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Antje M.M.

Oktober / November 2012 @ NONPOP

Was in den vergangenen acht Wochen geschah ...


Oktober / November 2012 @ NONPOP
Kategorie: Spezial
Wörter: 1184
Erstellt: 06.12.2013
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URFAUST, die schon mit verschiedenen Bands und Musikern Splitsingles veröffentlicht haben, überraschten mit einer Splitsingle mit KING DUDE (Besprechung). Doom meets Folk oder besser: Black Metal meets Neofolk. Eine gemeinsame Grundstimmung von Verzweiflung und Hölle, verpackt in durchaus unterschiedliche Stile, ist jedenfalls vorhanden. URFAUST lassen orgelige Drones los, dazu drängt eine verstärkte (Akustik)Gitarre, und nach kurzer Zeit setzt dieser faszinierende, priesterlich beschwörende Gesang ein. Getragen und sakral auf der einen Seite, unterstützt von starken instrumentalen Zwischenspielen auf der anderen. Seite B besticht durch die knarzende, knorrige Stimme von KING DUDE. Spartanisch begleitet er sich mit Gitarren-Akkorden und Schelle, in den Refrain stimmt ein Chor verstorbener Wüstencowboys ein. Hier könnt Ihr URFAUST bei der Aufnahme zu einem älteren, grandiosen Stück ("Unter Töchtern Der Wüste") sehen...


Mit "Pagan City Gods" (Besprechung) legt ECHO WEST sein nunmehr drittes Album vor und bleibt dabei stilistisch dem eingeschlagenen Weg treu: Waren die Frühwerke noch deutlich experimenteller und von düsteren Industriallandschaften geprägt, so geht es seit "Echoes Of The West" deutlich poppiger und eingängiger zu. Das Album beginnt mit "Lost In Decline", poppige Synthiemelodien werden von harschen Industrialsounds gebrochen, darüber der wavelastige Gesang, der Erinnerungen an alte JOY DIVISION-Zeiten weckt. "Are We City Humans" ist Elektropop in Bestform, bei dem bis ins Detail ausgeklügelten Soundspielereien den Gesangspart übernommen haben. "Tanz den Untergang“ drückt dann auch gut die nicht ganz optimistische Grundstimmung des Albums aus: "Alles zerfällt und geht vor die Hunde ..." Hier einer der stärksten Songs des Albums:


Nach dem scheinbaren Ende der recht kurzen Geschichte des Dark-Ambient Duos PSYCHOMANTEUM begab sich ROBERT KOZLETSKI mit SHOCK FRONTIER und dem Album "Mancuerda Confessions" (Besprechung) in neue, soundtechnisch heftigere Bahnen. Zusammen mit dem bisher nicht näher in Erscheinung getretenen KYLE CARNEY lotet man harsche Sounds aus und baut diese zu zupackenden, rein instrumental gehaltenen, industriellen Soundcollagen und unerbittlich kalten Alptraumszenarien zusammen. Tiefe Soundwände, verzerrte oder aggressiv britzelnde Überbauten, die sich wie Stromschläge durch die Soundwand bohren, treffen auf schlagende, rhythmische Geräusche und Industrieklänge. Durch die Sounds hindurch scheinen zudem bedrückende Samples – vornehmlich Schreie und Sprachsamples. "Mancuerda Confessions" ist ein atmosphärisches, kontrolliertes Noise-/Industrial-Werk – kontrolliert insofern, als der Einsatz der Sounds Strukturen erkennen lässt und der abgründigen Gesamtatmosphäre dienlich ist. Einer der Songs des Albums zum Nachhören: (Nicht irritieren lassen - CVTLNATION ist der Name eines US-Magazins, das Stück stammt von SHOCK FRONTIER.)


Das am 18. November 2013 auf RASTER-NOTON erschienene Album "Supercodex" (Besprechung) von RYOJI IKEDA ist in doppelter Hinsicht von Bedeutung. Zum einen steht es mit IKEDAs Langzeitprojekt SUPERPOSITION in Verbindung und zum anderen ist es der Abschluss der Trilogie, die aus eben "Super Codex" und den beiden Vorgängeralben "Dataplex" (2005) und "Test Pattern" (2008) besteht. Und dieser Abschluss hat es in sich. Nicht nur dass die Versatzstücke, die De-, Re- und Metakonstruktionen IKEDAs ineinander überlaufen, so dass nur bei genauerem Hinhören ein deutlicher Anfang oder das Ende eine Titels wahrnehmbar wären, auch die verwendeten Sounds, die aus den anderen zwei Alben stammen, werden im Sinne der IKEDAschen Daten- bzw. Materialverarbeitung zu Bausteinen einer hochklingenden Architektur, die außerordentlich ist. Elektronische Klangwände, Einsen und Nullen, die in Reihen ab- oder aufwärts laufen, immer ein kohärentes Bild ergeben, jedoch nie mit einem anderen deckungsgleich wären, Soundmaterial, das aufs Minimalste reduziert, jeweils nicht mehr als ein in seiner Frequenz oder Dynamik veränderter Impuls ist ... Und das alles wird von IKEDA rhythmisch dann so organisiert, dass sich das Wenige nicht frei sondern notwendig zum Mehr hin entfaltet. Hier => findet Ihr 30sekündige Ausschnitte von allen Tracks des Albums...

Mit "Disposal Of A Dead Body" (Besprechung) melden sich die notorischen, infamen, bestialischen, infernalischen, furiosen BRAINBOMBS nach fünfjährigem Schweigen mit einer Doppel-LP zurück, die das musikalische Treiben der Band über die Jahre 2009-2012 dokumentiert und auf jeder Seite den Ertrag eines Kalenderjahres zu Gehör bringt. Die A-Seite versammelt ausschließlich Tracks aus dem Jahre 2009, die B-Seite solche von 2010 ... Ganz sicher wird das Rad hier nicht neu erfunden. Und das ist auch gut so, denn Perfektion kennt bekanntlich weder Entwicklung noch Dynamik, sondern verharrt in verzückter Selbstgenügsamkeit und Selbstbespiegelung. Nach wie vor setzt man auf dreckige Riffs in Endlosschleife und gut abgehangenes Geknüppel, getragen von der ausgesucht bösartig-primitiven Brutalität der Vocals und immer wieder durchbrochen vom psychopathisch tönenden Getröte einer Trompete, die entfernt an frühe TG-Stücke erinnert. Auch die Lyrics sind von jener ausgesuchten Explizitheit, für die die Band ebenso berühmt wie berüchtigt ist. Ein schwedisches, aber dennoch sehr aufschlussreiches Interview aus dem Jahr 2007:


Zum Ende ihrer gemeinsamen Tour durch Belgien und die Niederlande entschieden sich CELER, MACHINEFABRIEK, JAN und ROMKE KLEEFSTRA dazu, in ein kleines Studio aufs Land zu gehen, um dort etwas einzuspielen. Friesland war's, genauer ein Ort namens Gauw. Dort wurde improvisiert und stundenlang aufgenommen. Das Ganze wurde dann in Rotterdam gemixt. Herausgekommen ist ein Album namens "Gau" (Besprechung), das aus einem rund 48minütigen Stück, das sich aus drei Teilen zusammensetzt. Die "Weather Report Suite" beginnt mit einem leicht verhallten Donner, zu dem ein Streichinstrument, eine sich einblendende Fläche und ein Knistern wie zerdrücktes Reisig kommen. Der zweite Teil, ein Stück namens "Dark Star" ist vom ersten nicht klar abgegrenzt. Text erklingt, einzelne, bekannt klingende Wörter, einzelne, schwebende Töne. Alles sehr langsam. Eine verhallende Gitarre und eine Japanisch (?) sprechende Stimme bilden den Übergang zum dritten Stück. Insgesamt eine ruhige Angelegenheit. Und eine auch recht rätselhaft, im irgendwo auf Friesland schwebende. Hier => ein mp3-Ausschnitt aus dem Album...

TROUM haben mit "Mare Morphosis" (Besprechung) den dritten und letzten Tei der 'Power Romantic'-Reihe veröffentlicht. Behandelt wird, zumindest dem Namen nach, die Veränderung der (Welt)Meere. Das Album besteht, wie die anderen beiden Teile auch, aus einem einzigen, zwischen 2009 und 2013 entstandenen Track. Ganz am Anfang steht eine lange Schleife aus dem Ansatz einer Melodie, vor geheimnisvollen, schwebenden und flüsternden Drones. Nach einigen Minuten erfolgt der Übergang in massive, sich überlagernde und sehr sakral wirkende Drones mit Klassik-Bezug. Und spätestens mit den dann einsetzenden, bläserähnlichen Klängen bekommt "Mare Morphosis" eine mächtige, orchestrale Note. Im Gegensatz dazu steht der folgende, ruhige Ambient, der sich im Wesentlichen aus Drones mit einigen organischen Sounds zusammensetzt und in einen majestätischen Dauerdrone mündet. Bilder einer eisigen, ruhigen und eleganten Welt drängen sich auf. Der Wechsel zwischen den Passagen und Stimmungen geht weiter: mal sehr ruhig, gleitend und geheimnisvoll, mal wuchtig und orchestral. Mal bedrohlich, mal fast kitschig schön. Vor allem das Schlagzeug ragt heraus, wirkt sehr handfest, beinahe live. Im letzten Drittel schiebt es die Drones regelrecht vor sich her, türmt sie auf. Den Schluss bilden langgezogene, wehmütige Gitarrendrones, die auch als solche erkennbar sind: glitzernd, freundlich und versöhnlich. Der ganze Track zum Nachhören:


Außerdem sprach Michael We. mit HANS JOHM über SEA STATE (Interview) und mit MATT HOWDEN über sein jüngstes Projekt (Interview).


 
Antje M.M. für nonpop.de


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