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Richard K.

Rückblick Wave Gotik Treffen 2013

Ein Kessel Schwarz-Buntes


Rückblick Wave Gotik Treffen 2013
Kategorie: Spezial
Wörter: 882
Erstellt: 27.06.2013
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Auch 2013 lockte das WAVE-GOTIK-TREFFEN nach Leipzig. Wie immer gab es neben Kommerz und Schrott auch viele musikalische Perlen zu entdecken. Neben vielen Neofolk-Bands war in diesem Jahr die Indie-Fraktion mit Interpreten wie PATRICK WOLF, ESBEN AND THE WITCH, KARIN PARK und IAMX stark vertreten. Doch der Reihe nach ...


Freitag

CAMERATA MEDIOLANENSE

Den Anfang des Konzertabends im Volkspalast gestalteten recht überraschend CAMERATA MEDIOLANENSE, wobei auch schon die im Vorfeld mit zirka 30 Minuten angekündigte Dauer des Konzerts für so eine Band ungewöhnlich kurz wirkte. Tatsächlich wohnte man dann auch eher einem „Showcase“ zum neuen Album „Vertute, Honor, Bellezza“ (Besprechung) bei, als dass man als Zuschauer den Eindruck bekam, ein „richtiges“ Konzert mitzuverfolgen. Die Einleitung erfolgte dann mit einem Video zum neuen Album, dass entsprechend mit Musik aus der Konserve hinterlegt wurde. Erst danach kamen nacheinander die Musiker auf die Bühne, wobei während des schon kurzen Auftritts durch die ständigen Auf- und Abgänge von Sängerinnen und Musikern noch eine zusätzliche Fahrigkeit in die Veranstaltung kam – positiv könnte man auch von einer gewissen Theatralik sprechen. Nicht dabei war allerdings DANIELA BEDESKI, die entsprechend ersetzt wurde.

Die präsentierten Stücke fielen angesichts des Materials des neuen Albums erwartbar ruhig und durch den Einsatz eines echten Pianos klassisch gehalten aus. Die für CAMERATA MEDIOLANENSE typischen Trommeleinlagen wurden nur spärlich und hintergründig unterstützend eingesetzt. Mein grundsätzliches Problem bei dem Auftritt lag allerdings im Auseinanderfallen von künstlerischem, klassischem Anspruch, den die Band offenbar mehr und mehr hat, und entsprechender Umsetzung. Neben dem durchweg gewöhnungsbedürftigen weiblichen wie männlichen Gesang lagen auch die Trommeleinlagen jedenfalls deutlich jenseits von „taktsicher“. Letztendlich dürfte der Auftritt wohl im Großen und Ganzen nicht das gewesen sein, was sich die meisten Zuschauer davon versprochen hatten. Zumal die üblichen Live-Hits nicht gespielt wurden. (TF)


TWA CORBIES

In der Kantine nebenan ging es danach reibungslos mit TWA CORBIES weiter – also TONY WAKEFORD mit der Unterstützung von GERNOT MUSCH (ex-PILORI) an der Gitarre und beim Gesang. Hat mir diese Zusammensetzung schon als Vorband vor :OF THE WAND AND THE MOON: in Mülheim im letzten Jahr gut gefallen, so bestätigte sich der Eindruck an diesem Abend. Der Vorteil dieses Duos liegt vor allem darin, dass TONY WAKEFORD durch die zusätzliche, oft angeschlagene Gitarre mitgezogen wird, sodass ein gleichmäßiger, deutlich sicherer und dezent breitwandiger Sound entsteht, der dem von seinen Solo-Auftritten doch ohne Zweifel vorzuziehen ist. Gleichzeitig wird der zurzeit etwas zu opulente, übervolle und mit Gimmicks vollgestopfte Sound von SOL INVICTUS auf die Essenz zurückgeführt.

Viel Neues gab es natürlich nicht zu bestaunen aber ein solider Gang durch die musikalische Laufbahn eines TONY WAKEFORD ist mir heutzutage allemal lieber als die oft allenfalls mediokren Vorstellungen junger Neofolk-Bands. Ausgehend von „Media“ gab es jedenfalls ein, was die Auswahl der Stücke angeht, erwartbares Programm mit einem gut aufgelegten und mal wieder etwas bissiger singenden Hauptakteur. Zu hören gab es aber auch Stücke, die in den letzten Jahren nicht so häufig im Programm waren wie „Sheath & Knife“ oder „Hill Of Crosses“. „Twa Corbies“ wurde zudem von GERNOT MUSCH intoniert. Obwohl die Zeit eigentlich abgelaufen war, gab es am Ende noch Zugaben in Form von „All Alone In Her Nirvana“ und dem schon etwas knirschenden „Laws & Crowns“, sodass das zahlreiche Publikum sicher auf seine Kosten gekommen sein dürfte. (TF)
 

NORTHGATE

An gleicher Stelle spielten nach DAEMONIA NYMPHE, die in der Kuppelhalle ihr Konzert spielten, NORTHGATE, die Band um CAMERATA MEDIOLANENSE-Sänger TREVOR. Somit war es nicht verwunderlich, dass die Live-Crew bis auf den Bassisten fast komplett aus CAMERATA-Musikern bestand. NORTHGATE mit CAMERATA MEDIOLANENSE zu vergleichen ist natürlich keine sinnvolle Angelegenheit, da NORTHGATE einen Sound machen, der eher im experimentellen Post-Punk oder im Ambient anzusiedeln ist. Alleine an der Besetzung Gitarre/Gesang, Bass, Schlagzeug, Keyboard ist dies schon abzulesen. Beginnend mit schwebenden und Atmosphäre-schaffenden Klängen bewegte man sich im Laufe des Auftritts hin zu post-punkigen-Arrangements mit italienischer Note, die aber immer etwas blutleer und, ja, lahm und ideenarm herüberkamen. Zum oft musikalischen Mittelmaß kam noch instrumentales Unvermögen hinzu. Der Mann hinter dem Schlagzeug gehörte dort jedenfalls definitiv nicht hin. Letztlich blieb man als Zuschauer doch mit sehr gemischten Gefühlen zurück. (TF)


A.C.T.U.S.

Das Neofolk-Billing des diesjährigen WGT ähnelte in vielerlei Hinsicht dem Line-Up aus dem Jahr 2005. So waren neben DARKWOOD und SOL INVICTUS (in ihrer Reinkarnation als TWA CORBIES) auch A.C.T.U.S. mit von der Partie. Der A.C.T.U.S.-Auftritt von 2005 war einer der Höhepunkte des damaligen WGT. 2013 wurde A.C.T.U.S. die zweifelhafte Ehre zuteil, nach den ungleich populäreren CAMERATA MEDIOLANENSE und den TWA CORBIES als Headliner auf die Bühne des Volkspalastes zu müssen. Nur rund 200 Gäste verfolgten den ambitioniert dargebrachten Ritual-Elektro des Fünfers. Die mir bis dato unbekannten Männer am Bass, Schlagzeug und E-Gitarre gingen hörbar professionell zu Werk und hievten den typischen A.C.T.U.S.-Sound in neue Dimensionen. Der charmant-amateurhafte Charakter von A.C.T.U.S.-Perlen wie „Botschaft aus Hyperborea“ mit seinem deklamatorischen ungarischen Sprechgesang wurde dementsprechend pop-rockig aufgepeppt, was sichtlich nicht jedem gefiel. Als A.C.T.U.S. ihr Set mit „Rome“ abschlossen, befanden sich dementsprechend nur noch etwa 50 Leute im Saal. Aber von solchen Zahlen sollte man sich nicht blenden lassen: Auch mit ausgebildeten Musikern an Bord haben A.C.T.U.S. nichts von seinen schrägen Charme verloren. (RK)

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Richard K. für nonpop.de


Verweise zum Artikel:
» Wave Gotik Treffen

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