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Tony F.

WERKRAUMs "Early Love Music"

love is the song we sing: Interview und Rezension


WERKRAUMs
Kategorie: Spezial
Wörter: 933
Erstellt: 19.10.2008
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WERKRAUM: Early Love Music (Ahnstern)

Ich meine mich erinnern zu können, schon vor gut zweieinhalb Jahren die erste Ankündigung des neuen WERKRAUM-Albums zu Gesicht bekommen zu haben. „Early Love Music“ – der Titel blieb leicht im Gedächtnis hängen. In diesen Worten klang etwas Verheißungsvolles, Altes wie Frisches zugleich, zumal nur kurze Zeit nachdem die sehr ambitionierte „Kristalle“-EP schon gezeigt hatte, dass das Berliner Neofolkprojekt WERKRAUM in den Mittwinternächten des Jahres 2005 begann, neue Pfade zu beschreiten.
Vielleicht ist es auch nicht übertrieben, dabei gar von einer Kehrtwende zu sprechen. Die strengen Kreuzzugsmärsche des gefeierten COLD SPRING-Debüts „Unsere Feuer Brennen“ zumindest sind inzwischen verklungen, das alarmierende „Steh auf, Nordwind!“ längst am Horizont verhallt. Nun ist es zurecht Zeit geworden für eine besinnliche Sammlung von Liedern über „Lieb und Treu“ und auch der kalte, heroische Stil der frühen WERKRAUM ist einer verschnörkelt-ornamentartigen Spät-Hippie-Ästhetik gewichen. Zurecht, denn AXEL FRANK ist noch früh genug vom sinkenden Narrenschiff der dritten Neofolkgeneration abgesprungen.
Musikalisch folgt die lang erwartete Platte recht konsequent dem auf „Kristalle“ eingeschlagenen Pfad, nimmt sich dabei aber mehr Freiheiten, wirkt lockerer, spielerischer, sommerlicher. AXEL FRANK bedient sich eines beachtlichen und stets noch anwachsenden Instrumentariums, das von der antiquarischen Laute bis zum Hurdy-Gurdy reicht. Tatsächlich ist so nun alles von Hand eingespielt und hört man darunter einmal etwas Synthetisches, so handelt es sich meist um die warmen Klänge von vintage Keyboards, die dann mitunter eine schöne nostalgische POPOL VUH-Stimmung erzeugen. Immer wenn WERKRAUM als komplette Band mit Bass und Schlagzeug auftreten, wie bei „La Marmotte“ oder der „Blacksmith“-Neubearbeitung, die sich an der STEELEYE SPAN-Vertonung anlehnt (Zitiert wird wohlgemerkt die frühere Version vom sehr guten Debütalbum „Hark! The Village Wait“, 1971.), steuern sie in der Tat auf einen sehr 70er-typischen englischen Folk-Rock zu, der nicht wenig an die späteren Projekte von ASHLEY HUTCHINGS (ALBION BAND) oder an die Franzosen von MALICORNE und SOURDELINE denken lässt. Der emotional sehr dichte und überzeugende Songkomplex „Song For Erik/The Dream“, gesungen von NICHOLAS TESLUK, berührt dagegen in einem Intermezzo weicher Halluzinationen eher schon verträumte Acid-Folk Gefilde, während das beherzte „Santy Ano“ mit ein wenig Früh-60er RICHARD FARIÑA-Verwegenheit an der sonnigen Westküste entlangschrammelt.
Doch WERKRAUM beweisen vor allem dann am meisten Essenz und Strahlkraft, wenn sie in aller Ruhe und mit schönem Ernst dem mittelhochdeutschen Tagelied „Slâfest du, vriedel ziere?“ neues Leben einhauchen. Gleiches gilt für das Arrangement des französischen Renaissancestücks „Une Jeune Fillette“ – in diesen Momenten spürt man, dass das Projekt „Early Love Music“ dort angekommen ist, wo es hin wollte und dann, in einem kurzen Aufglühen kosmischer Heimat gibt sie sich zu erkennen, die Einzige, die Große, die Unaufhörliche: die Liebe. Die, welcher jedes einzelne Lied hier gewidmet ist, ganz gleich ob Volksweise, Gedicht oder Text eines befreundeten Musikers. Immer wieder dringt sie hindurch und überstrahlt alles, sie, die uns verbindet und trennt, die uns heilt und verletzt.            
Es ist dies scheinbar eine Eigenart des harmonischen, familiären Dahinter, das auf die Musik überspringt, wodurch die WERKRAUM-Familie auch ein wenig dem kleinen Kreis von Musikern ähnelt, der sich in den letzten Jahren um den talentierten kalifornischen Songwriter NICK CASTRO geschart hat. Doch der Kollektiv-Input auf „Early Love Music“ ist zum Teil auch recht problematisch. Die Gastmusiker von CHANGES, LADY MORPHIA und STURMPERCHT, obwohl längst integrierte Bandmitglieder, verwässern auch ein wenig die Identität von WERKRAUM, die doch eigentlich am ehesten von AXEL FRANK und Sängerin ANTJE HOPPENRATH getragen werden müsste, weil jeder Einzelne ganz automatisch zu viel von sich selbst einbringt. Eine solche Konstellation kann sich freilich auch zum Guten wenden, aber wenn bereits auf den ersten vier Stücken vier verschiedene Leadsänger zu vernehmen sind, dann ist leider viel von dem erstrebten „Album-Feeling“ vertan und die Reihung der Stücke wirkt beliebig und durcheinander wie auf einem mittelmäßigen Sampler, obwohl die Lieder für sich selbst jederzeit überzeugen würden. Das ist in erster Linie natürlich eher schade als tragisch, aber für eine kommende WERKRAUM-Veröffentlichung wünscht man sich, wenn denn überhaupt etwas zu wünschen übrigbleibt, doch mehr Kohärenz und Understatement, auch was die Länge mancher einzelner Titel oder des Albums insgesamt angeht.    
Im Panorama: Die sukzessive Abkehr vom steifen Militaria-Neofolk gleicht im Großen und Ganzen einer neuen Ursprungssuche, einem Graben nach tieferen Wurzeln, angefangen bei DONOVAN und STEELEYE SPAN, JOHN RENBOURN und OUGENWEIDE und nach hinten hinaus ist alles offen. Lässt man dazu für einen Moment die Liebe doch aus dem Spiel, erhält man im Titel einfach nur „Early Music“, ein gängiger englischer Begriff für alle Musik vom Mittelalter bis zum Barock. Das ist, nebenbei bemerkt, ein notwendig deutscher Ansatz, bei der Traditionshuldigung etwa im Hochmittelalter und also noch weit vor der Aufklärung einzusteigen. Britische Folklore und Überlieferung dagegen „funktioniert“ nach ganz anderen, vielleicht wesentlich günstigeren Gegebenheiten, weswegen in Deutschland nie ein großes „Folk-Revival“ stattgefunden hat. Mit dem neuen WERKRAUM-Album wird sich das nun auch sicher nicht von heute auf morgen ändern, aber man muss AXEL FRANK und seinen Mitstreitern durchaus anrechnen, zu einer Musik und einer Substanz gefunden zu haben, die im Augenblick im deutschsprachigen Raum alles andere als prominent ist. Es ist nicht auszuschließen, dass schon bald die ersten Nachzügler den hier ausgelegten Spuren folgen könnten und dass sich dann in der Tat grazwurzelartig eine Nische für neuen deutschen Folk-Rock – unabhängig von den Liedermacher-Klischees einerseits und den „Neofolk“-Verwicklungen andererseits – etablieren könnte. Für den Moment sollte man in „Early Love Music“ jedoch erst einmal nicht mehr sehen als es ist, nämlich ein sehr schön arrangiertes und mit viel Herz und Seele aufgenommenes Folk-Album.

Roy L.


 
Tony F. für nonpop.de


Verweise zum Artikel:
» Werkraum-Netzseite
» Werkraum-Myspace-Seite

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