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Michael We.

Quintessenz: BOMBER JACKETS

Fünf Fragen an ...


Quintessenz: BOMBER JACKETS
Kategorie: Spezial
Wörter: 999
Erstellt: 10.11.2012
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Einige vergriffene Tapes und drei Songs auf einer Vinyl-EP – das gibt eine kurze Anmoderation. "Centurion Travel" (Besprechung) heißt die Single, auf die wir per Zufall aufmerksam geworden sind. Und die so charmant an TELEVISION PERSONALITIES oder MOMUS erinnert, dass wir mehr über das britische Trio BOMBER JACKETS wissen wollten. Etwa über die Do It Yourself-Philosophie von SIAN, RUSSELL und DAN oder über einen vermeintlich spaßigen Songtitel, der sich schlussendlich als Übersetzungsfehler herausstellte. Los geht's ...

Hallo SIAN, RUSSELL, DAN! Ich vermute mal, dass Euch in Deutschland nur wenige Menschen kennen. Also lasst uns ganz von vorne anfangen: Wer seid Ihr? Was macht Ihr so den lieben langen Tag? Und spielt Ihr noch in anderen Bands?

RUSSELL: Ich bin noch bei THE PHEROMOANS, SIAN spielt bzw. spielte bei PLUG, die sind bzw. waren wirklich gut. Eine Schande, dass sie so eine unmögliche Person ist.

DAN: Ich gehöre auch zu den PHEROMOANS, seit ungefähr einem Jahr. Seit die den Drummer gewechselt haben, bin ich nicht mehr 'der Neue'. Ich mache auch noch anderswo Musik, aber ich bin zu schüchtern und unentschlossen, um das hier auszuposaunen.

SIAN: Früher wurden die BOMBER JACKETS immer beschrieben als 'zwei Mitglieder von THE PHEROMOANS und eine Bekannte'. Nun, ich bin die Bekannte. Eigentlich betrachte ich mich eher als Feind der BOMBER JACKETS. Ich möchte so viel wie möglich kaputt machen und die Band so dastehen lassen, als würden die Keyboards falsch gespielt.
 
DAN: Lasst uns fair bleiben. Das ist eigentlich meine Schuld. Kleine Tasten und dicke Finger.

Eure EP "Centurion Travel" klingt sehr handgemacht, 100 Prozent Do It Yourself. Was fasziniert Euch so an Musik, der man anhört, dass sie ohne Zuhilfenahme von viel Technik selbstgemacht wurde?

SIAN: Ich musste mir jahrelang halbherzige Musik anhören, gemacht von muffigen Menschen. Das hat bei mir eine tief sitzende Schande und das Gefühl von Schmutzigkeit hervorgerufen. Wie besessen meine Küchenschränke mit CILLIT BANG zu putzen und eine strenge makrobiotische Diät helfen mir bei der Bewältigung.

DAN: Für mich ist DIY eine vollkommen natürliche Wahl. Für mich ist das einfach so 'passiert', dass ich in DIY-Bands spiele; solchen Bands, die sich gegenseitig aufnehmen und für ein kleines, autonomes Netzwerk Musik machen. Da die meisten Alternativen zu Do It Yourself in meinem Kopf aussehen wie Werbespots aus der Hölle, mache ich erstmal so weiter.

RUSSELL: Die DIY-Ethik ist die einzige Möglichkeit, wie ich mir vorstellen kann zu arbeiten. Sie ist viel unbeugsamer als diese Pop-Sache oder militanter Punk – beides hasse ich gleichermaßen. Zum Beispiel bei COLDPLAY weißt Du, dass nach zwei Minuten eines Songs sowas geschieht wie eine Konfetti-Explosion. Für mich ist das Leben schon reglementiert genug, aus ganz praktischen Gründen, ohne solche Parameter auf Kunst oder Musik zu übertragen. Ähnlich sieht es mit diesen Punk-Langweilern aus, die einen mit jedem verrückten Gedanken vollnölen, den sie mal hatten. Du hast es mit so vielen Leuten zu tun, die alles ganz genau erklärt haben wollen. Aber am Ende hängt eigentlich alles davon ab, wie Du selbst Dinge wahrnehmen möchtest.

Der Songtitel, der sofort ins Auge springt, heißt "Male Bimbos". (Allerdings nur, weil 'Bimbo' in Deutschland eine ganz andere Bedeutung hat als in England, wie ich erst beim Übersetzen gelernt habe.) Worum geht es in dem Lied, und wer kam auf diesen Titel?

SIAN: RUSSELLs Fehler ... Ich persönlich glaube, der Song ist sexistisch.

RUSSELL: Ich hätte gar nicht gedacht, dass daran irgendwas kontrovers ist. Es geht wirklich nur um männliche Tussen (engl.: bimbos).  Keine Ahnung, wie das in Deutschland aussieht, aber in England gibt es jede Menge davon, braungebrannt und so. Der Text beschreibt einen Tag im Leben einer solchen Tussi ... Eine Typisierung, denke ich.

DAN: Sexistisch oder nicht, jedenfalls ist doch bekannt, dass der wissenschaftliche Name für eine männliche Tussi 'himbo' lautet. Glaubt man dem MERRIAM-WEBSTER-Wörterbuch im Netz, welches ich in einem extra Tab geöffnet habe, dann tauchte das Wort zum ersten Mal 1988 auf. Man kann eine Menge Spaß haben, wenn man versucht zu erraten, welche der damaligen Promis in welcher Pose in irgendeinem Hochglanzmagazin der Ursprung für diesen nebensächlichen Fakt waren.

Euer Bandname lässt diverse Rückschlüsse zu. Habt Ihr mal nach BOMBER JACKETS im Netz gesucht? Da tauchen eine Reihe lustiger Shops auf. Wollt Ihr nicht gefunden werden? Und wie kam der Bandname zustande?

SIAN: Mir wäre es am liebsten, wenn der Begriff ganz nah in der Region des Gehirns verankert wäre, wo auch das Teilchen sitzt, das sagt: Ich will diese Platte kaufen ...

RUSSELL: Ich glaube, ich habe mir das mit SARAH ausgedacht, die inzwischen nicht mehr dabei ist. Wir arbeiteten damals an einem Song namens "Men In Black Satin", aber der ist dann zu den PHEROMOANS gewandert. Ich hatte mal eine Phase, in der ich auf Türsteher stand.

DAN: Es gibt googlebare Bands und solche, die nicht googlebar sind. Eines Tages werden alle bekannten Wörter und Ausdrücke komplett für Namen von Bands aufgebraucht sein. Es wird auch ein komplett getrenntes Internet nur für Bands geben, und deren Namen. Wenn das einmal läuft, haben wir kein Problem mehr ...

Der einzige Eintrag Eures Band-Blogs betrifft die EP, die bereits im Mai erschienen ist. Sonst gibt es da nichts für 2012. Muss ich mir Sorgen machen um Eure Zukunft?

RUSSELL: Und selbst dieser Eintrag war traumatisch ... Wir rangieren gerade alte Songs aus und schreiben neue. Deshalb geben wir momentan auch keine Konzerte, sondern nehmen Lieder für ein Album auf, welches 2013 erscheinen soll.

DAN: Das wird sicher nicht die schnellste DIY-PLatte sein, die es jemals gab. Ich bin aber zuversichtlich, dass es schneller gehen wird als, sagen wir mal, bei FLEETWOOD MAC und "Tusk", oder bei der PLUG-Platte (entschuldige, SIAN), nur um ein weiteres Beispiel zu nennen. Klingt gut bis jetzt.

SIAN, RUSSELL, DAN – vielen Dank für das charmante Interview. Wir warten auf Euer erstes Album!


 
Michael We. für nonpop.de


Verweise zum Artikel:
» Bandblog
» EP zum Kaufen

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» DAN MELCHIOR & RUSSELL WALKER: In Durham
» BOMBER JACKETS: Centurion Travel (EP)


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