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Michael We.

Quintessenz: APOPTOSE

Fünf Fragen an ...


Quintessenz: APOPTOSE
Kategorie: Spezial
Wörter: 940
Erstellt: 06.05.2014
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Schattengestalten haben schon häufiger eine Hauptrolle auf APOPTOSE-Alben gespielt, wortwörtlich zum Beispiel auf "Schattenmädchen" (Besprechung). Aber auch auf "Bannwald" (Besprechung) sind es drei Waisenschwestern, die im titelgebenden Wald verschwinden. Zu diesem Album haben wir mit RÜDIGER vor vier Jahren ein ausführliches Interview geführt. Nun ist "Ana Liil" (Besprechung) erschienen. Wieder eine geheimnisvolle Hauptfigur, musikalisch allerdings ganz anders beleuchtet als auf vorangegangenen Alben. Die erste unserer fünf "Quintessenz"-Fragen jedenfalls stellt sich ganz von alleine ...

Hallo RÜDIGER. Wer ist ANA LIIL?

Diese Frage ist nicht so leicht zu beantworten, denn ich habe keine 'Personenbeschreibung' von ihr. ANA LIIL ist irgendwann aufgetaucht, als das Album im Großen und Ganzen bereits stand. Zuerst nur schemenhaft, doch dann immer deutlicher. Aber ich weiß bis heute nicht, wo sie herkam. Das war ein wenig so wie in der Kindheit, wenn eine neue Familie ins Nachbarhaus gezogen ist. Man sah die Leute von Weitem, wusste aber weder den Namen noch sonst irgendetwas über sie. Das war natürlich super spannend. Als Kind stellte man sich dann alles Mögliche vor, erfand detaillierte Geschichten über die neuen Nachbarn. Wenn man sie dann kennengelernt hatte, blieb davon meist nicht viel übrig. Bei ANA LIIL wird das nicht passieren. Alle Geschichten über sie bleiben wahr.

Wir verfolgen Dich und Deine Musik schon seit einiger Zeit und fast scheint es mir, als ob es zwischen Dir und ANA gewisse Ähnlichkeiten gibt. Hast Du Eigenschaften von Dir auf sie übertragen?

Wenn, dann ist das nicht bewusst geschehen. Viele Stücke des Albums haben sehr schnell Gestalt angenommen. Mit der Zeit fügten sich die einzelnen Songs zu einem Gesamtbild, das ich vorher nicht gesehen hatte. ANA gibt den Gedanken in dem Album ein Gesicht, wie auch immer man sich das vorstellen möchte. Vielleicht ist sie eine Art Schwester, die die Situationen durchlebt, die in den Liedern angesprochen werden. Vielleicht verkörpert sie auf diese Weise einen Teil meiner Persönlichkeit.

Einige musikalische Elemente, die Dir früher sehr wichtig waren, sind verschwunden – allen voran natürlich die Trommeln der ersten Alben, die zum Beispiel auch bei "Warrior Creed" noch eine Rolle gespielt haben. Stammen sie aus einer Zeit, die für Dich nicht mehr so wichtig ist?

Die strikten Marschtrommeln gibt es hier nicht, da hast Du Recht. Das war nicht beabsichtigt, es hat sich einfach so ergeben. Sie hätten zu der Themenwelt von "Ana Liil" nicht gepasst. Darüber hinaus fand ich es spannend, den Rhythmus komplett anders aufzubauen und einzuspielen.
Die Zeit und die Stücke, in denen ich solche Trommeln verwendet habe, sind für mich jedoch nach wie vor wichtig. Sie bilden den Grundstein für alles auf "Ana Liil" und für meine zukünftige Musik. Auch wenn APOPTOSE-Alben von außen betrachtet stilistisch oft Sprünge darstellen, sehe ich persönlich sie als stetige Weiterentwicklung. Welche Art Trommel oder welche Sounds und Samples verwendet werden, kommt immer auf den Kontext an.

Insgesamt klingt Dein aktuelles Album sehr anders als alle Vorgänger. Elektronisch und mit Gesang. Auch die Labelinfo stellt diese Tatsache sehr deutlich heraus. Geht Dein Projekt in eine neue Richtung, die stetige Weiterentwicklung, oder gehört das einfach zur großen Bandbreite Deines Schaffens, und Du klingst demnächst wieder völlig anders?

Für mich gehört das zur Bandbreite. Stimmung und Sounds sind nach wie vor sehr verwandt mit den Vorgängern. Die Thematik des Albums unterscheidet sich jedoch von den bisherigen Alben, daher kommen neue Stilmittel und Ausdrucksformen zum Einsatz. Zudem bin ich an "Ana Liil" von Beginn an anders herangegangen: "Nordland", "Blutopfer" und "Bannwald" trug ich als Konzepte jahrelang mit mir herum, bevor ich den ersten Ton aufgenommen hatte. Dementsprechend folgte ich einem roten Faden und entwickelte daraus die Stücke für das jeweilige Album. Nach "Bannwald" hatte ich keinen Plan in der Schublade, was als nächstes folgen sollte. Es dauerte mehrere Jahre, bis ich begann, mit neuen Ideen an ersten Stücken zu arbeiten. Ich probierte einfach Sachen aus, die zu den neuen Themen passten. Das klang etwas anders als vorher und war anfangs für mich selbst ungewohnt, aber ich wurde neugierig, wo das hinführt. Was nach "Ana Liil" folgt, weiß ich heute noch nicht. Dafür ist es einfach noch zu früh.

Wenn wir alleine auf die letzten sieben Jahre schauen, hast Du mit "Schattenmädchen", "Warrior Creed", "Bannwald" und nun "Ana Liil" vier ganz unterschiedliche Werke veröffentlicht. Was, glaubst Du, ist der Kern von APOPTOSE, macht Deine Arbeit wiedererkennbar?

Wenn ich das wüsste, könnte ich wahrscheinlich ab sofort die Instrumente einmotten und mich der Schriftstellerei widmen. Ich bin wohl nach wie vor auf der Suche nach diesem Kern. Auf jedem Album entdecke ich neue Details, die wieder zu weiteren Fragen führen und neue Ansichten gewähren.
Was das Wiedererkennen angeht, sind die Hörer von APOPTOSE wahrscheinlich qualifizierter als ich, diese Frage zu beantworten. Ich denke, Melodien und Stimmung meiner Musik sind immer APOPTOSE-typisch. Dazu kommt meine Experimentierfreude, die diese gewisse Unberechenbarkeit mit sich bringt und damit Spannung erzeugt. Ich persönlich schätze Bands, die sich entwickeln und ihre musikalischen Mittel verändern – siehe PORTISHEAD, GUSGUS, LAIBACH, MúM oder MASSIVE ATTACK, um nur ein paar Beispiele zu nennen, die alle schon sehr lange dabei sind. Man spürt, dass diese Bands am Ball bleiben und nicht zu den eigenen Nachlassverwaltern werden.

RÜDIGER, danke für die Antworten und viel Erfolg mit "Ana Liil"!


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Michael We. für nonpop.de


Verweise zum Artikel:
» APOPTOSE
» APOPTOSE @ Facebook
» TESCO (APOPTOSE-Label)
» APOPTOSE @ Discogs

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