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Im Gespräch: Kim Larsen


Im Gespräch: Kim Larsen
Kategorie: Spezial
Wörter: 3172
Erstellt: 02.09.2006
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Künstler sind schon ein eigenes Volk. Es muß vor der Wintersonnenwende 2005 gewesen sein, als ich die folgenden Fragen an Kim Larsen, seines Zeichens Kopf von :Of The Wand & The Moon:, schickte. Über ein halbes Jahr verging, bevor die Antworten kurz vor der Sonnenwende endlich eingingen. Allerdings brauchte auch ich über zwei Monate, um die Zeilen zu übersetzen. Und so sind wir dennoch froh, Euch endlich, einige Wochen vor der Tag-Nacht-Gleiche, dieses Gespräch präsentieren zu dürfen, sind doch einige Antworten recht interessant ausgefallen...


Lichttaufe: Hallo Kim! Also ersteinmal herzlichen Glückwunsch zum neuen Album! Sonnenheim hatte anscheinend eine schwere Geburt: Zwischen den Aufnahmen von :Emptiness:Emptiness:Emptiness: und Lucifer sowie Sonnenheim liegen vier verdammt lange Jahre, und das neue Album wurde bereits seit zwei Jahren immer wieder mal angekündigt. Was ist in all dieser Zeit geschehen?


Kim Larsen: Sonnenheim wurde schon Ende 2004 fertiggestellt, aber da Prophecy Productions (mein deutscher Vertrieb zu dieser Zeit) eine Box mit meinen ersten drei Alben und einigem Extrakram herausbringen wollte, hielt ich es für eine gute Sache, ersteinmal einen Schlußstrich unter die alten Sachen zu ziehen. Wir (Tesco und ich) wollten den Markt nicht mit :OTWATM:-Produkten fluten und eine kleine Zeit nach Veröffentlichung der Box verstreichen lassen. Da ich das Alte hinter mir lassen und in die Zukunft schreiten wollte, war als erste Veröffentlichung auf meinem eigenen Label auch die Wiederveröffentlichung der Midnight Will-EP geplant, die ja über Eislicht nur auf Vinyl veröffentlicht wurde und schon seit einiger Zeit ausverkauft ist. Sprich: Ich wollte den Backkatalog komplett herausbringen, um mich auf neue Taten konzentrieren zu können und um nicht dauernd in die Vergangenheit blicken zu müssen. Dann kam die Hail Hail Hail-Siebenzoll und dann auch schon die großen Druckprobleme mit Sonnenheim, das vom Presswerk nie wirklich richtig hingekriegt wurde. All diese Dinge kosteten eine Menge Zeit…


LT: Laß und noch ein wenig über die Vergangenheit reden, bevor wir auf Sonnenheim zu sprechen kommen: Lucifer wurde im Allgemeinen in Deutschland recht kritisch aufgenommen. Einige Leute sahen in diesem Album mehr eine Art “Resteverwertung” und warfen Dir vor, mit dem liegengeblieben Rest der :Emptiness-Aufnahmen nur noch etwas Geld machen und die Wartezeit auf das kommende Album verkürzen zu wollen. Was sagst Du zu solchen Vorwürfen?


KL: Eine ganze Menge der Sachen, die geschehen sind, lagen einfach nicht in meiner Hand. Wie Du schon richtig geschrieben hast, wurden das Emptiness³- und das Lucifer-Album zum selben Zeitpunkt aufgenommen. Mein Plan war, das Lucifer-Album ungefähr sechs Monate nach Emptiness³ herauszubringen, aber die Plattenfirma (Euphonius Records/Voices Of Wonder) verzögerte immer wieder das Veröffentlichungsdatum. Ich wollte aber auch kein Doppelalbum herausbringen, da ich dachte, daß dies zu viel Musik auf einmal für die Leute werden und alles etwas verschwommen wirken würde. Es lag also an mir, und das ist auch tatsächlich meine Sicht der Dinge: Mich selbst zufriedenzustellen und meinen Willen durchzusetzen. Ich glaube aber auch, daß meine Plattenfirma ebenfalls an keinem Doppelalbum interessiert war. Daneben war ich auch mit den Aufnahmen zu einem anderen Album auf demselben Label mit einem anderen Projekt von mir, The Loveless, beschäftigt und Euphonius/VME wollte es nicht zusammen mit Lucifer herausbringen. Ich war dazu verdammt, zu warten, und die Zeit verstrich…


Die Dinge entwickelten sich jedenfalls sehr frustrierend für mich, am Ende schien nichts mehr zu klappen und ich fragte sogar an, ob ich die Rechte an den Aufnahmen zurückkaufen könnte, da ich dachte, daß sie total das Interesse an :OTWATM: verloren hätten. Keine Ahnung, ob sie das zum Handeln brachte, aber schlußendlich kam das Album eine ganze Reihe an Jahren später als ich dachte doch noch heraus. Und all jenen, die meinen, ich hätte Lucifer nur des Profits wegen veröffentlicht, kann ich nur sagen, daß ich einer anderen Art von Musik oder diversen anderen Jobs nachgehen würde, wenn es mir nur um das Geld gehen würde…


LT: Du hast ein neues Zuhause für Sonnenheim gefunden, indem Du Prophecy verlassen und Deinen eigenen Verlag Heiðrunar/Myrkrunar im Vertrieb von Tesco gegründet hast. Wie kam das zustande?


KL: Schon seit ich :OTWATM: aus der Taufe hob, wollte ich immer mein eigenes Label aufziehen, aber die finanziellen Aspekte dahinter erschwerten die Realisierung. Aber mit den Jahren eröffnete sich mir wieder diese Gelegenheit. Es war Zeit, vorwärts zu gehen, und ich denke so nahm alles seinen natürlichen Lauf. Ich bin sehr glücklich mit dem aktuellen Stand der Dinge im hier und jetzt.


LT: Kommen wir nach unserem Ausflug in die weite Öde der Geschäftswelt wieder zurück zur Musik: Ich finde, daß Sonnenheim Dein bisher positivstes Album ist. Bis zu seiner Veröffentlichung verbanden die meisten Hörer mit Deiner Musik wahrscheinlich eher nordische Melancholie. Man sieht diese Entwicklung schon an der äußeren Gestaltung: Die Hülle ist geschmackssicher zum Großteil in den Farben gold und weiß gehalten, während ihre Vorgänger immer durch eine gewisse Düsternis bestachen. Das alles paßt perfekt zum Hauptthema von Sonnenheim: Die Sonne. Ist das „nur“ eine musikalische und optische Entwicklung oder steckt dahinter auch, wie ich vermute, eine persönliche?


KL: Nun, ich befinde mich nunmehr in einem anderen Lebensabschnitt als zu jenem Zeitpunkt, als ich die Vorgängeralben aufnahm. Ich bin jetzt in der Lage, auch einen Blick in die Außenwelt meines immer noch (und ich schätze mal recht starken) introvertierten Charakters zu nehmen. Auf jeden Fall lyrisch gesehen. Ich mag es auch, mich immer ein Stück weit vorwärts zu bewegen und nicht immer das ewig gleiche Album immer wieder neu aufzunehmen. Und so kann ich schon jetzt weitere Veränderungen beim nächsten Album versprechen…


LT: Du singst in "Lost In Emptiness" vom Emptiness³-Album:


"Lost in emptiness - in the shadow of your flame
Nothing will heal the wound - nothing will break the curse"

Da scheint

"Your ignorance has slain your gods
your emptiness will slay your heart"

vom Lied "Winter Solstice" auf Sonnenheim fast konträr dazu zu stehen.
Über welche „Leere“ singst Du? Die Spirituelle der westlichen Gesellschaft? Oder liege ich vollkommen falsch im Bezug zu "Winter Solstice" und der Text hat einen eher persönlichen Charakter? Besteht eine Verbindung zum Emptiness³-Album? Mir erscheint der neue Text wie ein Ausdruck persönlicher Entwicklung…



KL: Dank Dir. "Winter Solstice" und "My Black Faith" sind die zwei ältesten Lieder vom neuen Album. Ich weiß, daß es vielleicht eine irritierende Antwort sein muß bei all den Leuten, die Du interviewst, aber ich mag es nicht, zu sehr auf den Inhalt meiner Texte einzugehen. Dies zerstört wirklich die Magick des Ganzen. Einige Sachen meine ich sehr spezifisch und nur auf eine Sache bezogen, andere nicht. Einige Sachen mögen als Referenz an eine verlorene Liebe oder so was in der Art interpretiert werden, aber auch als allgemeine Leere von Dingen oder Zuständen. Oder andersherum. Einige Sachen sind rein intuitiv entstanden.


LT: Ich möchte Dich und die Leser nicht langweilen, aber doch noch etwas über “Entwicklung” reden. Deinem ersten Album Nighttime Nightrhymes folgte das Doppelalbum Emptiness³/Lucifer und nun Sonnenheim. Mit anderen Worten: Der Nacht folgte die Leere, bevor der Lichtbringer erschien und die Sonne brachte. Ist das soweit richtig? Wenn ja, handelt es sich um eine eher intuitive oder mehr um eine geplante Entwicklung?


KL: Eine sehr poetische Übersetzung, Danke! Ich würde schon sagen, daß diese Entwicklung überhaupt nicht geplant gewesen war. Es war eine absolut intuitive Entwicklung. Oder Schicksal.  Ich glaube in Bezug auf das Sonnenheim-Album entstand alles vollkommen natürlich. Als ich 2001 an jenem Sonnenwend-Blót teilnahm, von dem die Fotographien des Albums stammen, wußte ich, daß jene starke Bilder waren, um für eine Veröffentlichung benutzt zu werden. Dann erschien der Albumtitel einem Freund von mir und es schien auch wieder vollkommen natürlich zu sein, ihn für diese Veröffentlichung zu verwenden. Auch die Musik stellte sich, meiner Meinung nach, als heller und gewissermaßen auch gefühlshebender als zuvor heraus und auch mein Leben schien nach einer langen Periode der Leere gesegneter zu sein.


Als ich an der Gestaltung des Albums arbeitete, startete ich wieder mit dem herkömmlichen schwarzen „Look“, aber irgendwann realisierte ich, daß es weiß werden müßte. Das war vollkommen natürlich und intuitiv. Das war auch damals bei Nighttime Nightrhymes der Fall, die Texte handelten fast alle von der Nacht und zum selben Zeitpunkt fragte ich mich selbst, wie ich mein Projekt denn benennen sollte und es endete mit :Of The Wand & The Moon:. Der Zauberstab, um den magischen Aspekt, und der Mond, um die Inspiration durch die Nacht zu verdeutlichen.


LT: Zunächst einmal: Ich denke, daß Sonnenheim das beste :OTWATM:-Album seit Nighttime Nightrhymes geworden ist. Gleichzeitig muß ich aber auch sagen, daß Deine Musik sich mehr und mehr in die Musik von Death In June verwandelt hat. Nighttime Nightrhymes hatte eine sehr eigene Note, während Sonnenheim für viele Musikfreunde vielleicht das DIJ-Album ist, auf das sie seit der Rose Clouds Of Holocaust gewartet haben. Diese Ähnlichkeit drückt sich sowohl musikalisch ("My Black Faith" beginnt etwa sogar mit den gleichen Akkorden wie "Rose Clouds Of Holocaust") als auch lyrisch (etwa bei "Camouflage" oder "Hail Hail Hail II") aus. Was denkst Du darüber?



KL: Erst einmal: Ich liebe die Musik von Death In June, keine Frage. Und ich ernte viel Inspiration durch Douglas’ Musik. Aber ich spiele einfach nur die Art von Musik, die ich liebe. Ich habe kein Verlangen danach, ein neues Genre zu erfinde, indem ich Furzgeräusche durch einen Vakuumreiniger jage, nur um ach so interessant zu sein. Ich bin nicht dazu da, die Musikwelt zu revolutionieren, nur um einige Leute zufrieden zu stellen, ich möchte nur die Musik spielen, die ich auch persönlich mag und diese darüberhinaus vielleicht von Album zu Album perfektionieren.


Manchmal habe ich den Eindruck, daß einige Leute nichts Besseres zu tun haben als herumzusitzen und darüber zu nörgeln, wer den als erstes Neofolk gespielt hätte oder schon seit Anfang der Achtziger „true“ wäre. Ich habe vor vielen Jahren mal in einer Doom Metal-Gruppe (namens Saturnus, Richard) gespielt und als wir unser Debütalbum veröffentlichten, wurde es auch dauernd mit einer anderen Gruppe dieses Genres namens My Dying Bride verglichen. Für mich persönlich waren unsere Herangehensweise und unsere Musik vollkommen verschieden. Außer, daß eben beide Gruppen Doom Metal spielten. Und mit der Zeit wurde das Album in meinen und in den Augen anderer Leute zu einem unverwechselbaren Stück Musik für sich selbst. Heutzutage gebe ich nicht einen Scheiß um solche Dinge. Für Einige avancierte es sogar zu einem Klassiker des Genres.


Wie auch immer, ich glaube die Zeit wird uns verraten, ob dasselbe auch mit Sonnenheim geschieht. Aber an all die verbitterten Seelen da draußen ohne Freizeitbeschäftigung: Ich denke, daß neue Album wird wieder einen Schritt weitergehen. Aber ich glaube, dann werde ich wieder „Oh Nein, das ist nicht dasselbe wie das alte Album“ zu hören bekommen… Zuguterletzt: Ich muß schon sagen, daß es viel schlimmer ist, diesen Mainstream Hip Hop, R’n’B usw. zu machen oder zu hören, der heutzutage so von den Medien gehypt wird!


LT: Einige der Texte auf Sonnenheim behandeln Themen, die man getrost als “typische Neofolk-Stereotypen” bezeichnen kann: Neben Runen, an denen Du schon seit Anbeginn von :OTWATM: interessiert warst, geht es jetzt auch um Tarnuniformen ("Camouflage") und auf "Hail Hail Hail II" singst Du meines Wissens auch das erste Mal explizit über die Schwarze Sonne (in "In A Robe Of Fire" hast Du schon vorher den Ausdruck „black flamed sun“ benutzt). Was ist Deine Verbindung zu diesen „Stereotypen“? Meines Erachtens besteht die Gefahr einer zunehmenden Oberflächlichkeit einer Szene, in der der „Dresscode“ mittlerweile wichtiger scheint als der Mensch dahinter. Viele Träger von okkulten oder politischen Symbolen kennen noch nicht mal die Bedeutung derselben. Alles ist nur noch „Trend“.


KL: Ich weiß, daß es für Dich vielleicht zum Haareraufen ist, aber ich glaube, daß die meisten Dinge im Leben nicht erläutert werden sollten, da sie sonst ihre Kraft, ihre Magick etc. verlieren. Wenn alles erklärt werden würde und die Leute nicht selbst ihre Kraft zum Entdecken und Erklären gebrauchen müßten, würde das Genre in eine geistlose und kommerzielle Leere geführt werden. Wie die Musik, die man Tag für Tag im Radio hört und die man am nächsten Tag vergessen hat und ein vollkommen neuer Künstler rauskommt, der exakt genauso klingt wie der davor und der exakt dasselbe sagt. Und zu den Leuten, die die Symbole bloß benutzen, um sich ins Genre zu schmuggeln: Ich denke, sie werden mit der Zeit ausgesiebt werden. Wie mit vielen anderen Dingen im Leben, wo Du nicht mit Herzblut dabei bist. Ich mußte auch feststellen, daß Du von „politischen“ Symbolen sprichst, und ich muß hier betonen, daß ich meine Symbole nicht für politische Zwecke gebrauche. Überhaupt denke ich, daß zur Zeit in Deutschland viel Brimborium über „politische“ Symbole herrscht. Für die Scheibe an sich gebrauchte ich die Symbole aus rein spirituellen Beweggründen. Ich persönlich empfinde Politik als sehr, sehr langweilig…


LT: Ein Aspekt der Ähnlichkeit zwischen Dir und DIJ ist die simple Tatsache, daß Du angefangen hast, zu singen, was Besucher Deiner Konzerte schon über die letzten Jahre bemerkt haben dürften. Wie ist es dazu gekommen? Bist Du mit den Jahren als Künstler selbstbewußter geworden?


KL: Das mag stimmen, aber auch deshalb, weil ich meine Musik weiterentwickeln wollte. Du kannst viele Dinge erreichen, wenn Du eine Flüsterstimme über Deine Kunst legst, aber mit einer singenden Stimme kannst Du sehr viel mehr verschiedene Sachen machen und das führt, hoffentlich, zu abwechslungsreicheren Liedern.


LT: Jedes Mal, wenn eine neue :OTWATM:-Scheibe erscheint, stelle ich mir dieselbe Frage: Du benutzt 'zig verschiedene Sprachen für Deine Texte: Englisch, Alt-Westnordisch, viktorianisches Englisch und nun sogar Deutsch. Aber Du hast bisher noch nie dänische Texte verwendet oder geschrieben, oder? Ich finde das dahingehend merkwürdig, weil Deine Hauptthemen immer die skandinavische und dänische Kultur und Folklore waren und sind. Wurdest Du von den Musen noch nie in dieser Richtung geküßt?


KL: Dieser Gedanke kam mir schon mal, aber ich habe bis dato noch keine gute Entschuldigung gefunden, um auf Dänisch zu singen. Der Grund, warum ich zum Beispiel Isländisch benutze liegt darin begründet, daß viele interessante Texte über den alten heidnischen Glauben und des Wissens meiner alten Ahnen in dieser Sprache überliefert wurden. Darüberhinaus liegt das Isländische recht nahe an der damals üblichen skandinavischen Sprache im Generellen und daher erscheint es mir ein bißchen authentischer und wahrhaftiger. Auch der Trend der letzten Jahre innerhalb der dänischen Musikszene hat mich bis jetzt davon abgehalten, dänische Texte zu verfassen: Hier in Dänemark gibt es eine Art Renaissance, in Dänisch zu singen und deshalb widerstrebte es mir, dasselbe zu tun. Aber womöglich wird in Zukunft etwas in der Richtung geschehen, aber zu diesem Zeitpunkt ist nichts in der Art geplant.


LT: Im Beiheft von Sonnenheim können wir Bilder eines von der Harreskovens Blótgilde veranstalteten heidnischen Festes sehen. Was bedeutet Dir der heidnische Glaube ganz persönlich und wie lebst Du ihn aus? Ásatrú ist seit einigen Jahren in Dänemark wieder eine offizielle Religion. Hast Du dadurch bereits schon irgendeinen Wandel im Leben der dänischen Heiden bemerkt?


KL: Niemand anderer als ein enger Freund von mir hat schon nach heidnischem Brauch geheiratet. Ich persönlich mag es nicht, Teil einer Bewegung zu sein, egal ob diese heidnischer oder politischer Natur ist. Mir liegt es eher, für mich alleine zu sein und die Freiheit zu haben, das zu machen, was mir gefällt und außerdem bin ich ja etwas misanthropisch. Immer wenn Menschen Gruppen bilden tendiert es dazu, daß Du anderen folgen mußt, und zwar zum Teil richtig dummen Wegen, oder es zeigt sich schnell Rivalität untereinander usw. usf. Deshalb versuche ich, mich aus allen Verbindungen herauszuhalten. Aber ich finde nichtsdestotrotz eine Menge Inspiration in heidnischen Riten, Magick etc.


Das Sommersonnenwendfest bei Harreskoven, also der Blót von 2001, waren für mich schlicht ein paar wundervolle und magicke Tage, die ich nie vergessen werde. Auch der Met floß wie das Blut der Christen in einem römischen Kolosseum... Ich muß auch zugeben, daß die Ásatrú-Gemeinschaft dem Individuum eine Menge Freiheit gibt, zu entscheiden, wie es seinen Göttern oder Elementen zu opfern hat. Eine Tatsache, die mir sehr paßt. Und dennoch...


LT: Spielst Du immer noch bei Blazing Eternity, Unveiled, The Loveless oder dem Monster Trio? Was können wir, vor allem musikalisch, sei es mit :OTWATM: oder außerhalb, von Dir in Zukunft erwarten?


KL: Ich spiele nicht mehr in einer der erwähnten Gruppen. Haha, wo hast Du denn das mit dem Monster Trio aufgegabelt? Ach, meine alten Jazz Fusion-Tage... Im Moment habe ich noch einigen Kram für The Loveless in der Schublade liegen. Wir werden sehen, wann es ausgearbeitet wird. Ich will nicht den Gesang übernehmen (auf dem Debüt sang Brian Hansen, Richard), also wenn irgendwer da draußen sich dazu berufen fühlt: laßt es mich wissen! Es wird in ferner Zukunft auch wieder ein Doom-Projekt von mir geben. Wir haben da schon eine Menge vorbereitet und bald werden einige Studioaufnahmen stattfinden, wir werden sehen, was daraus wird.


LT: In den Dezembertagen des vergangenen Jahres war Dänemark für einige Zeit in den Schlagzeilen der Weltpresse und wurde zum Teil nicht nur von Moslems für die Veröffentlichung der sogenannten "Mohammed-Karikaturen" durch Flemming Rose in der Jyllands Posten gescholten. Wie denkst Du darüber? Ist es erlaubt, "religiöse Gefühle" in Berufung auf die "freie Meiningsäußerung" zu verletzten? Haben das die Krikaturen in Deinen Augen überhaupt getan? Sind diese Karikaturen nicht vielleicht auch Ausdruck einer anti-spirituellen, "leeren" westlichen Welt, die nur noch Hohn und Spott für jede Form von Glauben übrig hat?

Darüberhinaus ist es belustigend anzusehen, daß dieselben Leute, die behaupten, die "freie Meinungsäußerung" in diesem Falle zu verteidigen ganz anders reagieren, wenn ihre eigenen  Ideale von Kunst hinterfragt werden. Zum Beispiel führte Flemming Roses Idee, auch die geplanten iranischen Holocaust-Karikaturen in seiner Zeitung, quasi als Ausgleich, zu veröffentlichen, zu massiven Protesten. Und in einem selbsternannten demokratischen Staat wie Deutschland wurde ein absoluter Apocalyptic Folk-Klassiker inidiziert. Ist das totalitäre Iran in dem Sinne möglicherweise nur ein Spiegelbild unserer eigenen Gesellschaft?


KL: Ich möchte :OTWATM: nicht mit irgendeiner Form politischer Agenda in Verbindung setzen. Und um es kurz zu sagen, denn dieses Thema würde ansonsten viele Seiten füllen: Ich empfinde wirklich null Respekt für dumme, grobe und gewalttätige Menschen. Und es scheint eine Menge von denen in Religionen wie dem Islam oder dem Christentum zu geben...


Und zu der Tatsache, daß die Rose Clouds Of Holocaust von Death In June indiziert wurde, kann ich nur meinen äußersten Ekel darüber und meine tiefsten Sympathien für Douglas P. ausdrücken. Ich bin mir sicher, daß das kein Einzelfall bleiben wird und daß wir sicherlich noch mehr Dinge in dieser Richtung erleben werden. Leider...


LT: Eine letzte Frage: Wo liegt Sonnenheim?


http://www.sonnenheim.com


 
für nonpop.de


Verweise zum Artikel:
» :OTWATM:

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