicht, weil sie immer etwas im Schatten von AT THE GATES standen, seinen alten GROTESQUE-Kollegen.

-    EUCHARIST – Demo 1, 1992
Eine weitere „Göteborg-Sound“-Pionierformation, die einen Stil zwischen AT THE GATES und DISSECTION pflegten und auch so bekannt wie beide hätten werden können. Der kleine Bruder des AT THE GATES-Schlagzeugers spielte hier auch am gleichen Instrument. Geklappt hat es mit der größeren Bekanntheit leider nicht. Aufgeführt sind sie als beeindruckendes Beispiel dafür, dass manche Bands eben einfach Pech hatten. Dieses Demo wurde kurz darauf leicht verändert auch auf einer 7"-Vinylsingle namens „Greeting Immortality“ vom italienischen Kultlabel OBSCURE PLASMA (ohne Erlaubnis) veröffentlicht (sind eh nur zwei Stücke).
Charakteristisch hier auch die Akustikgitarren-Zwischenspiele, die sich an klassischer Musik orientieren. DISSECTION hatten etwa zeitgleich diese Idee.

-    AT THE GATES – The Red In The Sky Is Ours, CD/LP, 1992 PEACEVILLE
Mit ENTOMBED die Überband des Schwedischen Death Metals und das sieht EKEROTH auch so.
AT THE GATES entwickelten hier einen ganz eigenen Death Metal-Stil, der seitdem tausendmal versucht wurde zu kopieren. Manchmal gelingt es oberflächlich, doch nur beim Original hat es diese unvergleichliche Wirkung. 
Bis heute versuche ich hinter das Geheimnis der drei ersten AT THE GATES-Werke zu kommen, fest steht nur, es ist die Kombination aus THOMAS LINDBERGs „Angstschreien“ und den Texten, die losgelöst von der Stimme wenig hergeben würden, aber so alles in eine eigentümlich existenzialistische Atmosphäre tauchen. Ich erspare euch weitere Spekulationen zu ihrem „Philosophie-Death Metal“, zumal ROBERT MÜLLER (METAL HAMMER) als großer Fan dieser Formation dazu schon alles schrieb. Wie gerne wüsste ich jetzt noch seine Wortwahl anno 1993, ich weiß nur, ich fand sie treffend wie sonst kaum was im Musikjournalismus.

-    AT THE GATES – With Fear I Kiss The Burning Darkness, CD/LP, 1993 PEACEVILLE
Meisterwerk, etwas koordinierter als der Vorgänger, leider keine Violine mehr dabei.

-    KATATONIA – JHVA- Elohim Meth …The Revival, Vinyl EP, 1993 VIC RECORDS
EKEROTH legt komischerweise gesondert Wert darauf, ihre Death Metal Wurzeln zu betonen. Fest steht aber, dass KATATONIA ähnlich wie MARDUK oder DISSECTION mit der schwedischen Seite der Neunziger-Black Metal-Welle assoziiert wurden. Sicher ist auch, dass seit TIAMATs „The Astral Sleep“ kein Album der „melancholischen“ (oder von mir aus „gothischen“) Seite des schwedischen Black/Death Metals im Untergrund so freudig erregt aufgenommen wurde wie diese EP (und das darauffolgende Vollzeitalbum „Dance Of December Souls“). Herzzerreißender Weltschmerz-Doom/Death/Black Metal nah an hoffnungslos verkitschten „Lord-Byron-Assoziationen“, dennoch einzigartig und nahezu „genrebildend“, Kategorie „Weltschmerz im Black Metal“.
Die Band spielt heute eine Art Alternative Rock, der mehr an eine Mischung aus ALICE IN CHAINS, MERCURY REV und RED HOUSE PAINTERS erinnert als an Gothic Metal, geblieben ist allein die Schwermut ihrer Musik.

-   DISSECTION – The Somberlain, CD, 1993 NO FASHION RECORDS
Mit AT THE GATES (mit denen sie den Proberaum teilten) die bekannteste und wichtigste Death/Black Metal-Band jenseits von Stockholm. Groß im Fokus waren sie erst mit der zweiten Black Metal-Welle, EKEROTH betont jedoch, dass der berüchtigte Kopf und Gründer JON NÖDVEIDT von Anfang an Teil der Szene war. Die Geschichte von DISSECTION ist ja bekannt, sie orientierten sich „ideologisch“ stark an EURONYMOUS (MAYHEM) und schufen ihren dunkel-melodisch brodelnden Black/Death allein aus „satanischem“ Geist.  Konkret hieß das bei JON NÖDVEIDT, dass er „Mitglied" des sogenannten „MISANTHROPIC LUCIFERIAN ORDER“ war und all das immer wichtiger wurde. Jener MLO bzw. sein Sprecher gibt sich im verlinkten Interview alle Mühe „seriös okkult“ zu erscheinen. Der Sprecher leugnet wohl deshalb die enge Black Metal-Bindung, wogegen aber nicht nur der Publikationsort, sondern schon allein der Name des Ordens und überhaupt alles spricht. Diese Art von „Satanismus“ wäre, auch wenn Traditionen und Versatzstücke aus der dem Ideenfundus des modernen Okkultismus aufgenommen wurden („Chaos-Magie“, Setianismus) ohne „Black Metal-Ideologie“ absolut undenkbar, was solche Orden auch unterscheidet von THERIONS DRAGON ROUGE, die zwar sicher auch viele „Heavy Metal-Mitglieder“ haben, aber nicht notwendig darauf fußen.
Kurz, DISSECTION nahmen die Dinge ernster als alle schwedischen Kollegen, was letztendlich auch 2006 zum Suizid von JON NÖDTVEIDT führte.

Hier fehlen nun noch andere Werke von TIAMAT ("Clouds" und "Wildhoney"), AT THE GATES, DISSECTION ("Storm Of The Light's Bane" , 1995) und KATATONIA ("Brave Murder Day"), sowie MARDUK, OPHTHALAMIA, UNANIMATED, DARK FUNERAL, NECROPHOBIC und auf gewisse Weise auch OPETH, die in der Nähe von KATATONIA ihre Wurzeln haben.

BATHORY, ABRUPTUM sind so speziell, daß sie in einen internationalen Black Metal Kontext gehören.


 
Dominik T. für nonpop.de


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