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Laibach am 24.04.04 in Frankfurt/M., Batschkapp
Kategorie: Spezial
Wörter: 685


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Autor: Joachim Paul

Laibach live im Rahmen der WAT-Tour in Frankfurt am Main. 24.04.2004 Batschkapp.
Im Zuge ihrer ausgedehnten Europatour kamen LAIBACH neben Wuppertal und Berlin auch in die - wenn auch technolastige - Metropole der elektronischen Musik, Frankfurt. LAIBACH habe ich die Jahre zuvor schon zweimal gesehen (1992 am selben Ort zu Zeiten des Albums Kapital und 1994 in Köln im Rahmen der Nato-Tour). Auch wenn diese Konzerte schon über 10 lange Jahre zurückliegen, wird der eine oder andere Laibachliebhaber mir beipflichten, dass man Konzerte der slowenischen Avantgardisten so schnell nicht vergisst. Das neue Album, schlicht WAT betitelt, ließ bei mir hohe Erwartungen entstehen, denn WAT ist sicher das Opus Magnum der Band: tanzbar, ungeheuer dynamisch und opulent ausgestattet mit den für das Kollektiv typischen Chören, für die sich kein geringerer verantwortlich zeichnete, als Slavko Avsenik junior, Sohn des berühmten slowenischen, aber gerade auch im deutschsprachigen Raum bekannten, gleichnamigen Volksmusikers (‚Slavko Avsenik und die Original Oberkrainer’). Die schöpferische Leistung einer Gruppe des Jahres 2004 volksmusikalische Elemente mit technoiden und industriellen Klangwelten, die sich zudem Anleihen der gleichfalls legendären 80er Gruppe DAF (Deutsch-Amerikanische Freundschaft) borgen, nahtlos zu einer ausdrucksstarken, kraftvollen und mitreißenden Einheit zu verschmelzen, kann kaum ausreichend genug gewürdigt werden, genügt doch ein Blick in das Fernsehprogramm, um sich zu vergewissern welche Art Musik zur Zeit protegiert wird. Neben dem bereits erwähnten Slavko Avsenik, unterstütze LAIBACH bei den Arbeiten zu WAT auch der international renommierte slowenische Technokünstler UMEK, der schon des Öfteren im wohl bekanntesten Club Frankfurts, dem U60311 auflegte und musikalisch entfernt an den Frankfurter DJ-Heroen Sven Väth erinnert.
Mit dem Bewusstsein, dass sich so gewissermaßen ein Kreis schließt, machte ich mich auf und harrte der Dinge, die mit sehr großer Wucht kommen sollten. Ein sehr heterogenes Publikum wurde mit Klängen aus ‚Geschichten aus dem Wienerwald’ von Johann Strauß (bekannt durch Stanley Kubricks Film 2001 – Odyssee im Weltraum) eingestimmt und wenig später eröffneten LAIBACH mit B-Mashina das Konzert und deckten ein bestens gestimmtes Publikum in Folge mit einer guten Auswahl aus ihrem Oeuvre ein, wobei der Schwerpunkt auf dem aktuellen Album lag. Der wirklich fette und klare Sound bewegte einige Unentwegte zum Tanzen und verfehlte auch sonst seine Wirkung nicht, was insbesondere an dem Frontmann der Slowenen lag, der in futuristischer schwarzer Lederkluft und viel militärischem Pathos die Stücke interpretierte und auf der Bühne ungeheuer präsent war. Dass LAIBACH auch den vollelektronischen Stücken des WAT-Albums noch einen Gitarristen zur Seite stellte, verschaffte dem Klang zusätzliche Tiefe und Volumen und wirkte sich gerade bei den älteren Stücken, die live präsentiert noch wesentlich schneller und härter rüberkommen, sehr positiv aus. So waren u.a. sehr metallisch-industrielle Versionen von Sympathy fort the devil, Alle gegen Alle (Nato), Dogs of War (Nato), Das Spiel ist aus, Achtung!, Now you will pay, Du bist unser (alle WAT), God is God (Jesus Christ Superstars) und The Hunters Funeral Procession (Kapital) zu vernehmen. Verschiedene Videoeinspielungen tauchten das Geschehen in ein sinistres Licht und überschütteten das Publikum mit Symbolen und makabren Szenen, die die Darbietung bedeutungsvoll zu unterstreichen wussten. Im letzten Drittel des Konzertes, das sehr gekonnt gesteigert wurde, animierten noch zwei sehr attraktive und sportliche in für LAIBACH typische Uniformen gekleidete ‚Blitzmädel’ das Publikum mit Trommelwirbeln und zackigen Bewegungen. Militärhistorisch Interessierte im Publikum werden erkannt und wahrscheinlich mit ironischem Lächeln registriert haben, dass die Kopfbedeckung der Mädels –vermutlich rein zufällig – denen der Soldaten einer im Zweiten Weltkrieg auf dem Balkan agierenden Einheit namens ‚Handschar’ (Krummdolch) ähnelte (genauer zu sehen auf dem Cover der Single-Auskoppelung ‚Tanz mit Laibach’). Leider gestattete LAIBACH dem enthusiastischen Publikum wie in den Jahren zuvor nur eine Zugabe, wodurch der Konzertgenuss jedoch nicht wesentlich geschmälert wurde. Angeregt durch die ungeheure Wucht von Klang und Bildern, habe ich während den etwa 90 Minuten öfter überlegt, wie man LAIBACHS dynamische, aber gleichwohl unbewegliche Konzertperformance in einem Begriff zusammenfassen könnte und bin auf ‚statische Dynamik’ gekommen. Nehmt die nächste, auch noch so ferne Gelegenheit wahr, meinen unbedarften Versuch auf Tauglichkeit zu überprüfen und haltet Euch bis dahin an die LAIBACH-Philosophie: Was alleine ist, muss sich multiplizieren (Das Spiel ist aus)

Joachim






 
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