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awk

SEXTILE: Albeit Living

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SEXTILE: Albeit Living
Genre: Post-Punk/ Cold-Wave
Verlag: felte
Medium: CD / LP / DL
Preis: ~10,00 €
Kaufen bei: Bandcamp


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Der Underground in Los Angeles war ja bekanntlich immer schon für eine Überraschung gut. In den späten 1980er-Jahren hielt ich zum Beispiel ein Tape in den Händen, auf dem so seltsam finstere Bands aufspielten, dass einem der Eistee im Glas einfrieren konnte. Unter anderem gaben da H-BOMB WHITE NOISE, EX VOTO oder DEATHRIDE 69 zu verstehen, dass gerade auch unterhalb der in Kalifornien hochstehenden Sonne Bands zu finden sind, die sich auf die Dunkelheit bestens verstehen. Und in den finstersten Kellern standen dann selbstverständlich auch noch RADIO WEREWOLF oder CHRISTIAN DEATH.

Es besteht in L.A. also eine gewisse Tradition gegen die Sonne anzuschreien. Und genau so machen das SEXTILE – eine seit 2015 aktive Band, die mit "Albeit Living" (sic!) ihren zweiten Tonträger über das Label FELTE veröffentlichen ließen. Allerdings geschieht das nicht mit einer ganz so finsteren Attitüde wie die der oben stehenden Bands. Hier werden vielmehr Stilelemente aus Goth-Rock, Post-Punk und New Wave zusammengequirlt. Was dann einen durchaus angenehm energischen Eindruck macht. Dazu kommt, dass die Titel kurz gehalten und recht flott gespielt werden, der Gesang an punkige 77er oder auch schon mal an verhallte Goth-Keller-Sänger erinnert – die Gitarre gut kratzt und das Schlagzeug im Stakkato die frühen 80er Waver erfreuen dürfte. Obendrauf werden schließlich noch Synthesizer gesetzt, deren Sounds nicht unbedingt – wie im Pressetext vermerkt – über weite Teile an D.A.F. erinnern, zumindest aber in die Zeitspanne zwischen Ende siebzig und Anfang achtzig passen dürften.

„One Of These“ (01) und „Who Killed Six“ (02) könnten zunächst gut und gerne Titel von ALIEN SEX FIEND sein. Da klatscht die Snare und pumpen die Aggregate. Dazu sägen Gitarren. Danach treten die Synthesizer nach vorne. Zum Beispiel in „Ripped“ (03) kratzen sie deutlich durch das tonale Gefüge. Höchst aktiv und kraftvoll hallen Stimme und Gitarre dazu. Keine Spur von einem Songgefüge. Keine erkennbare Strophe, keine Bridge, kein Refrain (was übrigens für ziemlich viele Stücke gilt). Nur ein durchlaufender Text, der mit der Musik nach knapp zwei Minuten abbricht. „Floored“ (04) wird waviger und etwas dunkler. Wohingegen „Mental“ (05) – dann wieder flotter – anfangs tatsächlich rhythmisch leicht an die frühen D.A.F. oder an MALARIA erinnert (jedoch nur bis zum Einsatz der spitz gespielten oder sägenden Gitarren) ...
Es finden sich hier überall Bekannte, beziehungsweise lehnen sich die Stücke musikalisch an Altbekanntes, jedoch auch hier und da an Neues (vergleiche THE SOFT MOON oder VELVET CONDOM) an. Nichtsdestotrotz scheint dieses Album in sich geschlossen und kann durchaus als herausragend bezeichnet werden.

Stilistisch in einer zwar mehr oder weniger einsehbaren und eingängigen Ecke angesiedelt, musikalisch jedoch kraftvoll und roh, stimmlich verhallt und impulsiv, hat "Albeit Living" das Zeug dazu, der Soundtrack für den Winter zu werden, durch den – trotz oder gar wegen der nahenden Kälte – in kleinen Kellern wild getanzt werden kann.

 
awk für nonpop.de


Verweise zum Artikel:
» SEXTILE auf Bandcamp
» Label-Seite


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Zusammenfassung
Stilistisch in einer zwar einsehbaren und eingängigen Ecke angesiedelt, musikalisch jedoch kraftvoll und roh, stimmlich verhallt und impulsiv, hat "Albeit Living" das Zeug dazu, der Soundtrack für den Winter zu werden.

Inhalt
01. One Of These
02. Who Killed Sex
03. Ripped
04. Floored
05. Mental
06. Sterilized
07. Das Cat
08. Situations
09. Crisis
10. AVC
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