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Tony F.

WGT 2007 Bericht II


WGT 2007 Bericht II
Kategorie: Spezial
Wörter: 1635
Erstellt: 31.05.2007
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Freitag 

Der Beginn des WGT ähnelt sich im Grunde von Jahr zu Jahr. Zunächst steht man im Verkehrsstau auf der Autobahn und später dann im Stau bei der Bändchenausgabe. Am Freitag vor Pfingsten fanden wir uns also an der Bändchenausgabe vor dem WERK II ein, um das diesjährige WGT einzuläuten. Im WERK II vernahmen wir dann noch die letzten, ja, eher gruseligen Klänge von FETISCH:MENSCH, bevor dann pünktlich um 21 Uhr auch für uns das WGT musikalisch begann. 

Der Headliner an diesem Abend war nämlich keine geringere Band als die bereits im Vorfeld groß angekündigten ABSOLUTE BODY CONTROL. ABSOLUTE BODY CONTROL sind Dirk Ivens (DIVE) und Eric van Wonterghem (INSEKT, MONOLITH), die heute auch unter dem Projektnamen SONAR, einem Instrumentalprojekt, zusammenarbeiten, die aber schon in den frühen 80er Jahren eben in der vorgenannten Formation unterwegs waren - also noch bevor Dirk Ivens und Eric van Wonterghem - letzterer nur sporadisch - bei THE KLINIK mitmischten. Im gut gefüllten WERK II lieferten die beiden Musiker eine erstklassige Show ab, die für mich zu einem der Höhepunkte des WGT avancierte. Während Dirk Ivens mit seinen typischen Vocals die Songs nach vorne trieb, bearbeitete Eric van Wonterghem die Synthesizer und die elekronischen Drum-Pads. Den beiden gelang es dabei hervorragend, den Bandsound in die heutige Zeit zu transportieren, ohne den Charakter der Musik zu verändern. Auf modische technoide Elemente o.ä. wurde komplett verzichtet. Stattdessen wurden die alten eher schwachbrüstigen Drum-Computer und Synthesizer-Sounds durch druckvolle und knackige Synthesen ersetzt. Titel wie "Figures", "I wasn´t there", die erste Single "Is there an exit?" oder die als Zugabe gespielten "Do you feel it inside" und das live mächtig überzeugende "So obvious" ließen bei den Fans wohl keine Wünsche offen. 

Im Anschluss begaben wir uns zum Völkerschlachtdenkmal, wo bei leider strömendem Regen ein rund halbstündiges Lichtspektatel mit der musikalischen Untermalung durch IN THE NURSERY veranstaltet wurde. Das Völkerschlachtdenkmal wurde teilweise von innen bzw. außen beleuchtet, in Rauch gehüllt, oder einzelne Teile wurden mit Strahlern in Szene gesetzt. Klive und Nigel Humberstone standen jeweils in einem Pavillon rechts (Keyboards) und links (Perkussion) am Fuß des Denkmals und lieferten die passende neoklassische Untermalung zu der Lichtshow. 

Zurück am AGRA-Gelände begaben wir uns in die AGRA-Halle, um die Live-Premiere des Endzeit-Elketro-Projekts THE RETROSIC mitzuerleben. Nach dem mehrminütigen mit elektronischem Grollen untermalten Countdown, startete eine überzeugende, vielleicht hier und da etwas zu theatralische Show, die nur wenige Wünsche offen ließ. Einzig den Schlagzeuger würde ich aufgrund des etwas undynamischen Spiels mal gerne zur Anschauung auf ein Konzert von FRONT 242 oder FRONTLINE ASSEMBLY schicken. 

Samstag

Am Abend rief natürlich das Konzert der DAME MEDIOLANENSI in die Krypta des Völkerschlachtdenkmals, das sehr atmosphärisch ausfiel und von der Umsetzung her überzeugte. Einzig die Zugabe war mir dann doch etwas zu lang und zu anstrengend - hätte ich mir hier doch noch ein etwas perkussiveres Stück vielleicht von der "Campo di Marte" gewünscht. 

Nach diesem Konzert gab es dann ein für mich wohltuendes Kontrastprogramm. Wer kennt nicht das Sample "Alles was drin ist!" aus "Das Boot", das FRONT 242 in "Im Rhythmus bleiben" verwenden? Unter eben diesem Motto könnte man das Konzert der Band in der wirklich randvollen AGRA-Halle fassen. Das Set begann mit dem Eingangssample zu "Funkahdafi", und im weiteren Verlauf wurde deutlich, dass es ein Konzert mit einerseits sehr alten Klassikern ("Commando", "Take one", "U-men") aber auch ungewöhnlich vielen Stücken der letzten beiden Veröffentlichungen ("Together", "7Rain", "Collision") wurde. Höhepunkte waren sicher "Until death" oder auch "Happiness" und "Headhunter", bei denen die gesamte AGRA-Halle regelrecht kochte. Als Zugaben hatte man sich noch den absoluten Klassiker "Kampfbereit" ausgesucht, der in deutscher und französischer Sprache vorgetragen wurde und bei dem Jean-Luc de Meyer sogar eine Textzeile aus "Radioaktivität" von KRAFTWERK rezitierte. Den endgültigen Abschluss dieses hervorragenden Konzerts bildete schließlich "Punish your machine", das sich zum Ende in ohrenbetäubendem digitalen Krach verlor. Nach wie vor muss ich sagen: was für eine Live-Präsenz.

Sonntag

Am Morgen zog es uns bei unbeständigem Wetter in das Heidnische Dorf, um uns dort etwas umzusehen. Zudem konnte man dem rund halbstündigen Auftritt von FAUN beiwohnen, die ein eher traditionelleres Set spielten. Am Nachmittag fanden wir uns etwas frustriert darüber, dass wir es zu ESTAMPIE und QNTAL aufgrund der Überfüllung des SCHAUSPIELHAUSES nicht geschafft hatten, am Kreuz Connewitz ein, um uns BRIGHTER DEATH NOW im UT-CONNEWITZ anzuschauen. Leider muss ich an dieser Stelle ein sehr unrühmliches Kapitel des diesjährigen WGTs aufschlagen. Direkt an der Kreuzung stand nämlich eine größere Anzahl von Polizisten. Wir sahen eine größere, sagen wir mal demonstrierende, Menschenmenge vor dem UT-CONNEWITZ und zu unserer Rechten wurde gerade ein Konzertbesucher notärztlich behandelt. Auslöser war offenkundig, wie auf einem Plakat zu lesen, die Band STORMFAGEL, die bereits gespielt hatte. In Anbetracht der Lage sprach ich die Polizisten an, die mir dann sagten, dass einige Leute wohl nicht mit den Bands und dem Kleidungsstil der Konzertbesucher einverstanden seien. Insgesamt war es zu Pöbeleien bis hin zu körperlicher Gewalt gekommen. Aufgrund der Unübersichtlichkeit der Lage verzichteten wir daraufhin auf einen Konzertbesuch, wobei meiner Meinung nach die Polizei insgesamt keine gute Figur abgab. Eine aller Wahrscheinlichkeit nach nicht angemeldete Ansammlung von Menschen ist allerspätestens bei dem Einsetzen von Übergriffen aufzulösen. Leider gab es im Rahmen des diesjährigen WGT noch andere unschöne Ereignisse, wobei es auch zu Pöbeleien während eines Konzerts im Heidnischen Dorf kam. Insgesamt würde ich der Organisation des WGT raten, das UT-CONNEWITZ konsequent aus allen zukünftigen Planungen zu streichen. Wenn die Sicherheit der Konzertbesucher nicht mehr gewährleistet ist, dann sollte man den Veranstaltungsort schlicht aufgeben. 

Während der nun zur Verfügung stehenden Zeit unterhielten wir uns eine Weile mit dem Kioskbetreiber vor dem WERK II, der ein LAIBACH-Fan war und mich auf mein Shirt ansprach - eben über LAIBACH  - und wir schauten kurz im WERK II vorbei, wo uns ARCHITECT und WARREN SUICIDE nicht wirklich überzeugten. Schließlich zog es uns in den ANKER. Der Abend wurde von ALL MY FAITH LOST eingeläutet, die ich sowohl auf Platte als auch live einfach belanglos finde. Nach LUX INTERNA gingen ROME auf die Bühne, die mich mit ihrer Show im Gegensatz zu dem ärgerlichen Ein-Mann-Auftritt in Arnheim vor einigen Monaten doch mehr überzeugten. Jerome Reuter hatte noch einen Bassisten und einen Trommler mitgebracht, der auch einmal den Gesang übernahm. Insgesamt wurden mir etwas zu viele ruhige Stücke gespielt und der Trommler hatte doch deutlich zu kämpfen. Der Auftritt, der einen Querschnitt durch alle bisher erschienenen Veröffentlichungen bot, endete, nachdem man sich beim regulär letzten Stück schön in "Nada"-Cover-Formation aufgestellt hatte, zudem kurioserweise mit einer Zugabe, die als neues Stück angekündigt wurde. 

Die folgenden ATARAXIA empfanden wir persönlich als etwas zu anstrengend, so dass wir den ANKER frühzeitig verließen. 

Montag 

Der letzte WGT-Tag bescherte noch einmal einige interessante Veranstaltungen. Am Abend fanden wir uns im KOHLRABIZIRKUS ein, um DIVE zu sehen. Wir hatten DIVE schon einige Wochen zuvor in Belgien gesehen, so dass die Setlist nicht wirklich überraschend war. Aber gleich mit dem zu Beginn gespielten "Snakedressed" war man schnell im Geschehen. Dirk Ivens spielte wie üblich alleine und mit zeitweiligem Megaphon-Einsatz eine Art Best-of-Programm, das mit Stücken wie "Machine gun baby", "Lost inside you" oder "Blood Money" mächtig nach vorne ging. Nach der Zugabe des SUICIDE-Klassikers "Rocket U.S.A." endete dieser kurze aber knackige Auftritt dann auch schon. 

Beim letzten Ton verließen wir die Halle, um zur nahegelegenen KUPPELHALLE zu wechseln. Die Schlangen am bereits geschlossenen Eingang des KOHLRABIZIRKUS ließen uns ahnen, dass hier wohl nicht mehr alle die folgenden Bands sehen würden, was dazu führte, dass einem später einige offensichtlich nicht zur KUPPELHALLEN-Klientel gehörige Besucher über den Weg liefen. In der KUPPELHALLE selbst spielten gerade KAMMER 7, die zu sechst, mit der Unterstützung von Musikern von TRAUMER'LEBEN, die am Abend zuvor im Heidnischen Dorf ihr erstes Album präsentiert hatten, und einem Musiker von ALL MY FAITH LOST auf der Bühne waren. 

Im Anschluss gingen GOLGATHA zu dritt und maskiert auf die Bühne. Biedert man sich schon auf den Alben den alten World-Serpent-Größen an, dann konnte man bei dieser, in der Umsetzung eigentlich nicht schlechten Performance nur noch von einem "Look-alike-contest" sprechen. Irgendwie hatte man den Eindruck einem Gemisch von DEATH IN JUNEs "Death of a man", Tibet´schen sowie Leagas´schen Gesangsparts und bekannten Akustikgitarreneinsätzen zuzuhören. Folgerichtig wurde im Verlauf des Konzerts auch eine im Refrain arg hingesungene "Death of the West"-Version gespielt. 

APOPTOSE überzeugten mich im Anschluss mit ihrer abermaligen Präsentation des "Blutopfer"-Materials zusammen mit dem Fanfarenzug Leipzig voll und ganz. Man wurde nahezu in das Ritual mit hineingezogen. Allerdings wurde auch ruhigeres, neues Material aus "Das Schattenmädchen" berücksichtigt. 

Wie JESUS & THE GURUS mit ihrem Military-Goth-Rock in diese Blockung gerutscht sind, das wissen wohl nur die Organisatoren des WGT allein. Insgesamt ein völliger Stilbruch, eine miese musikalische Leistung - warum meint eigentlich jeder, er sei der geborene Trommler - und eine schlimme Bühnenshow, die völlig unmotiviert und wahrscheinlich alleine dem Sex-Sells-Gedanken verpflichtet, durch eine kurze SM-Einlage unterbrochen wurde. Naja, allerdings hatte die Performance der beiden leicht bekleideten Damen nichts mit fachmännischen SM-Techniken zu tun. Das Gertengeschlage der einen Dame sah dann auch eher nach Fliegen-Klatschen aus, als nach SM. Nun denn. 

Als letzte Band des Abends gingen DERNIERE VOLONTE auf die Bühne, deren Show nahe an der von uns zuletzt gesehenen in Übach-Palenberg lag. Der Sound war insgesamt allerdings besser, sodass Pierre Pis Trommeleinsätze deutlicher herausstachen. Insgesamt agieren die beiden immer lockerer auf der Bühne und verstanden es, das Publikum letztlich auch in Bewegung zu versetzen und sich selbst zu feiern. Die Setlist beinhaltete ausreichend Hits, samt des hervorragenden neuen "Toujours" von der Tour-Single. "Achtung!" wurde leider nicht gespielt, dafür spielte man "La source" als letztes Stück. 

Insgesamt war es trotz der unschönen Zwischenfälle wieder ein recht nettes WGT, wobei der Neofolk-spezifische Bereich und Anverwandtes meiner Meinung nach diesmal nicht so stark besetzt war wie in den Jahren zuvor.


 
Tony F. für nonpop.de


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