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Gerald H.

Wo Barbarossas wüste Trümmer stehen

Anthologie mit Lyrik zum Kaisermythos erschienen


Wo Barbarossas wüste Trümmer stehen
Genre: Literatur
Verlag: ARTE FAKT
Erscheinungsdatum:
01.08.2005
Medium: Buch
Preis: ~9,00 €
Kaufen bei: ARTE FAKT


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"Am Kyffhäuser zu wohnen, früher, wie heutigen Tages, das ist eine Sache für sich", beginnt Mitherausgeber Michael Brust sein Vorwort und führt damit in ein Druckwerk ein, das in verschiedenster Hinsicht nur als mutig zu bezeichnen ist. Nicht nur der umstrittenen Thematik wegen, galt doch die deutsche Mythe vom schlafenden Kaiser im Berg nach dem Dritten Reich als endgültig abgearbeitet. Wer sich dem Mythos näherte, setzte sich der Gefahr aus, als Ewiggestriger oder neo-deutscher Nationalist zu gelten. Und doch kommt der literarisch Interessierte nicht an den großen Dichtungen der Romantik vorbei, die den Traum eines geeinten Volkes am Anfang des 19. Jahrhunderts wachriefen.
Folgerichtig leiten auch jene die lyrische Betrachtung des Gebirges ein: Novalis kommt ebenso zu Wort wie Johann Gottlob Wetzel, Ludwig Achim von Arnim, Baron de la Motte Fouque, Friedrich Rückert, Ferdinand Freiligrath, Wilhelm von Humboldt, Ernst Moritz Arndt oder Ludwig Uhland. Natürlich fehlen auch die Kritiker wie Heinrich Heine und Georg Herwegh ebensowenig wie die Neoklassizisten Emanuel Geibel und Hermann von Lingg.
Eine besondere Entdeckung des Bandes sind die aus dem literarischen Gedächtnis fast verschwundenen Albert Grützmann, Friedrich Beyer, August Thieme oder der Enkel des Hohenzollernprinzen Louis Ferdinand Ernst von Wildenbruch.
Im 20. Jahrhundert meldete sich erst mit der Balladendichterin Agnes Miegel wieder eine Stimme zum Mythos. Ihre Ballade ist ein Kunststückchen. Das sie uns nicht geläufig ist, mag daran liegen, dass Frau Miegel auf Grund Ihrer Nähe zum deutschen Faschismus trotz eindeutiger sprachlicher Qualität nach dem Krieg ein ähnliches Schicksal ereilte wie Leni Riefenstahl.
Den Abschluss bildet ein kleiner Block von Autoren, die auch im Kreis der Nutzer dieses Online-Portals keine Unbekannten sind und somit das Erscheinen der Mitteilung an dieser Stelle rechtfertigen. Orplid Textmeister Uwe Nolte steuerte seinen "Barbarossa" bei, der dem einen oder anderen bereits von der gleichnamigen 10" Vinyl bekannt sein dürfte und eröffnet damit eine neue Sichtweise auf den schlafenden Kaiser im Berg. Barbara Rossa schildert eine Trauerwanderung des Friedrich von Hardenberg zum Kyffhäuser. Seine Geliebte Sophie von Kühn war im Alter von 15 Jahren kurz zuvor an Schwindsucht gestorben. Auch das im "Pfingstboten", dem Programmheft des XI. Wave Gotik Treffens 2002 erstveröffentlichte Gedicht "Barbarossa" ist in den Band aufgenommen worden. Abschluss der Zusammenstellung sind die meisterlich gearbeiteten Gedichte "Im Schoß des Kyffhäusers" und "Ein Bergwerk im Kyffhäuser" von Rolf Schilling, der fast Kultcharakter im literarischen Underground genießt.
Im Anhang liefert der Band noch ein kleines Glossar zu den erwähnten Örtlichkeiten, ein ausführliches Literaturverzeichnis, zahlreiche Abbildungen und den Essay "Der Kaisermythos und der Kyffhäuser in der neueren deutschen Lyrik" von Mitherausgeber Gerald Höfer (als pdf zum Herunterladen bereitgestellt auf www.barbara-rossa.de unter [textuell].
Bestellt werden kann die Anthologie in jeder gutsortierten Buchhandlung oder direkt unter www.barbara-rossa.de.

Brust, Michael & Gerald Höfer: Tief im Schoße des Kyffhäusers. Bendeleben: Arte Fakt VA, 2005.
180 Seiten, 10 Abb.
ISBN: 3-937364-05-X


 
Gerald H. für nonpop.de


Verweise zum Artikel:
» Barbara Rossa


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