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Michael We.

Quintessenz: LEOPARD FLOWERS

Fünf Fragen an...


Quintessenz: LEOPARD FLOWERS
Kategorie: Spezial
Wörter: 1117
Erstellt: 14.03.2016
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Mensch und Musik passen gut zusammen. So wohltuend ruhig und unaufgeregt die Musik von HOLGER GRAMLICH alias LEOPARD FLOWERS klingt, so gibt sich auch der Mensch dahinter. Den wunderbaren Ambient aus dem Odenwald auf Basis einer Akustikgitarre haben wir auf NONPOP schon zwei Mal vorgestellt, zuletzt aus Anlass der winterlichen Vinylsingle "Isa" (Besprechung). Zeit also für ein paar Fragen rund um das Ein-Mann-Projekt ...

Hallo HOLGER! Warum benennst Du Dich nach einem DEATH IN JUNE-Song? Hattest Du denn bei der Wahl Deines Projektnamens keine Bedenken, dass das auch negative Assoziationen Richtung Heldenverehrung auslösen kann?

Ich habe keine Bedenken, weil ein kurzer Blick in die Kiste ausreicht, um zu erkennen, dass LEOPARD FLOWERS weit von Heldenverehrung entfernt ist. Es war nie meine Absicht, mich nach einem DEATH IN JUNE-Song zu benennen. Gleichwohl hat mich dieses – wahrhaftig sehr schöne – Stück bei meiner Namenswahl beeinflusst. Dies allerdings absolut spontan, denn der Gedanke kam mir erst kurz vor Beendigung der Aufnahmen für "Autumn Glades Of Everlasting Peace" (Anm. d. Red.: dem ersten Album von LEOPARD FLOWERS, Besprechung) in den Sinn. Ich hatte zum damaligen Zeitpunkt bereits vier Jahre an dem Album gearbeitet und somit viel Zeit, mir einen Namen für mein Projekt zu überlegen. Ich hatte zwar viele Ideen, aber nie das Gefühl, mit einer davon grenzenlos ausgefüllt zu sein. In dem Moment wusste ich einfach mit LEOPARD FLOWERS den passenden Namen gefunden zu haben und für immer und ewig glücklich mit ihm zu sein. Auf welche Weise ich ihn interpretiere und auf mich selbst übertrage, möchte ich gar nicht näher erklären. Mit ein bisschen Fantasie kann man sich vielleicht ganz gut zusammenreimen, was für ein Mensch sich dahinter verbergen könnte.

Sehr gefreut hat Dich, wie Du sagtest, der Vergleich Deiner Musik mit dem finnischen Projekt NEST von ASLAK TOLONEN und seiner Kantele. Warum? Welche Parallelen gibt es?

Ich finde es wirklich sehr schön, dass sich die Liebe zu NEST in meiner Musik zu erkennen gibt, trotz Verwendung einer Akustikgitarre anstatt der Kantele. Als ich damals deine Zeilen zu "Autumn Glades…" lesen durfte, konnte ich es zuerst kaum glauben. Ein viel schöneres Kompliment kann man mir fast nicht machen. Vergleiche zu ASLAK TOLONEN ehren mich sehr, wohlwissend, dass seine musikalischen Fähigkeiten meilenweit über meinen eigenen liegen. Darüber hinaus malt er wunderschöne Bilder, die sich im Artwork seiner Veröffentlichungen wiederfinden, und baut seine Instrumente, die Kantelen, sogar selbst. Ich versuche erst gar nicht mitzuhalten.
NEST ist mir während einer ziemlich anstrengenden Leidenszeit, die kurz vor Weihnachten 2008 ihren Anfang nahm, noch wichtiger geworden. Ich hatte fast ein halbes Jahr mit den Folgen eines Hörsturzes (Tinnitus) zu kämpfen, insbesondere in ruhigen Situationen und vor allem nachts, wenn man eigentlich schlafen sollte. Da die Einnahme von Schlafmitteln über einen längeren Zeitraum nicht die allerschlaueste Lösung ist, musste eine Alternative gefunden werden, um in den Schlaf zu finden. Insbesondere "Trail Of The Unwary" (das zweite NEST-Album) hat mir monatelang dabei geholfen. Es dürfte kein weiteres Album in meinem Leben geben, welches ich so oft gehört beziehungsweise verschlafen habe. Mir ist erst Jahre später bewusst geworden, wie nachhaltig mich diese Zeit wohl auch im Hinblick auf das eigene Musizieren geprägt hat.

Bei Deiner Musik muss ich an Wälder, an Einsamkeit und Winter denken – ähnlich wie bei NEST. Spielt Deine Heimat, der Odenwald, dabei irgendeine Rolle, oder denkst Du beim Musikmachen an was ganz anderes?

Gewissermaßen habe ich meiner Heimat sogar das Label KRISTALLWALD gewidmet, unter dem ich meine Sachen veröffentliche. Allerdings war es weniger die Landschaft des kristallinen Odenwaldes – die tatsächlich so heißt –, sondern vielmehr ein Spaziergang durch den "Weg der Kristalle" auf unserem höchsten Berg, dem Katzenbuckel, der KRISTALLWALD hat entstehen lassen.
An was genau ich beim Musikmachen denke, kann ich oft gar nicht sagen. Manches beeinflusst mich vielleicht auch unbewusst. Das von dir Genannte gehört aber sicherlich dazu. Weitere Inspirationsquellen sind die nordische Mythologie und der Übergang von der irdischen Welt ins Jenseits. Vor allem während den Aufnahmen zu "Autumn Glades…" habe ich mich phasenweise intensiv mit dem Tod befasst. "(Silence) For Evermore" ist im März 2011 entstanden, als ein Freund viel zu jung an Krebs gestorben ist. Ich glaube, dass diese Erfahrung auch Einfluss auf die Covergestaltung mit dem Grabstein genommen hat. Die Runen auf der Innenseite der "Autumn Glades…" stehen übrigens für 'Leben'. "Isa" ist winterlicher und eisiger, enthält aber mit "Valkyrja" in Verbindung mit dem Spruch auf der Innenseite eine Art Geleitschutz. "Everwood" vereint 'ewige' Wälder, Einsamkeit und Winter mit einem Tribut an die gleichnamige Fernsehserie.

Denkst Du grundsätzlich auch über Dein Einsatz von Vocals nach? Es muss ja kein Gesang sein. Oder wird Deine Musik rein instrumental bleiben?

Ich habe schon immer eine Schwäche für Instrumentalmusik aus düsteren und sphärischen Gefilden. Von daher werde ich aus heutiger Sicht meiner Linie im Wesentlichen treu bleiben. Ich fange lieber nicht mit dem Singen an, denn wenn man etwas partout nicht kann, ist es besser, man lässt es sein. Zudem würde richtiger Gesang für meinen Geschmack nicht zur Musik passen. Ich hatte bisher auch nicht das Bedürfnis, Vocals im Sinne von gesprochenen Wörtern zu verwenden, möchte aber nicht ausschließen, dass in Zukunft vielleicht doch mal welche zu hören sind. Wenn, dann aber tendenziell auf eher bescheidene Weise.

Du bist ein Ein-Mann-Projekt und machst alles selbst. Deshalb ist die Spanne zwischen einzelnen Veröffentlichungen vermutlich groß. Wie sieht die Zukunft nach Deiner jüngsten Single "Isa" aus?

Ich gehe einfach mal davon aus, dass es einen Nachfolger geben wird, aber bis dahin werden sicher wieder ein paar Tage vergehen, je nach Zeit und Muße. Ich würde mich nicht als Vollblutmusiker bezeichnen, kann nicht einmal Noten lesen, bin zumeist nur phasenweise kreativ und nehme oft wochenlang keine Instrumente in die Hand. Aber wenn, dann kann es auch mal sehr schnell gehen. Ich werde allerdings nichts erzwingen, denn darunter würde die Freude am Musikmachen leiden. Es ist mir auch nicht wichtig, möglichst viele Sachen zu veröffentlichen. Vielmehr bin ich froh, überhaupt einen Teil meiner Ideen realisieren zu können.
Ich habe mit sehr viel Hingabe an "Isa" gearbeitet und bin jetzt erstmal glücklich, dass sie erschienen ist. Ohne PAULINA und CHRISTINA wäre sie aber niemals so einzigartig geworden. PAULINAs Gemälde für das Cover und die Postkarten haben "Isa" ein noch viel schöneres Gesicht gegeben, als ich mir vorstellen konnte. Und ohne CHRISTINA wäre das Layout heute noch nicht fertig, denn so viel Perfektionismus kann nur die eigene Freundin aushalten.

HOLGER, danke für die Antworten und bis zur nächsten Veröffentlichung!

Herzlichen Dank, dass ich mich vorstellen durfte.

 
Michael We. für nonpop.de


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