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Roy L.

Legendary Pink Dots @ UT Connewitz,...

Samstag, 22.10.2005


Legendary Pink Dots @ UT Connewitz, Leipzig
Kategorie: Spezial
Wörter: 864
Erstellt: 27.10.2005
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Es gibt heutzutage tatsächlich noch Bands, die mehr als zwanzig Jahre auf dem Buckel haben und sich in dieser mehrere Dekaden umfassenden Schaffenszeit niemals auch nur ansatzweise untreu geworden sind. Die LEGENDARY PINK DOTS feiern dieses Jahr sogar ihr fünfundzwanzigjähriges, immerzu kreatives Bestehen. Anlässlich dieses Jubiläums haben sich die britischen Holländer vorgenommen, eine Europatour mit sage und schreibe 100 Konzerten durchzuziehen. Ob ihnen das letztendlich gelingen wird, habe ich mir noch nicht die Mühe gemacht, die bestätigten und vergangenen Termine nachzuzählen. Und eigentlich ist das auch gar nicht so sehr vonnöten. Ein einziges Konzert reicht völlig aus, in die epischen Kopfwelten der Dots tief genug einzutauchen, um sich für Tage und Wochen darin zu verlieren.

Ka-Spel & Silverman

Zum Exempel: am 22. Oktober machten Ed Ka-Spel und Anhang, übrigens bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr, Station in einem alten Leipziger Kino. Das UT Connewitz ist derzeit höchstwahrscheinlich die interessanteste Lokalität für exquisite Konzertabende und für die LEGENDARY PINK DOTS noch sehr viel wahrscheinlicher der idealste Ort, um etwas von ihrer einzigartigen Atmosphäre zurückzulassen. Mit dem Charme eines seltsamen Gemischs aus U-Bahnstation und antikem Theatertempel und seiner imposanten, ruinenartigverwitterten Größe, begeisterte mich dieses vermutlich baufällige Gebäude von Anfang an. Schon im Februar, zum ersten LPDs Auftritt hier, war ich gar nicht mehr loszukriegen von dem sonderbaren Zauber, der von diesem Ort ausgeht.

UT Connewitz

Damals plagte Edward eine böse Erkältung, der Auftritt war logischerweise hinsichtlich der üblichen expressiven Kraft etwas zurückgeschraubt, aber dennoch auf eine gewisse Weise berauschend. Vergangenen Samstag dagegen schien er absolut gut drauf zu sein, was sich überdeutlichst auf die ganze Stimmung der Performance auswirkte. Vor allem bei "Hellsville" explodierte in dem barfüßigen Ka-Spel die Leidenschaft, die ihn seit Ewigkeiten unzählige, immer wieder geniale Platten produzieren lässt. Bei den LEGENDARY PINK DOTS, genauso wie bei seinem Soloprojekt kann der musiksüchtige Sammler eigentlich nichts falsch machen. Jedenfalls wurde ich und sicherlich auch ein großer Teil der Hörer noch nie von einer Veröffentlichung aus der seiten- und in gedruckter Form womöglich meterlangen Diskographie enttäuscht. Umso schwerer mag es der Band fallen, aus dieser Schatztruhe an denkwürdigen Titeln gut ein Dutzend als retrospektives "best of" herauszugreifen. Mehr waren es dann leider auch nicht, aber die Stücke ließen sich genug Zeit für knapp eine anderthalbe Stunde Dotsomania. Besonders sehr viele alte und frühe Hits wie "Love In A Plain Brown Envelope" oder "Poppy Day" wurden dem Publikum in Erinnerung gerufen. Aus der schwer bekifften, psychedelischen Ryan Moore - Zeit, Ende der Neunziger spielte man bedauerlicherweise überhaupt nichts. Das aktuelle Material wurde ebenfalls nur mit dem vermutlich neuen bandinternen Lieblingssong "Soft Toy" und dem ganz und gar außergewöhnlichen und ruhigem "In Sickness And In Health" bedacht. Letzteres war mein klarer Favorit des Abends. Mit einer kontemplativen, vielleicht auch ein wenig melancholischen Sanftheit ließ es sich in den nahezu zehn Minuten leicht in eine neonlichttropfende, einsame Bar aus besseren, dunkelatmosphärischen Science-Fictionfilmen hineinträumen. Augen schließen und die außerweltlich tönende Klarinette, das entspannte Zupfen an den Gitarrensaiten, die leichtgewichtigen, weinenden Tasten und vor allem diese stets unverwechselbare Stimme in sich einfließen lassen. Wahnsinn!

Niels van Hoorn

Aus der stillen Träumerei rissen sich die Dots mit einer langausgedehnten, derben Version von "Green Gang". Danach ein etwas in Vergessenheit geratener Hit, "The Safe Way" vom gleichen Album, "Crushed Velvet Apocalypse". Die reguläre Setlist schloss klangkräftig mit den beiden Krachern "Hellsville" und "City Of Needles", letzteres mit einer mir unbekannten und wahrscheinlich neuen Textvariante. Hier hätte sich eigentlich noch das Epos "Andromeda" anschließen müssen. Für die aktuelle Bandbesetzung (ohne Schlagzeug) wäre ein solches Stück vielleicht aber undenkbar gewesen. Egal auch, bei "Hellsville" spielte sich das Quartett in eine völlig erschöpfende Ekstase, die das teils sitzende, teils stehende Publikum auf hohen Wellenbergen in den schwingenden Bann des LPD-Phänomens zog. So ein berauschendes Erlebnis machte Lust auf mehr. Und das gab es dann auch, in kleinen Häppchen zumindest. Drei Zugaben: der wunderschöne Hit "Belladonna", hier freilich mit E-Gitarre vorgetragen, das uralte, witzigverschrobene Liedchen "15 Flies In The Marmelade" sowie eine etwas schwerer erkennbare Interpretation von "Stitching Time".

Ka-Spel in Hell(sville)!

Doch nicht nur die Band war an diesem Abend den Besuch des UT Connewitz wert. Im Vorprogramm versüßte uns Schallplattenunterhalter ZACKER mit diversen Brainwashed Klängen das Warten auf den Auftritt. Synchron dazu flimmerte Franceso Bertolini's Stummfilmklassiker silentera.com/PSFL/data/I/Inferno1911.html">"L'Inferno" (1911) über die Leinwand des alten Kinos. Eine wunderschön gestaltete, emotionale Verarbeitung der ersten Episode aus Dantes außergewöhnlichem, meisterlichem epischen Gedicht "Die göttliche Komödie". Meinen nachträglichen Dank an die Veranstalter für diesen insgesamt herrlichen Abend.

L'Inferno (Francesco Bertolini, 1911)

Die LEGENDARY PINK DOTS sind 2005 sehr viel lebendiger als je zuvor. Im Laufe der Tour wird sich ihre Musik zu einem eigenständigen Organismus entwickeln. Schließlich hat man fünfundzwanzig Jahre Bandgeschichte und mehr als doppelt so viele Veröffentlichungen zu zelebrieren. Die vergangenen und bevorstehenden Auftritte werden all diese Zahlen und Fakten um das musikalische Gesamtwerk herum aus den staubigen Diskographielisten herausziehen und in einen Kosmos transportieren, welcher der Band außerordentlich gut steht: die LPD's als eine urbane, subtile und mitternächtliche Untergrund-Live-Kapelle. Meinen Glückwunsch, und Alles Gute für die nächsten 25!


 
Roy L. für nonpop.de


Verweise zum Artikel:
» Legendary Pink Dots
» UT Connewitz

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