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Michael We.

DEATH IN JUNE: The Rule Of Thirds

Drei Redakteure, drei Meinungen


DEATH IN JUNE: The Rule Of Thirds
Genre: Neofolk
Verlag: NER
Vertrieb: Soleilmoon
Erscheinungsdatum:
17. März 2008
Medium: CD
Preis: ~17,00 €
Kaufen bei: Tesco


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Fast ins Herz

In einer Mischung aus Skepsis und Desinteresse sah ich dem neuen Werk von DEATH IN JUNE entgegen. Nach dem mich stark enttäuschenden "All Pigs Must Die" und den allenfalls mittelmäßigen "Alarm Agents" erwartete ich wenig bis gar nichts. Hin und wieder hatte ich darüber nachgedacht, was DOUGLAS P. wohl diesmal machen würde, ob er es noch einmal schaffen könnte, mich zu berühren, zu erschüttern, so wie es ihm bis "Rose Clouds Of Holocaust" immer gelungen war. In der Tat bin ich in diesem Punkt anspruchsvoll und anspruchslos zugleich: oft genügt mir ein einziger Song einer LP, der dann alles entzündet. Doch der muß mich ergreifen, durchschütteln, zum Schweigen bringen. Zwar kann so eine einzelne gute Melodie noch keinen Klassiker, noch kein 'all time favourite' Album machen, doch immerhin eine bleibende Erinnerung hinterlassen.
Im Jahr 2008 heißt das neue DEATH IN JUNE Werk "The Rule Of Thirds", und ich will es kurz machen: Es gibt diesen einzigen Song, der mich ins Mark trifft und mir den Schauder über die Haut treibt. Und wenn ich ehrlich bin sogar noch zwei weitere, denen es fast gelingt, was die Ausbeute für mich alten, anspruchsvollen Sack doch ganz beachtlich aussehen läßt.
"Good Mourning Sun" ist eines der beiden 'fast-ins-Herz' gehenden Lieder, eine feine Melodie, simpel und nicht unbedingt originell, aber ehrlich, gut gesungen und ohne Umwege ein typischer DEATH IN JUNE-Ohrwurm. Er ist nach vier Stücken die eigentliche Ouvertüre zum Höhepunkt des Albums; "The Perfume Of Traitors", welches mich andächtig schweigen und schwelgen läßt. Ein Lied, das mich die Wiederholungstaste immer wieder drücken läßt. Und wer mich kennt, weiß, was das bedeutet. Fast schon steht es gleichberechtigt neben "Fall Apart", "Giddy Giddy Carousel" oder "Leperlord". Aber diesmal hat DOUGLAS mehr als nur zwei Minuten spendiert. Und etwas mehr als nur Gitarre und Gesang im Gepäck. Wenn auch die Sprachfetzen mich nachhaltig verwirren: die vielbesungene Ambivalenz ist wieder da. Und alle tausend Epigonen sind mit einem Mal entlarvt, entzaubert, verwirrt und dezimiert auf die Plätze verwiesen. Mehr brauche ich nicht, aber – keine Frage – anderen wird es anders gehen.
Zum Ausklang gibt es dann noch "Takeyya", für mich eines der beiden 'fast-Lieder', aber ich bin längst befreit und befriedet. DEATH IN JUNE und ich sind wieder im Reinen, ich kann meiner frühen Leidenschaft wieder ins Gesicht schauen und mich vor dieser verneigen.
Bleibt zum Schluß, ein kurzes Gesamtresümee zu ziehen: "The Rule Of Thirds" ist ein klassisches, recht minimalistisches DEATH IN JUNE-Album im Stile von "Something Is Coming". Es ist die Essenz des Projektes: Viel mehr als Gitarre, Samples und hin und wieder ein wenig Experiment sind nicht zu hören. Dafür singt DOUGLAS P. so schön und gut, wie schon seit "Rose Clouds" nicht mehr und hat wieder ein paar wirklich beeindruckende Lieder geschrieben. Verglichen mit seinen alten Kameraden CURRENT 93 und SOL INVICTUS, deren letzte Alben "Black Ships Ate  The Sky" und "Into The Woods" bei mir jetzt schon im Schrank verstauben, ist "The Rule Of Thirds" ein Album, welches ich sicherlich auch noch in einiger Zeit wieder hervorkramen werde und sei es nur wegen dem "Parfüm der Verräter"... Daß es an "The World That Summer", "Brown Book", "The Wall Of Sacrifice" oder "Rose Clouds Of Holocaust" nicht heranreicht, wird niemanden wundern, es wird aber auch niemand erwartet haben. Oder doch?


 
Michael We. für nonpop.de


Verweise zum Artikel:
» DEATH IN JUNE offiziell
» DIJ-Newsgroup @ Yahoo
» DIJ @ Wikipedia (eng.)

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Kommentare
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Die WS-Familie historisch betrachtet
Hubert (16-03-2008, 17:04)
Wie immer eine grossartige Kritik von Martin L.! Für mich selbst sind mittlerweile sogar die alten DIJ-Alben obsolet geworden. Ich kann heute nicht mehr nachvollziehen, was ich an diesem dumpfem Geschrammel faszinierend fand. Current 93 und Sixth Comm haben m. E. die Zeit überstanden, DIJ nicht. Sie erfüllten vor und nach der Wende in die Neunziger den Zeitgeist, ohne musikalisch genug Stoff zu bieten, der die Szeneaktualität überleben würde. Eigentlich wurde C. 93 erst richtig gut, als die dumpfe Schrammelgitarre von Douglas durch die herrliche gezupfte Folkgitarre von Michael ersetzt wurde. Und der echte Juner ist für mich im Grunde Patrick Leagas. Seinen sehnsüchtigen, nihilistischen Ritual-Wave höre ich mir auch heute noch gerne an. Und war es nicht Patrick, der das Thema Militär als erster aufgriff? Wer weiss, vielleicht ändere ich eines Tages noch meine Meinung. Ich glaube aber nicht.
...
(13-03-2008, 13:23)
Martin L, herzlichen Glückwunsch nachträglich - deine Kritik hat mir am meisten gegeben, auch oder weil mit DI6 nicht (mehr) die Bohne interessieren. Das mit den Cover-Abbildungen wäre noch Stoff für längere Diskussionen - ich finde ja, die haben was ...

Zusammenfassung
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Inhalt
01 The Glass Coffin (5:55)
02 Forever Loves Decay (4:04)
03 Jesus, Junk And The Jurisdiction (4:09)
04 Idolatry (3:35)
05 Good Mourning Sun (3:58)
06 The Perfume Of Traitors (3:45)
07 Last Europa Kiss (2:09)
08 The Rule Of Thirds (4:13)
09 Truly Be (2:45)
10 Their Deception (3:08)
11 My Rhine Atrocity (3:35)
12 Takeyya (3:32)
13 Let Go (4:10)
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