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Endsal

GENEVIÉVE PASQUIER: Louche Effect

Gelungenes Comeback von einer, die weiß, wie's geht


GENEVIÉVE PASQUIER: Louche Effect
Genre: Electro
Verlag: Ant-Zen
Vertrieb: Ant-Zen
Erscheinungsdatum:
6. September 2017
Medium: CD
Preis: ~13,00 €
Kaufen bei: Ant-Zen...


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GENEVIÉVE PASQUIER muss an dieser Stelle wohl nicht mehr eigens vorgestellt werden, ist die Dame, ehedem u.a. bei THOROFON und JÄGERBLUT aktiv, mit ihrem Solo-Elektronik-Projekt doch schon seit Jahren eine feste Größe in diesem unserem Lande. Seit dem letzten vollwertigen Studioalbum "Le Cabaret Moi" sind indes mal eben schlappe acht Jahre vergangen, und doch hält die charmante süddeutsche Aktivistin nach wie vor unbeirrt an jener musikalischen Agenda fest, die sie bereits auf ihrem Debüt Pasquier-Virgin-Thoughts/release/253752">"Virgin Thoughts" aus dem Jahr 2003 (2006 auf der Compilation "Virgin Pulses" wiederveröffentlicht) eingeschlagen hat. Und so stellt auch "Louche Effect" wieder ein unterhaltsames Liederkränzlein aus diversen Elektropop-Perlen bereit, die, mal mehr, mal weniger mit diversen postindustriellen Einsprengseln versehen, zum gepflegten Dekadenztänzchen – der Titel "Louche Effect" darf bei Madame PASQUIER durchaus programmatisch verstanden werden – einladen.

Wie seine Vorgänger zeichnet sich auch das aktuelle Album wieder durch eine gehörige Portion Vintage-Sound aus, der Assoziationen mit CHRIS & COSEY, CLOCK DVA oder DIE FORM der späteren Jahre weckt, und die Künstlerin dergestalt in relative Nähe zu den, ebenfalls süddeutschen, Kollegen von NOVEMBER NÖVELET rückt, ohne dabei jedoch deren durchgängig zelebrierte, dezidiert melancholische bis depressive Grundstimmung zu übernehmen. Zwar hat auch "Louche Effect" seine melancholischen Momente und Passagen, ist insgesamt betrachtet aber auf recht unterschiedlichen emotionalen Tummelplätzen zugange, was dem Album in jedem Fall schon einmal einen hohen Unterhaltungswert qua Abwechslungsreichtum sichert. Die besagten postindustriellen Einsprengsel wurden im Laufe der Jahre allerdings zunehmend zurückgefahren, so dass man "Louche Effect" wohl im postivsten Sinne als Elektropop bezeichnen darf, ohne sich dem Vorwurf allzu grober Simplifizierung auszusetzenen. Neu und ungewöhnlich ist allerdings der mal subtil, mal offen zutage tretende, dunkel-verhangene Jazz-Faktor, der insbesondere angesichts des Quasi-Titeltracks "Louche" den vagen Verdacht keimen lässt, GENEVIÈVE PASQUIER und ihr partner in crime, THOROFON-Mastermind DAN COURTMAN, könnten hier womöglich gemeinsame Sache mit den Ruhrpott-Doom-Jazz-Heroen von BOHREN & DER CLUB OF GORE gemacht haben.


Wie man es von Madame PASQUIER gewohnt ist, inszeniert sie sich auch hier wieder als jene verruchte Chanteuse mit Cabaret-Affinität, die sie in exemplarischer Weise insbesondere auf dem Vorgänger-Album Pasquier-Le-Cabaret-Moi/master/188301">"Le Cabaret Moi" gegeben hat. Den Hang zur artifiziellen Selbststilisierung, der hier zum Ausdruck kommt, mag man eitel und ein wenig prätentiös finden, ließe in dieser Einschätzung aber außer acht, dass er konstitutiv für die Schaffung einer überzeugenden Kunstfigur ist (und dass "GENEVIÈVE PASQUIER" in letzter Konsequenz als Kunstfigur aufzufassen ist, hat die dahinterstehende ISABELL WÖRNER in Interviews ausdrücklich betont) – und dieses Handwerk beherrschen nur die wenigsten so formvollendet wie die multitalentierte End-Dreißigerin. Überhaupt: "Louche Effect" atmet durchwegs eine gereifte, gut abgehangene und abgeschmeckte Grundstimmungs- und -tonlage – das Album ist zwar nicht im engen Sinne sensationell, doch irgendwie einfach nur ... gut: angenehm unaufdringlich, facetten- und abwechslungsreich, ohne kunterbunt zu wirken, und unterhaltsam, ohne hektisch daherzukommen. "Louche Effect" ist wie eine angenehme Plauderei mit einem weitläufigen, sympathischen Bekannten, die anregt, ohne aufzuregen, und Impulse setzt, die im Inneren nachhallen, sich wandeln und Breite gewinnen, während sie im Äußeren lediglich versteckt Wirkung entfalten. Doch gerade solche Gespräche und Impulse sind ja oft die nachhaltigsten. Unnötig wohl, noch eigens zu erwähnen, dass dem Rezensenten die vorliegende CD von Hördurchgang zu Hördurchgang immer besser 'reinging – eine Entwicklung, die sich übrigens bis zum Zeitpunkt dieser Niederschrift  fortgesetzt hat.

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GENEVIÉVE PASQUIER (c) G. P./Bandcamp

Abgesehen nun von einigen fabulösen, absolut dancefloortauglichen, flotten Elektronummern – namentlich seien in diesem Zusammenhang "I Wanna", "Sandscapes" und "Enjoy Your Life" genannt – sind die wirklich interessanten und ungewöhnlichen Tracks eher aufseiten des Spektrums der leiseren Töne zu finden. Abgesehen von dem weiter oben bereits angesprochenen, Dark-Ambient-Doom-Jazz-Hybriden "Louche" wären in diesem Zusammenhang noch das extrem an die begnadete Spät-90er TripHop-Amsel GOLDFRAPP erinnernde "Too Many" oder die Abschlussballade "Dirty Blue" zu nennen, bei der man zwischenzeitlich wirklich ins Grübeln kommen kann, ob diese Vocals tatsächlich noch von GENEVIÈVE PASQUIER oder nicht doch eher von JARBOE stammen. Selbstverständlich kommt auch die frankophile Fraktion mit dem feierlich getragenen Opener "Apesanteur" und dem, für das Empfinden des Rezensenten ein wenig überkandidelt daherstolpernden, Partyliedchen "Gin Tonic", wieder auf ihre Kosten. Und auch ansonsten kommt auf "Louche Effect" keine Langeweile auf – selbst das, was anfangs möglicherweise noch ein wenig unmotiviert und disparat anmuten mag, fügt sich auf Dauer ganz zwanglos in das stimmige Gesamtbild: Je länger man das Ganze auf sich wirken lässt, desto weniger bleibt zu Nörgeln übrig.


Langer Rede kurzer Sinn: Rundum wohlgeratenes ... ja, nach acht Jahren Stille kann man es wohl so nennen: Comeback-Album einer Künstlerin, der man auf den, in Gestalt des Titels "Not Young Enough“ artikulierten, bangen Gedanken ohne einen Moment des Zögerns entgegnen möchte: "Mais non, Madame, doch zu alt sind Sie noch lange nicht!" Der Beweis liegt mit dieser CD vor. – Pasquier-Louche-Effect/release/10464036">"Louche Effect" ist wie die meisten seiner Vorgänger bei ANT-ZEN erschienen und präsentiert sich im gediegenen 4-Panel-DigiPack ohne großen Schnickschnack wie Inlay oder Booklet. Auf dem Frontcover räkelt sich Madame PASQUIER, dem Titel Rechnung, tragend lasziv auf einem Sofa, auf der Rückseite finden sich die Titelangaben, innen links abermals Madame PASQUIER, mit einem Fächer neckisch die Lippen verdeckend, während auf der rechten Seite die Devise prangt: "Regarde le bulles dancer" – fertig. Reduzierung auf das Wesentliche nennt man das wohl. In diesem Sinne: Nicht nur gucken, liebe Tänzer – das Parkett ruft!


 
Endsal für nonpop.de


Verweise zum Artikel:
» GENEVIÉVE PASQUIER @ facebook
» GENEVIÉVE PASQUIER @ bandcamp
» GENEVIÉVE PASQUIER @ discogs
» ANT-ZEN-Homepage
» ANT-ZEN @ bandcamp


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Zusammenfassung
Auch wenn seit dem letzten Studioalbum acht Jahre ins Land gegangen sind, weiß GENEVIÈVE PASQUIER doch immer noch, wie's geht: "Louche Effect" überzeugt mit einer wohltemperierten Mischung aus uffzigem Elektro, treibendem Minimal & relaxten Doom-Jazz-Nummern. Runde Sache, das!

Inhalt
01: Apesanteur (3:50)
02: Skydance (5:10)
03: I Wanna (5:09)
04: Not Young Enough (Louche Mix) (4:53)
05: Misty Streets (4:12)
06: My Dear Fellow (3:59)
07: Louche (4:56)
08: Sandscapes (5:02)
09: Gin Tonic (3.59)
10: Enjoy Your Life (3:24)
11: Red Moon (4:14)
12: Too Many (4:43)
13: Dirty Blue (6:22)

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