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COLUMN ONE – LAST LIVE PERFORMANCE

Roter Salon 23.12.2016


COLUMN ONE – LAST LIVE PERFORMANCE
Kategorie: Spezial
Wörter: 746
Erstellt: 23.01.2017
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Zunächst dauert es ein wenig. Dann werden Filme gezeigt. Zwei sinds, von 2006. Letzterer lief auch auf dem NOOI-Festival in Zernikow. COLUMN ONE laufen dem Anlass entsprechend in Anzügen herum. Die sind zwar etwas faltig, doch warum nicht, nach 23 Jahren. Was natürlich nicht zwangläufig heißt, dass ihre Musik ebenfalls faltig ist. Nun, vielleicht ja auch doch, wenn man bedenkt, in welchen Furchen und Gräben sie sich befinden, um von dort aus unser Verständnis von Musik zu verändern. Ob sie es geschafft haben, bleibt den Kennern überlassen. Doch wer kennt COLUMN ONE schon? Viel zu Wenige, würde ich sagen. Das, was sie machen, ist eben speziell. Nur, was ist denn überhaupt Kunst, wenn nicht das besonders Spezielle? Das, was nicht ohne anzustoßen durchläuft. Das ist das Gemeine. Bloß davon haben wir schon lange genug. Ja, es ist furchtbar, dass dies ein Abschied sein soll ...

Ganz im Zeichen dieser letzten Perfomance ging es dann auch zu Anfang zu. FRIEDER BUTZMANN, der leibhaftig auftreten sollte, hatte sich die Stimme durch Krankheit derart ruiniert, dass er nicht kommen konnte. Doch ließ er sich's nicht nehmen, auf eine spezielle Art anwesend zu sein. JÜRGEN ECKLOFF betrat nämlich die Bühne. In der Hand hielt er etwas, das wie ein Ständer für Schautafeln aussah. Ein Galgen oder Marterpfahl. Der war mit Nägeln beschlagen. Auf seiner Spitze steckte das Bild des Kopfes von FRIEDER BUTZMANN. Darunter hing ein Schild. Auf dem Schild stand: „Bessern Sie sich, Herr Butzmann“ ... Ja, Herr BUTZMANN war krank. Seine Stimme hat ihn vor Weihnachten verlassen. Allerdings wollte er es sich nicht nehmen lassen, etwas beizutragen. Und so spricht er mit Hilfe eines Computers digital zum Publikum. Die Stimme sagt, dass das folgende Stück von DAVID BOWIE „Space Oddity“ den Toten gewidmet sei. Es fielen auch die Namen von BOULEZ und KILMISTER. Nun, es war dann ein Zerfetzen, Abzählen, ein Countdown, bei dem die Zählzeit nicht stimmte. Dazu dann Musik.

Es folgte ein Film, in dem ein Herr in schwarzem Anzug erklärt, wie der Name COLUMN ONE hergeleitet werden kann. Der Mann, übrigens mit einem ansehnlichen Schnauzbart bestückt, war nach näherer Betrachtung kein anderer als JÜRGEN ECKLOFF. Er sprach – zunächst dachte ich, es sei spanisch – irgendetwas von Neandertalern, Hunden, Engländern, und zwar in einem sprachlichen Sonstwie, das auf merkwürdige Weise keiner Übersetzung bedurfte ... Dann steht der Schnauzmann auf einer Treppe. Die läuft er nach unten. Da ist ein Keller. Und in diesem werden die Werkzeuge lebendig. Puppenteile und ein zerbrochenes Gesicht. Ein Schild ist da noch zu sehen. Da steht: „Zurück ins Brackwasser der Geschichte“.
Es folgt ein weiterer Film. Eine frühere Performance von COLUMN ONE wird gezeigt. Es ist oft die Zahl 23 zu sehen. Und jemand, der sich auf einem Holzstuhl unablässig dreht. Vielleicht sinnbildlich für die eben 23 Jahre des Schaffens von COLUMN ONE. „Die Welt dreht sich im Kreis.“

Danach die Stimmakrobatin PAN DAIJING. Zwei Mikrofone und Effekte. Inklusive Handzeichen, die eventuell auch Tanzeinlagen waren. Die Schlussworte waren ... „is gone“ ... Dann ein paar Zuckungen ... und Schluss.

Es folgten HACKLANDER/HATAM. Sie an der Elektronik. Er am Schlagzeug. Die beiden trennten etwa 60cm. Sie klein, er groß., d.h. riesig im Verhältnis zu ihr. Das Set erinnerte etwas an die hier schon einmal erwähnten, frei improvisierenden KELLERSCHLÄGER (Vgl. Schlagstrom-Festival 2013). Recht energetisch.

Dann aber, zum Schluss, d.h. Ende COLUMN ONE. Herr Schalinski spielt eine Art Flöte mit Glockenanhängsel. Auf der Bühne sind mehrere Leute, die etwas tun. Der Sound klingt hier und da nach Leierkastenmann. Dazu das Hullahub einer Dame, die neben einer anderen, die vorgeblich nicht als Teil der Bühnenshow geplant war, steht und sich dreht. Die eine maskierte, die herumtanzt und ins Mikrofon faucht, fiel bereits vorher schon auf. Irgendwie sehr aufgekratzt. Wie aus dem popmusikalisch Anglo-Amerikanischen, leicht hysterisch. Da wird gehüpft und geschrien. So fällt man, d.h. frau auf. Dazwischen das Reibebrettflöten des sonnenbebrillten ROBERT SCHALINSKI.
Dann steigt JÜRGEN ECKLOFF hinauf auf die Bühne. Auch er ist maskiert. Sein Basecap trägt er tief  im Gesicht. Er dirigiert das Ensemble. Und verschwindet dann wieder. Geht durch den Raum und versprüht raue Mengen eines beißenden Deos. Die maskierte Frau schreit dazu immerfort. Dann gehen nach und nach alle von der Bühne. Nur der Sound steht noch da. Und, fast wie zu erwarten, die eine maskierte Yin™, die dann allen noch etwas wünscht, nämlich: „a merry christmas and a happy new year“.

Und draußen wanken die Gäste erst dem Weihnachtsfest und dann dem neuen Jahr entgegen ...

 
awk für nonpop.de


Verweise zum Artikel:
» FRIEDER BUTZMANN – Seite
» PAN DAIJING
» HACKLANDER/ HATAM
» COLUMN ONE – Seite
» Labelseite
» Vorschau zur Performance auf youtube
» Video der Performance auf youtube

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