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Tony F.
MORITURI TE SALUTANT II Festival
in Rüsselsheim
Kategorie: Spezial
Wörter: 988
Erstellt:
13.01.2015
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Schon zum zweiten Mal nach der Premiere in Frankfurt lockte das Team vom Morituri Te Salutant-Festival die Besucher nach Hessen – nach Frankfurt war man diesmal nach Rüsselsheim umgezogen – um wieder ein recht abwechslungsreiches Programm zu präsentieren. Die Örtlichkeit war dabei für die Anzahl der Besucher genau richtig gewählt, sodass der Saal für so eine Veranstaltung optimal gefüllt war. Die Bühne im „Rind“ ist zudem ordentlich groß und am Sound war auch nichts auszusetzen. Mit mittlerweile vier Bands schaffte man es dabei, ein recht weites Spektrum vom Dark Ambient bis hin zum Pagan Folk unter einen Hut zu bekommen, ohne dass man den Eindruck zu starker musikalischer Brüche bekam. (Bilder: Karl-Hendrik)
MARS
Den Anfang machten MARS, die mit ihrem sehr urwüchsigen Pagan Folk, der auch Anleihen zum klassischen Apocalyptic Folk erkennen lässt, einen soliden Opener abgaben, obwohl die Abstimmung zwischen den beiden Musikern an diesem Abend nicht immer optimal war. Grundsätzlich finde ich bei MARS schade, dass man oft zu Beginn eines Stücks variantenreich z.B. Trömmelchen, Spieluhrenklänge oder auch eine Maultrommel einsetzt, es dann aber zu eintönig weitergeht, weil zunächst ein musikalisches Motiv auf der Gitarre hinzukommt, das danach von zumeist wuchtigem Trommeln und (Sprech-)Gesang begleitet wird – und das irgendwie bei gefühlt jedem Stück. Starke Refrains, Brüche, Harmoniewechsel, echte Songentwicklung – kaum mal vorhanden. Leider verlieren sich die Stücke so am Ende zu oft irgendwie im Nichts, wo mehr möglich wäre. Als Opener und vor allem im Live-Kontext funktionierte die Band aber in jedem Fall.
LAMIA VOX
Mit LAMIA VOX, dem Dark Ambient Projekt von ALINA ANTONOVA ging es anschließend komplett elektronisch weiter, wobei viele genutzte Sounds auf gesampelten und später bearbeiteten Instrumenten beruhen, so dass kein allzu klinisches Soundbild entsteht. Zu Sounds vom Laptop setzte die Sängerin im Folgenden ihre beeindruckend wandelbare Stimme, die von aggressiv-beschwörend bis hin zu sphärischen Heavenly-Voices reicht, ein. Im Hintergrund – wobei die Bühne tatsächlich abgedunkelt blieb – liefen dazu Videos, die Gewitter und Naturgewalten aber auch Menschen vor rituellen Feuern etc. zeigten, sodass Themen des letzten Albums „Sigillum Diaboli“ gut umgesetzt wurden und somit ein Eintauchen in die Musik und Atmosphäre sehr gut möglich war.
DER BLAUE REITER
Mit DER BLAUE REITER hatten die Veranstalter eine Band eingeladen, die eher selten in unseren Graden zu sehen ist. Just nach der Veröffentlichung ihres neuen Albums „Le Paradis Funèbre II“ war der Auftritt somit eine willkommene aber leider auch letzte Gelegenheit, die Band in der alten Besetzung noch einmal live zu erleben, da zu dem Zeitpunkt bereits feststand, dass sich LADY NOTT aus der Band zurückziehen würde. Mit Unterstützung von DAVID GARCÍA an den Trommeln präsentierte das Duo einen Querschnitt des bisherigen Schaffens, wobei im Gegensatz zu früheren Konzerten fast ausschließlich Stücke mit Gesang ausgewählt wurden. Im Hintergrund liefen dazu Videos, die einem die Themen der letzten Alben noch einmal vor Augen führten, sodass man ausgehend von post-apokalyptischen Szenarien zu Beginn, zu denen die Band wie üblich zunächst in ihren weißen Schutzanzügen inklusive Atemmasken auf die Bühne kam, über Zeugnisse vom Elend des Krieges bis hin zu der Katastrophe von Tschernobyl – verarbeitet auf dem Album „Nuclear Sun“ – noch einmal die Schattenseiten des 20. Jahrhunderts Revue passieren lassen konnte. Da passenderweise ALINA ANTONOVA am neuen Album mitgewirkt hatte, lag es natürlich nahe, dass sie zu „Conquest Of Glory“ mit auf die Bühne kam, um ihren Gesang beizusteuern. Verbesserungswürdig erscheint eigentlich nur, dass trotz einiger Trommeln auf der Bühne recht viel Percussion vom Band kommt – da wäre definitiv noch etwas mehr möglich, um das Live-Erlebnis zu steigern. Ansonsten lieferte die Band einen runden und engagierten Auftritt ab, der das Publikum definitiv begeisterte. Mit überschwenglichem Dank verabschiedete sich die Band schließlich in der jetzigen Inkarnation vom Publikum.
HEKATE
Den Abschluss bildeten HEKATE, die, so AXEL MENZ am Ende des Auftritts, zuletzt vor 19 Jahren an gleicher Stelle gespielt hatten, wobei Sängerin SUSANNE GROSCHE damals zugleich ihr Live-Debüt erlebt hatte. Das Set wies dabei im Vergleich zu den Auftritten im letzten Jahr – z.B. beim Runes & Men in Leipzig – keine einschneidenden Änderungen auf, sodass vom Auftaktstück „Dos Kelbl“ an bis hin zu zwei ganz neuen Stücken, die live allerdings schon im letzten Jahr in Leipzig im Programm waren, ebenfalls ein Gang durch die Bandgeschichte folgte. Positiv fiel vor allem auf, dass die beiden Veröffentlichungen „Sonnentanz“ und „Tempeltänze“, die vor ein paar Jahren live noch eine etwas geringere Rolle spielten, stark im Fokus standen. Natürlich war es keine Frage, dass quasi das Lied zum Festival „Morituri Te Salutant“ zum Ende des regulären Sets gespielt wurde, bevor ein kleiner Zugabenblock inklusive dem ewigen „Hit“ „Die Gedanken sind frei“ auf dem Programm stand. Insgesamt lieferte die Band einen gewohnt souveränen Auftritt ab, an dessen Ende AXEL MENZ noch betonte, dass Festivals wie dieses mittlerweile leider viel zu selten stattfinden. – Recht hat er.
Abschließend kann man feststellen, dass dieses zweite Morituri Te Salutant-Festival ein im angenehmen Rahmen stattfindendes Festival war, bei dem soweit alles rund und gut organisiert ablief. Bleibt somit nur zu hoffen, dass die Festival-Reihe im Westen der Republik weiter fortgesetzt wird.
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