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Tony F.

SKINNY PUPPY: Mythrus-Tour

Live in Utrecht


SKINNY PUPPY: Mythrus-Tour
Kategorie: Spezial
Wörter: 676
Erstellt: 10.08.2007
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Leider war die Anzahl der europäischen Termine der "Mythrus-Tour" von SKINNY PUPPY sehr begrenzt. Von daher ließ es sich nicht vermeiden, an einem Montagabend nach Utrecht zu fahren, um einer regulären Club-Show beiwohnen zu können. Dass wir nicht alleine mit unseren Überlegungen waren, zeigte uns die doch größere Präsenz deutschsprechender Besucher im mitten in der Innenstadt an einer urigen Gracht gelegenen TIVOLI. 

Den Abend in dem gut gefüllten Club eröffnete das Solo-Projekt OTTO VON SCHIRACH mit einer recht wirren und skurrilen Show. Digitaler Laptopkrach, der nur wenige Songstrukturen – einige davon aber tatsächlich dem Black-Metal entliehen – oder erkennbare Rhythmusmuster zu Tage treten ließ. Das Ganze muss man sich dann noch gepaart mit Death-Metal-Growls und einer erheiternden Bühnenshow des in eine Art Black-Superman-Kostüm mit Nietenarmbändern gehüllten Künstlers vorstellen. Sicherlich auf seine Art radikal aber nichts für mich. 

Der Hauptact ließ einige Zeit auf sich warten, aber schließlich erlosch dann doch das Licht und die ersten wuchtigen Klänge des Eröffnungsstücks "Anger" erklangen. SKINNY PUPPY sind aktuell wieder nur zu dritt – ohne Gitarristen – unterwegs, was die Dominanz der Elektronik glücklicherweise fast wieder absolut erscheinen ließ. CEVIN KEY bediente die Keyboards und anderes Gerät, während JUSTIN BENNETT, der nach Interviewaussagen wohl langsam ein festes Bandmitglied ist und dessen Integration in die Band auch live zu bemerken war, am Schlagzeug saß. NIVEK OGRE (Gesang) besetzte mit seiner von innen angestrahlten Leinwandbox, in die er immer wieder verschwand, um mit allerhand Utensilien symbolhafte Schattenspiele aufzuführen, die linke Seite der Bühne. 

"Anger" ist für den Fan sicherlich die optimale Eröffnung. Dieses extrem wuchtige und aggressive Stück katapultiert einen direkt und ohne Umschweife in die verstörende Welt von SKINNY PUPPY, und es wird deutlich, warum die Band immer wieder dem Industrial zugeordnet wird und wurde, obwohl sie selbst dies immer abgelehnt hat. Dass man nicht unbedingt eine geruhsame Show zu erwarten hatte, machte die Band gleich im Anschluss mit dem sperrigen aber wohl einem als Höhepunkt des letzten Albums "Mythmaker" zu bezeichnenden "Ugli" deutlich. Von der neuen Platte wurden zudem mit "Pedafly" und "Politikil" eher die drängenderen Stücke live präsentiert. Lediglich "Haze" vertrat den ruhigeren Teil dieses Werks. Insgesamt gefiel es mir sehr gut, dass man die Setlist gegenüber der letzten Tour radikal umgekrempelt hatte. Stand die "The greater wrong of the right"-Tour konzeptionell doch sehr unter dem politischen, gegen die Bush-Administration gerichteten Stern, so ist die "Mythrus"-Tour keinem so erkennbaren globalen Konzept unterworfen. Dies machte sich auch an der Hintergrundprojektion bemerkbar, die nach den anklagenden Bildern der letzten Tour eher nur aus undefinierbaren Elementen bestand und mich nicht so gefangen nahm wie bei früheren Konzerten. 

Die Mischung aus alten und neuen Stücken war optimal, da neben den erwähnten Songs vom letzten Album und "I'mmortal", dem Höhepunkt vom vorletzten Album, auch genügend Klassiker wie "Dig it", "Tormentor" oder "Worlock" zum Einsatz kamen. Zu meinem Leidwesen wurde allerdings nichts von der "Last Rights" gespielt, dafür wurde mit "Hardset Head", "Amnesia" und der letzten Zugabe "Blue Serge" erstaunlich viel vom eher ungeliebten "The Process"-Album gespielt. Die Bühnenshow NIVEK OGREs war wie immer extravagant und theatralisch, wenngleich nicht mehr ganz so dem Wahnsinn nahe scheinend wie zu früheren Zeiten. Für meinen Geschmack war die Stimme allerdings insgesamt zu sehr nach hinten gemischt. CEVIN KEY wirbelte hinter seinen Keyboards, Pads und Controllern herum und sorgte wieder einmal dafür, dass sich trotz der Elektronik ein durchdringendes Live-Erleben einstellte. Gerade in den Passagen, in denen JUSTIN BENNETT und CEVIN KEY zusammen jamten, zeigte sich, wie ein Elektronik-Konzert auch aussehen kann. Wer das Tondokument "Puppy Gristle" der Session von SKINNY PUPPY mit GENESIS P. ORRIDGE und LARRY THRASHER (ex-PSYCHIC TV) kennt, weiß, wie sowas klingen kann. 

Nach ca. 80 Minuten war der offizielle Teil vorüber. Das an diesem Abend äußerst agile Publikum bekam mit dem "Remission"-Klassiker "Far too frail" und dem bereits erwähnten "Blue Serge" aber natürlich noch seine Zugaben, bei denen ein sichtlich gelöster NIVEK OGRE zu bestaunen war. Fazit: der ganz große Wahnsinn wird bei SKINNY PUPPY vielleicht nicht mehr zelebriert. Dennoch schafft es die Band immer noch, ein absolut stimmiges und beeindruckendes Live-Erlebnis zu schaffen. Brap on.


 
Tony F. für nonpop.de


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