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V.A.: A Final Testimony


V.A.: A Final Testimony
Kategorie: Rezension
Wörter: 1066
Erstellt: 30.09.2004


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Autor: Jens Schäfer

A Final Testimony
V.A. 2CD
Tesco Distribution
Das alternative spanische Musikmagazin „Seküencias de Culto" stellte vor kurzem seine Produktion ein und setzte sich mit der vorliegenden Doppel CD selbst ein kleines Denkmal. Die beiden CDs wurden in ein schönes tarnfarben grünes Digipak verpackt, wobei das Booklet, in welchem jedem Projekt eine Seite zugeteilt wurde, nicht so sehr gelungen ist. Oft erweckt es den Eindruck die einzelnen Musiker hätten, mit nur wenigen Ausnahmen, die Möglichkeit sich auch visuell zu präsentieren, nicht so ernst genommen. Da gab es in der Vergangenheit weitaus gelungenere Resultate bei anderen Compilationen.

Die erste CD ist ausschließlich der synthetischen Klangerzeugung zuzuordnen. Los geht es mit einem recht interessanten „Intro" welches auch denselben Namen trägt, allerdings noch durch die Zahlenfolge „13051826" ergänzt wurde. Die Bedeutung bleibt wohl das Geheimnis des Schöpfers, dies sind die mir gänzlich unbekannten TORE HONORE BOE. Ein monotones Brummen wird plötzlich durch ein aufdringliches Störgeräusch beendet. Das war’s. Trotzdem Interessant. Es folgen PROPERGOL mit einem ruhigem Dark Ambient Track welcher durch seine sehr spannende atmosphärische Dichte vollkommen überzeugen kann. OPERATION CLEANSWEEP hingegen präsentieren das einzige Noise Brett dieser Compilation. Die verwendeten Sprachsamples wurden bis zur Unverständlichkeit verzerrt, aber ich möchte fast wetten, dass es hier mal wieder politisch nicht ganz korrekt zugeht. Ebenfalls gelungen der Beitrag von THOROFON, Ritual Noise, nicht zu brutal oder zu aggressiv. Sehr rhythmisch mit leicht verzerrtem Gesang kommen ICK daher, trotz der prächtigen Synthesizer Sounds ein eher merkwürdiges Musikstück. Etwas gewöhnungsbedürftig, aber neue Quellen sind ja bekanntlich rar. Von IRM aus Schweden hatte ich einen brutalen Noisekracher erwartet, wie man sie eben von denen kennt, aber diesmal sind sie mit einem für ihre Verhältnisse eher zartem Track vertreten. Ein ruhiges Stück, welches schon dem Dark Ambient zuzuordnen ist, aber dann doch noch die typischen aggressiven Vocals, welche jedoch hier eher in den Hintergrund gemixt wurden. Es folgt ein weiteres sehr ruhiges und atmosphärisches Stück, diesmal handelt es sich um das Projekt SVARTSINN, welches bereits auf der „Eternal Soul" V.A. einen gelungenen Betrag geleistet haben, dort allerdings in Fusion mit NORTHAUNT. Aber sie schaffen es auch alleine eine beklemmende abgrundtief düstere Stimmung zu verbreiten.

Meine Damen und Herren bevor ich zum nächsten Stück komme, möchte ich vorwegnehmen, dass ich ein totalitärer Anhänger der Herrschaften um das Projekt INADE bin. Aus diesem Grunde ein lauter Jubelschrei, nachdem ich das Lied vernommen hatte. INADE präsentieren einen Ritual Track ohnegleichen. Unglaublich wie hier die Synthesizer gefüttert werden und ein dermaßen klangewaltiges Ergebnis erzielt wird. Ein Stück wie es aus der längst zurückliegenden „Burning Flesh" Phase hätte entwachsen können. INADE ist mit "Divine Hybrid" definitiv der Höhepunkt dieser Zusammenstellung.

Mit kompletten Alben von RAISON D´ETRE habe ich immer so ein wenig meine Schwierigkeiten, oft erscheinen sie mir zu langatmig, zu trocken, zu langweilig und irgendwie sind sie doch alle gleich, oder? Wohingegen so manche Samplerbeiträge doch zu begeistern wissen, wie auch in diesem Fall. Der Track ist sehr gut, enthält die Elemente, die man von RAISON D´ETRE auch erwartet und mehr muss auch nicht sein. Diese komischen Mönchsgesänge mag ich zwar nicht sonderlich, aber irgendwie packt der Peter Andersson so etwas immer wieder mit in seine Stücke. Ich bin mir nicht mal sicher ob sie tatsächlich enthalten sind, aber dennoch bilde ich mir ein, so etwas in verfremdeter Form wahrzunehmen. Egal, das Stück ist gelungen.

Schrieb ich beim Beitrag von INADE von einem Höhepunkt, so trifft dies beim nun folgenden Ritual von HERBST 9 ein zweites Mal zu. Tiefe Drones verlieren sich im endlosen Raum, ein schlichter und monotoner Rhythmus schlägt den Takt, begleitet den Hörer durch ein alles vernichtendes Grollen. Was für eine Stimmung! HERBST 9 lehren uns einmal wieder, dass weniger am Ende so viel sein kann.
Den Abschluss der ersten CD bilden WOLFSKIN mit dichten, düsteren Soundscapes. Es ist ein undankbarer Platz auf dieser V.A. im Schatten von so starken INADE und HERBST 9 platziert zu sein.

Die zweite CD wird von martialischen Klängen, wie wir sie von TRIBE OF CIRCLE gewöhnt sind, eröffnet. Das gleiche gilt natürlich auch für die gleich darauf folgenden TOROIDH.
An dieser Stelle erlebt diese Zusammenstellung einen Wandel. Den ab Track Nr. 3 kommt jene Gattung von Musiker in Erscheinung deren Werk wir gerne als „handgemachte Musik" bezeichnen. Jenes dritte Lied, ja jetzt kann man in der Tat von echten Liedern sprechen, wird von IN GOWAN RING vorgetragen. Ich will es kurz machen, ich bin kein großer Freund von deren Musik, ich empfinde sie als sehr langweilig, das intensive hören ganzer Alben von IGR empfinde ich als sehr anstrengend und ermüdend. Gewiss der Herr ist sehr beliebt in der Szene und hat sicherlich auch einiges mitzuteilen. Dennoch, das Lied ist ganz nett, obwohl mal wieder nichts passiert, das belebende Element kommt durch die Trommel. Leider mit über sieben Minuten viel zu lang geraten. Wesentlich mehr Schwung kommt mit KARNNOS daher. Ein sehr gutes und außergewöhnliches Neofolk Stück mit Windspiel und heroischen Trommeln. Bei HEKATE jedoch erfolgt diesmal kein einziger Trommelschlag. Es handelt sich bei "Memory Remains" um ein gefühlvoll vorgetragenes Liebeslied. Begleitet wird der Sänger nur von der Wanderklampfe und einer ebenso gefühlvollen leisen Synthie Melodie. Track Nummer 6 ist SIEBEN. Am Anfang hört es sich verdächtig nach einem Banjo an, oder täusche ich mich? Nach wenigen Momenten wird es aber von Howdens Geigenspiel verschluckt. Das Lied ist geprägt durch eine wunderschöne Melodie und einer abwechslungsreichen Songstruktur. NOVY SVET sind wie immer eigenartig und merkwürdig, den einen wird es sicherlich gefallen, die restlichen werden nichts damit anfangen können. Hervor die schweren Pauken, CAMERATA MEDIOLANENSE geben sich im Anschluss die Ehre. Kraftvoll, Gewaltig, Bombast pur. „Il Lupo" wird live dargeboten mit männlichem und weiblichem Gesang.
Nun wird es zum Abschluss wieder elektronischer.

Martialisch düster, mit trägem, schwerem Rhythmus neben prägnanten Melodien und finsteren Flächensounds kommen die beiden Projekte TURBUND STURMWERK und INSTINCTS daher. Verkündet beim TURBUND noch das gesprochenes Wort vom „Zorn Gottes", wird im Anschluss bei INSTINCTS mehrmals der Göttervater Odin angerufen.
Das „Outtro" kommt ebenfalls wieder von TORE HONORE BOE, wo noch zu bemerken sei, dass die angefügte Zahlenfolge identisch mit der des „Intros" ist. Geheimnisse über Geheimnisse. Das „Outtro" beginnt mit Dauerregen zu dem sich schon bald wieder dieses Brummen gesellt, diesmal wird es jedoch ausgeblendet.
Eine durchaus gelungene Compilation, mit nur sehr wenigen Schwächen, die aber in keiner gut sortierten Sammlung fehlen sollte.

 
Archivar für nonpop.de



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