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Dominik T.

Schwedischer Death Metal

"Dark were the thorns of crimson death"


Schwedischer Death Metal
Kategorie: Spezial
Wörter: 769
Erstellt: 09.07.2009
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DANIEL EKEROTH: Schwedischer Death Metal
Aus dem Englischen von ANDREAS DIESEL, INDEX VERLAG (Zeltingen-Rachtig), 2009, 487 Seiten

Eins vorneweg: DANIEL EKEROTHs Geschichte des „Schwedischen Death Metals“ ist für Interessierte ein absoluter Meilenstein, ein Referenzwerk, an dem jeder, der sich mit skandinavischem Death Metal, aber auch mit Black Metal und Grindcore beschäftigen will, nicht vorbei kommen kann. Dies obwohl schon nach den ersten paar Seiten klar wird, dass EKEROTH nicht wirklich ein begabter Schriftsteller ist und er all die wissenswerten Dinge, die sein Buch interessant gestalten, zuweilen etwas unbeholfen aneinander kettet. Erschwerend hinzu kommt, dass es anders noch als bei „Lords Of Chaos“ und dem norwegischen Black Metal, der hier nur rudimentär gestreift wird, außer ein paar Sauf-Anekdoten, nicht viel Außermusikalisches zu erzählen gibt: Keine Morde, keine abgebrannten Kirchen und auch nur ziemlich wenig andere besondere Vorkommnisse.
Bis auf einen mickrigen Versuch in der Einleitung verzichtet EKEROTH auf jede sonst wie geartete soziologische oder philosophisch-ästhetische „Tiefendimension“, und doch bleibt das Urteil, es hier mit einem unverzichtbaren Standardwerk zu tun zu haben, aber eben mit der Einschränkung „für Interessierte“, man könnte auch schreiben „für Nerds“, denn nur solche lassen sich von einem mittelmäßig geschriebenen Buch überzeugen, dessen einziges Kaufargument der enorm hohe Informationswert zu einem relativen Nischenthema ist, und bei dem sonst nichts Erhellendes abfällt, nichts über „Jugend in den späten 80ern“, nichts über das Leben in schwedischen Kleinstädten und auch nichts über Horror- und Splatter-Ästhetik, sondern tatsächlich nur geballte Information zu Band X und Album Y.

Doch zurück zum Anfang, um was geht es? Um „Schwedischen Death Metal“. Wir erinnern uns: „Death Metal“ assoziiert man gemeinhin mit Bands wie DEATH, POSSESSED, AUTOPSY oder ENTOMBED, klassisches Merkmal der Musik sind die heruntergestimmten Gitarren, der Growl-Gesang, sowie die morbiden, aber eigentlich auch eh nicht zu verstehenden Texte. Seine Glanzzeit hatte das Genre etwa von 1987 bis maximal 1992, in den frühen 80er Jahren ist es besser, man spricht von einer Thrash/Black- und Death Metal-Ursuppe, zu sehr überschnitten sich noch die typischen Charakteristika dieser Stile. Sowieso ist das Verhältnis des Death Metals zum Black Metal schillernd, in der angesprochenen Death Metal-Glanzzeit schien der Black Metal ein albernes Relikt der frühen Achtziger zu sein und Death Metal sein historischer Nachfolger, als jedoch vor allem der norwegische Black Metal zu seinem auch kommerziellen Höhenflug ansetzte, war es wiederum der Death Metal, der belächelt wurde. Heute scheint eine Art friedliche Koexistenz erreicht: Einerseits gibt es wieder einen Haufen Bands, die jenen Black/Death-Ursuppenstil der frühen Achtziger modernisiert aufführen, andererseits gibt es eine Vielzahl an Death Metal-Bands, die ein durchweg anderes Publikum ansprechen als heutige Black Metal-Gruppen. Dass also von zwei Genres geredet wird, ist nicht nur aus musikalischen, sondern auch aus Gründen unterschiedlicher Vertriebswege und Ästhetik gerechtfertigt. 



Nichtsdestotrotz darf man, ohne einem Death Metal-Fan zu nahe zu treten, festhalten, dass der Death Metal vor allem deshalb noch existiert, weil er offensichtlich eine Menge Spaß bereiten kann und einfach so weiter läuft,  ganz so als hätte "die Geschichte" ihm vergessen den Saft abzudrehen. "Death Metal" ist, bei aller Liebe, keine grundsätzlich „aufregende Sache“ mehr, von der irgendwie geartet noch Impulse hin zu etwas "Neuem" ausgehen. Dementsprechend sind alle Klassiker des Genres schon seit vielen Jahren veröffentlicht.
Schauen wir also zurück in die glorreichen Jahre vor der Black Metal-Welle. Damals war die Death Metal-Welt in zwei Hälften geteilt, die eine blickte nach den USA, vornehmlich Florida, die andere nach Schweden. Die Situation war, so meinen Spötter, durchaus ein wenig mit dem „Kalten Krieg“ vergleichbar, und nur wenige Bands (österreichische, finnische und englische) hatten die Kraft, in Neutralität zu verharren, indem sie einen halbwegs eigenen „Death Metal-Stil“ entwickelten.
Im Buch von DANIEL EKEROTH soll es also, zumindest dem Titel nach, um die eine Hälfte, den Schwedischen Death Metal gehen, und da fängt es schon an schwierig zu werden, denn unter „Schwedischem Death Metal“ versteht man vor allem einen Sound, der im Stockholmer SUNLIGHT-Tonstudio von Bands wie NIHILIST/ENTOMBED entwickelt wurde, ferner wiederum vielleicht noch einen anderen Stil, der einige Jahre später um die schwedische Stadt Göteborg entstand. Darüber hinaus schienen die skandinavischen Death Metal-Bands auch von ihrem musikalischen Hintergrund und ihrer optischen Präsentation aus anderen Welten zu kommen als ihre us-amerikanischen Kollegen. So waren sie in der Regel stärker in Punk und Hardcore verwurzelt und eher so gekleidet, wie es später zu Zeiten der Grunge- und NIRVANA-Welle Mode wurde (d.h. Jeans, Flanellhemd, Jeans oder Lederjacke, lange Haare und fertig), während der „Death Metaller“ aus Florida, USA, schon etwas mehr, sowohl auf musiktechnische Fähigkeiten als auch auf sein Äußeres achtete, also eitler war.


 
Dominik T. für nonpop.de


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