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YANNICK FRANK: Hierophany


YANNICK FRANK: Hierophany
Genre: Elektroakustik
Verlag: Monochrome...
Medium: CD
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Bekannt für seine ortsspezifischen Klanginstallationen war YANNICK FRANCK nun in Russland, unternahm eine Reise durch die dort noch oder wieder vorherrschende orthodoxe Kultur und fand reichlich Material, das er zu etwas formte, das uns, wenn wir nur genau hinsehen und hören, tiefe Einblicke in diese erlaubt. Mit seiner auf dem russischen Label MONOCHROME VISION im Februar dieses Jahres erschienenen Veröffentlichung „Hierophany" gibt FRANCK dann das dort Erlebte, und zwar aus seiner persönlichen Sicht, die sich aus Eindrücken und Erfahrungen zusammensetzt, ausgesprochen intensiv wieder. Es sind vor allem Feldaufnahmen und Drones, die uns hier ein Bild nachzeichnen, welches sich vor FRANCKs Augen aufbaute. Drei Titel, drei Säulen vielleicht, die ein Gebäude standfest machen, umfasst das Ganze.

Der erste Titel „Mausoleum“ beginnt mit einem Brummen, vielleicht so etwas wie eine Betonmischmaschine, die auf einem Friedhof steht. Am Friedhof führt eine Straße vorbei, auf der sich Autos und dergleichen bewegen. Man kann sie hören. So wie die Stimmen der Arbeiter, die dieses Gebäude errichten. Es wird dann etwas abgeladen, vielleicht metallische Stützpfeiler, die einbetoniert und verschalt werden sollen. Währenddessen verschmelzen die Hintergrundgeräusche zu einem anhaltenden Ton. Es fließt alles zusammen, bekommt eine genau bemessene Tiefe. „The Dive“, Titel zwei, fließt ebenfalls, und zwar aus dem ersten, taucht bruchlos auf, macht da weiter, wo der erste aufgehört und irgendwie doch nicht aufgehört hat. Hilfsmittel, Effekte, verwaschen die Geräusche. Sie werden vermengt und bilden einen erneut stehenden Akkord, der von allerlei anderem durchsetzt wird. Die Straßengeräusche sind längst schon ein Summen. Dann Stimmen, ein anschwellender Ton, der stehenbleibt, eine geschlossene Oberfläche, wie vielleicht die eines Wassers. Summen, Brummen, sich aufbauende Töne, Stimmengewirr. Dann tauchen sie wieder ab. „Dying down“ ... Nun ja, man liegt am Ende doch immer unten. Und währenddessen läuten die Glocken. Sie spielen ein Lied, eines zum Abschied ... Insgesamt ein doch ziemlich bedrückendes Szenario. Aber auch eines, in das man sich selbst fallenlassen kann und sich dabei sogar auch noch wohlfühlt. Wir fürchten uns und fühlen uns, und das meine ich in jeder Bedeutung des Worts, aufgehoben.

Orthodoxie heißt in Russland die Nähe zum Mythos eines in Glaubensfragen dritten Roms. Ihre Werte bilden die gesellschaftlich tragenden Säulen des gesamten Reiches bzw. Staates. Sie war es, ist es noch oder wieder, die die Stützpfeiler des Mausoleums, in dem das Vergangene konserviert für alle Zeiten erhalten bleibt, bildet ... Hören und sehen wir genau hin, überfällt uns dabei vielleicht eine 'Hierophanie', eine außerkörperliche Erfahrung, das Aufscheinen des Heiligen, und zwar im Profanen. Vielleicht steigt da etwas aus der Musik auf, aus der des YANNICK FRANCK, die sich eben nicht an orthodoxe Regeln hält.


 
awk für nonpop.de


Verweise zum Artikel:
» YANNICK FRANCK auf Bandcamp
» Label-Homepage


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Zusammenfassung
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Inhalt
1 Mausoleum 11:31
2 The Dive 11:34
3 Dying Down 13:19
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