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EA80 (Konzert-Bericht)

20 Mai 2017 im "Zukunft Am Ostkreuz" (Berlin)


EA80 (Konzert-Bericht)
Kategorie: Spezial
Wörter: 530
Erstellt: 31.05.2017


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Es gibt Konzerte, da fühlt man sich sofort irgendwie zuhause. Man kennt das. Da steigen die Musizierenden auf die Bühne und gleich geht es los. Ähnlich wie beim grad stattgefundenen EA80-Konzert im "Zukunft Am Ostkreuz" in Berlin – ein kleiner Laden um die Ecke mit Biergarten und Kneipe nebenan. Ein hübsches Örtchen. Schlauchraum und Bar. Die Musik beginnt, man schließt die Augen und es tauchen Bilder aus der eigenen Jugend aus dem Meer der Erinnerung auf.

Es wurden die Karten höchst gehandelt. Freunde erzählten von Einstiegspreisen bei ebay von 300 Euro. Doch was bekam man da dann zu hören dafür? Selbst dann noch EA80, würde ich sagen. Klassisches und Modernes – sie hatten ihr neues Album dabei: „Definitiv ja“. Das kannten wohl die Wenigsten. Und es wurde nicht sehr viel davon gespielt. Doch oder deswegen tat das der Sache keinen Abbruch. Das Schwarz der Fans war weithin im Biergarten zu sehen. Keine schwermütig traurigen Leute, vielmehr neue und Fans früher Tage, junge und alte, gesetzte und bewegte Leute. 12,50 Euro kostete die Karte.

Den Anfang machten FEMME KRAWALL, eine 5köpfige Band mit zwei Sängerinnen, deren Gesang kreischend leider etwas unterging. Kaum jemand verstand, was und in welcher Sprache sie da sangen. Danach betraten EA80 die Bühne. Kurz darauf gab es eine Ansage. Da wurde von Dingen gesprochen, die nicht gemacht werden sollten – Rauchen zum Beispiel, oder Rangeln in den vorderen Reihen. Das schien dann doch irgendwie ein wenig an MORRISEY zu erinnern, der, weil es auf einem Festival Fleisch-Burger gab, damit drohte, das Konzert abzubrechen. Doch das interessierte mich wenig. Denn geht es doch immer als erstes um die Musik. Gibt es etwas zu den privaten Vorlieben oder politischen Belangen derjenigen, die da auf der Bühne stehen, zu sagen, steht das doch wohl eher an zweiter Stelle. Da können die Leute sagen, was sie wollen. Lese ich CELINE, dann sicher nicht, weil er Antisemit war, sondern weil er Sätze schrieb, die beindrucken und auch bewegen, die furchtbar und schön sind zugleich. Da bedarf es eben keiner Verallgemeinerung, kein Du, der oder die Du das tun oder sein lassen solltest. Sicher, man kann Bestimmtes ansprechen, doch die Kunst steht für sich und darf erst einmal alles. Es können und müssen in bestimmten Fällen Dinge angesprochen werden, klar, nur muss das sicher nicht im Vordergrund stehen. „Böse“ Menschen machen nun mal keine Kunst, sondern Propaganda.

Wie auch immer. Das Konzert war – abgesehen vom eher mäßigen Sound, der sicher auch der lokalen Begebenheit geschuldet war – ein Abriss der alten und neuen, irgendwie immer grandiosen EA80. Das Timing perfekt, so gut wie keine Unsicherheiten – doch wie sollte das anders sein bei einer Band, die seit mehr als 35 Jahren auf den Bühnen steht. Da flogen Mikrofon-Ständer, da wurden halbleere Bierflaschen aus Händen gerissen, da waren die schwarzen Hemden bis auf die Haut durchgeschwitzt und – vielleicht der Kondition geschuldet – wurde mittendrin eine Pause eingelegt. Zweimal etwa 45 Minuten, inklusive Zugabe. Alles sehr energetisch. Und am Ende ein Gefühl von Katharsis, von Reinigung, von Klarheit und dem Wissen davon, dass die Welt schon immer absurd war – warum auch sonst könnten wir sie ertragen.

 
awk für nonpop.de


Verweise zum Artikel:
» Zukunft Am Ostkreuz


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