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Michael We.

TERVAHÄÄT: Noitanaama

Neofolk (fast) ohne Folk


TERVAHÄÄT:  Noitanaama
Genre: Ritual
Verlag: Anima Arctica
Erscheinungsdatum:
Dezember 2017
Medium: CD
Preis: ~13,00 €
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Das sehr zu empfehlende finnische Duo TERVAHÄÄT haben wir hier mit seinen Veröffentlichungen immer wieder vorgestellt. Der einmal getroffene Blockhütten-Vergleich lässt mich dabei nicht mehr los, auch unterstützt durch die Optik der CDs. KAARNA (selbst auch Betreiber des veröffentlichenden Labels ANIMA ARCTICA) und RIIMU draußen in der Natur, alles dunkel bis schwarz, mit Fackeln und Knochen in der Hand irgendwo im finnischen Wald. Die Musik (bislang) eine Mischung aus rituellem, urigem Folk und Dark Ambient-Elementen. In gutturaler, finnischer Sprache geht es um (Zitat Band) "finnisches Nationalwissen", um Spirituelles und - natürlich - die mystische finnische Natur. Viele weitere Infos finden sich in den vorangegangenen Besprechungen, die unter diesem Artikel verlinkt sind.
Das gerade erschienene, aktuelle Album "Noitanaama" ist zweifach bemerkenswert: Zum einen ist die Bandbreite, die TERVAHÄÄT abdecken, enorm groß. Jedes Stück, jede Gesangsstrecke klingt anders als die vorige. Zum zweiten fehlen folkige Elemente fast völlig.

"Valoontuoja" (01) als Opener bleibt mit dunklen E-Gitarren-Drones und leisen Trommeln rein instrumental, entfaltet durch Wiederholungen eine sehr hypnotische Sogwirkung. Eines der stärksten Lieder des Albums ist "Naulansyöjät" (02): Zu einer twangenden, sehr einfachen Bassmelodie und etwas zerrender Gitarre schreit die sich überschlagende Stimme ihre Verzweiflung, ihre Einsamkeit und (unterdrückte) Wut hinaus. Mit der scheppernden Percussion, die später einsetzt, ergibt sich ein Vergleich, der mir schon von Beginn an auf der Zunge lag: Weite Strecken dieser CD erinnern mich an die schrägen, schiefen und schleifenden Werke von TOM WAITS, allerdings eine ganze Spur wütender und einsamer. In "Ystävä" (03) läuten gezupfte Gitarrensaiten, eine hohle, mönchische Singstimme klagt und rezitiert dramatisch. Auch im Titeltrack "Noitanaama" (04) sorgt das blecherne, händische Schlagwerk für den genannten Bezug, schöne Glöckchen und ein entfernter Cold Wave-Bass (was für eine Kombi!) untermalen finnisches, wölfisches Knurren.
Auch die Lieder der zweiten Albumhälfte bieten ganz unterschiedliche Stimmungen und Dramaturgien: Antreibende Rufe und ätherischer Gesang auf Gitarrenwand ("Verenryyppääjä", 05),  sich wiederholende Schleifen auf kleinen Gitarrenmelodien, ein leierndes Taumeln ("Nielusokkelo", 06) oder synthetisches Dröhnen mit finnischer Rezitation und hier einem kurzen Abschnitt folkiger Gitarre ("Joutomaa", 07). Der letzte Song ("Valoonviejä", 08) nimmt den Opener wieder auf, etwas kräftiger und mit rufenden Vocals allerdings, sehr hallend und verloren.

Das bislang wuchtigste und präsenteste Album von TERVAHÄÄT, für mich auch das spannendste. Neofolk-Atmosphäre (fast) ohne Folk, noch etwas düsterer und unversöhnlicher als vorangegangene Werke. Musik, die sich trotz teilweiser Eingängigkeit und starker Rhythmik von allen gängigen Genres abhebt. Ein Knurren gegen den Mainstream.

Das offizielle zweite Album von TERVAHÄÄT auf BANDCAMP:



 
Michael We. für nonpop.de


Verweise zum Artikel:
» Labelseite

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Zusammenfassung
Das bislang wuchtigste und präsenteste Album. Neofolk-Atmosphäre (fast) ohne Folk, noch etwas düsterer und unversöhnlicher als vorangegangene Werke. Ein Knurren gegen den Mainstream.

Inhalt
01. Valoontuoja
02. Naulansyöjät
03. Ystävä
04. Noitanaama
05. Verenryyppääjä
06. Nielusokkelo
07. Joutomaa
08. Valoonviejä

~ 41 min.
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