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Michael We.

STROPS: Slepenie Rotallaukumi

Feines Rundum-Industrial-Paket aus Lettland


STROPS: Slepenie Rotallaukumi
Genre: Industrial
Verlag: Old Captain


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Das Ein- bis Zwei-Mann-Projekt STROPS aus Lettland hat leider nur vier Jahre überlebt, von 2004 bis 2008. Die Industrial-Gruppe um STROPU JURKA veröffentlichte in dieser Zeit einige Alben, von denen NONPOP-Stammgast OLEGH KOLYADA nun das erste – längst vergriffene – auf seinem Label OLD CAPTAIN erneut veröffentlicht. Eine gute Sache, denn wie "Slepenie Rotallaukumi" eindrucksvoll beweist, sind STROPS im Westen zu Unrecht kaum bekannt gewesen. Selten ist Verzweiflung so vielfältig musikalisch bearbeitet worden.

Eine sehr ruhige, sehr traurige (wohl lettische) Sprechstimme verkörpert in "Melnzeme" (01) die Hoffnungslosigkeit, die nahezu das ganze Album bestimmt. Eine leise Melodie aus Orgelklängen spielt im Hintergrund, immer wieder gestört von – gegen Ende massiven – noisigen Sperrfeuern, die vor der beschriebenen Kulisse besonders brutal werden, weil sie die friedlich-traurige Atmosphäre restlos zerstören. Auch in "Rotallaukums" (03) ist die Kombination aus Melodie und Noise das Mittel der Wahl: Rhythmus und Grundzüge einer Melodie inklusive synthetischem Piano stehen gegen ein permanent vorhandenes, unterschwelliges Zerren. Auch der leicht scheppernde, peitschende Beat sorgt für Unruhe. Da ist sie wieder, die verloren wirkende Sprechstimme ("sLaVe", 04), von Beginn an unterbrochen durch Geräusche. Dieses Stück nun ist deutlich brutaler, mit geschrieenen und verzerrten Vocals, aber auch hier bleibt ein Rhythmus bestehen, so dass der Track – wie alle anderen auch – nie komplett in puren Krach abkippt.
Spätestens nach "Novirze" (05), einer gestörten Funkübertragung mit Dancefloor-Vocals ohne Beat, steht fest: STROPS sind ungeheuer abwechslungsreich, ohne auch nur eine Sekunde lang beliebig zu wirken. Die Mischung aus Noise, Industrial, Ambient und Dark Ambient erinnert mich manchmal an Produkte aus dem Hause GALKAKTHORRÖ, dazu kommen teilweise fast technoide Club-Anleihen wie in "Varda Teritorija [verb.]" (08).
Beeindruckend, wie STROPS zum Beispiel in "Ka Rudijas Berniba" (09) aus ein paar Brummtönen und einer leicht irr klingenden Melodie einen melancholischen, rhythmischen und apokalyptischen Song basteln. Oder in "Tetan" (10) industrielle Beats in EBM-Geschwindigkeit hinlegen, dass man kaum hinterher kommt. Dagegen stehen erhabene, wunderschöne Stücke wie "Nekusties!" (14), deren spontane, krachende Geräuschgewitter in den Ohren schmerzen.

Verstörende, verlorene, aber nie derbe Musik rund um alle dem Industrial verwandten Genres. Eine gelungene und wichtige Wiederveröffentlichung.

 
Michael We. für nonpop.de


Verweise zum Artikel:
» Hörbeispiel 1
» Hörbeispiel 2
» OLD CAPTAIN @ discogs
» Homepage von OLEGH


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