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Tony F.

SYNTHETIC BEATS FESTIVAL in Bochum


SYNTHETIC BEATS FESTIVAL in Bochum
Kategorie: Spezial
Wörter: 1199
Erstellt: 19.08.2012
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Im Sommer findet für gewöhnlich eigentlich wenig statt – lässt man mal die großen Open-Air-Festivals im Metal- oder Gothic-Bereich bei Seite. Umso erstaunlicher war es, dass man sich für Anfang August zur Durchführung des „Synthetic Beats Festival“ im Bahnhof Bochum-Langendreer entschlossen hatte. Anfängliche Zweifel legten sich allerdings recht schnell, füllte sich der Veranstaltungsort über den Abend hinweg doch überaus ordentlich, was angesichts des Line-ups mit ECHO WEST, PARADE GROUND, MARTIAL CANTEREL und THE KLINIK dann letztlich doch nicht verwundern konnte.

War man in den letzten Jahren live etwas sporadischer in Erscheinung getreten, so wurde die Live-Frequenz bei ECHO WEST seit dem letzten Jahr wieder erhöht. Mit mittlerweile neuem Personal – DIRK T. KLEIN standen zwei Keyboarder zur Seite, von denen keiner ADRIAN KÖHLER war – präsentierte man jedenfalls einen guten Querschnitt aus dem Schaffen der Band, die seit jeher im Spannungsfeld von Minimal Elektronik, Angst Pop und Industrial agiert. Ob des quasi Heimspiels und der wie üblich recht zugänglichen Musikauswahl, die von „So kalt“, über das flotte „Hitchhike To Biscuitland“ bis hin zum düsteren, immer noch zuschlagenden Klassiker „Some Thought Us Dead“ reichte, gelang es ECHO WEST auf jeden Fall, deutlich positive Reaktionen im Publikum zu erzeugen. Unterstützt wurde der Auftritt zudem von Videoprojektionen. Einzig DIRK T. KLEIN wirkte bei früheren Auftritten schon einmal agiler und sicherer. Nachdem gerade erst eine neue Platte seines Projekts SILENT SIGNALS herausgekommen ist, wird es auf jeden Fall Zeit für ein neues ECHO WEST Album, das auch bereits für die nächste Zeit angekündigt ist.

Der Auftritt von PARADE GROUND fiel hingegen nicht so positiv aus, so dass sich die Reihen im Konzertverlauf doch deutlich lichteten. PARADE GROUND sind, so muss man es wohl schonungslos sagen, eine der Bands, die schon in den 80ern eigentlich niemanden so richtig interessiert haben (klar, heute sind das natürlich alles Kult-Bands), sich aber nun in den Reigen von Bands einreihen, die einem nach 20 Jahren Reihenhausleben noch einmal zeigen wollen, wie man die eigene Mittelmäßigkeit möglichst peinlich zelebriert. Angefangen hat die Band Anfang der 80er Jahre. Seitdem hat man immer mal wieder Maxi-Singles veröffentlicht, die irgendwo dem Bereich Cold Wave, Minimal Elektronik und später dem aufkommenden, belgischen EBM-Sound verhaftet waren. Als Überblick über das Schaffen der Band reicht eigentlich, die im letzten Jahr erschienene Zusammenstellung „Golden Years“ – mehr braucht man definitiv nicht zu kennen. Dabei wird deutlich, dass der Band erst die gewisse Schärfe und Kompaktheit, später der zupackende Sound der Zeit fehlte. Das letzte 89er Album ist dann auch gar nicht mehr erschienen, sondern wurde dieser Tage erstmalig auf Vinyl veröffentlicht. 2007 beehrte uns das Brüderpaar PAULY dann mit dem unterirdisch schlechten Comeback-Album „Rosary“ und tritt seitdem auch wieder live auf. Da ich die Band seitdem bereits schon live gesehen hatte, befürchtete ich, dass sie es auch dieses Mal nicht schaffen würde, die alten Hits einfach einigermaßen vernünftig auf die Bühne zu bekommen – und es dabei auch bewenden zu lassen. Stattdessen gerierten sich zwei ältere Herren (und das schreibe ich!) wie zwei leider nicht jung gebliebene Amateur-Rockstars. Einzelne Stücke waren kaum zu erkennen, weil alles wie ein nicht enden wollender, uninspirierter Matsch aus den Boxen quoll – die Technik trug hier keine Schuld. Dazu schrie/sang der Sänger auf einer Tonhöhe ohne Variation – den ganzen Auftritt lang. Selbst das schmierig-synthpoppige „Strange World“, das aus unerfindlichen Gründen auch auf dem stilbildenden „This is Electronic Body Music“-Sampler enthalten ist, und weswegen den meisten Leuten heute PARADE GROUND überhaupt bekannt sein wird, war nur beim zweiten Hinhören überhaupt zu erkennen. Statt solche Leichen zu reaktivieren, was in den letzten Jahren leider viel zu häufig passiert, sollte man aus meiner Sicht lieber jungen Bands eine Möglichkeit geben.

Danach konnte man sich auf einen Auftritt des Amerikaners SEAN MC BRIDE – der auch mit XENO & OAKLANDER aktiv ist – mit seinem Solo-Projekt MARTIAL CANTEREL freuen, das man im Ruhrgebiet in den letzten Jahren glücklicherweise doch recht häufig sehen konnte. Was Auftritte von MARTIAL CANTEREL ausmacht, ist, dass die minimale Elektronik komplett live gespielt wird. Folglich sind die Konzerte nicht mit einer spektakulären Bühnenshow gesegnet, sondern faszinieren eher durch den Spaß am Zusehen und Miterleben, wenn SEAN MC BRIDE mit seinen Sequenzern, Appregiatoren und Modularsystemen hantiert und dabei noch singt - wobei er diesmal aus Gründen der Tourneeökonomie auf größere Synthesizer verzichtet hat. Ob es daran lag oder es andere Schwierigkeiten gab, die dazu führten, dass das Set nicht ganz so rund lief wie sonst, lässt sich schwer sagen. Jedenfalls gab es doch einige Brüche und Ungenauigkeiten, die man von ihm sonst nicht gewohnt ist. Letztlich war SEAN MC BRIDE aber auch angetreten, neues Material zu spielen, hatte er die Tour-EP „Empire“ doch extra im Gepäck. Die Auswahl der Stücke schwankte so insgesamt zwischen hypnotischen, in sich wirbelnden Stücken und den üblichen, offenen und flotten Minimal Elektronik Hits.

Als letzte Band des Abends kamen schließlich THE KLINIK auf die Bühne, die live mittlerweile ja wieder nicht mehr in der klassischen Besetzung VERHAEGEN/IVENS auftreten, weil MARC VERHAEGEN aus gesundheitlichen Gründen auf der Bühne von PETER MASTBOOMS, der für Live-Effekte zuständig ist und als VJ fungiert, vertreten wird. Da THE KLINIK live ohnehin nie die Band war, die mit großartig alternativen Versionen gearbeitet hat, ist das vielleicht einigermaßen zu verschmerzen. Gerade die typischen Fanfaren-Einlagen von MARC VERHAEGEN und natürlich die Präsenz des Soundtüftlers fehlen einem dann aber irgendwie doch. Was einem an dem Werk von THE KLINIK gerade in den letzten Jahren auffällt, ist, dass der Sound der Band nicht derart gealtert ist, wie es bei vielen 80er Jahre Bands der Fall ist. Das liegt natürlich daran, dass analoge Elektronik in den letzten Jahren wieder schwer im Kommen ist und somit ein Bewusstsein für diese Klanglandschaften bis hinein in den Mainstream erhalten geblieben bzw. neu entstanden ist. Das liegt aber auch an der kompromisslosen Individualität des Sounds, da man Trends, jedenfalls in der klassischen Formation, nie hinterher gelaufen ist. Die Einordnung von THE KLINIK unter dem Begriff Electronic Body Music, nur weil die Band zufällig auch aus Belgien kam, ging ohnehin immer fehl. Gerade die experimentellen Instrumentals und auch harten Analog-Kracher waren dem Industrial immer wesentlich näher. Nicht so sehr wie einige Kollegen scheint auch DIRK IVENS gealtert zu sein, der sich immer noch mit vollem Elan in die Auftritte wirft, wobei zumindest dem älteren Publikum die Rückkehr zu den langen schwarzen Mänteln und dem bandagiertem Kopf als Bühnen-Outfit einen wohligen Schauer über den Rücken jagen dürfte. Dass die Setlist aus lauter Hits bestehen würde, war allen Anwesenden natürlich klar und somit kam bei den obligatorischen Stücken wie „Black Leather“, „Memories“ oder „Moving Hands“ ordentlich Bewegung in die vorderen Reihen. Zudem wurde wie auch zuletzt neues Material gespielt. Wann und ob das neue Album allerdings kommt, steht aufgrund der Umstände aber wohl immer noch in den Sternen. Ohne Zugabe ließ man THE KLINIK natürlich nicht gehen, sodass – nach einem Maskenwechsel – noch einmal nachgelegt wurde.

Schon im Vorfeld des Festivals wusste man eigentlich, was einen erwarten würde. Umso schöner, dass auch alle Erwartungen soweit der Wirklichkeit entsprachen. Die Besucherzahlen bestätigten jedenfalls, dass man mit dem Line-up auf der richtigen Spur war. Eine Fortsetzung wäre also nicht nur von mir zu begrüßen.


 
Tony F. für nonpop.de



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