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Endsal

MONOCUBE: The Rituals

Solides Dark-Ambient-Album mit Luft nach oben


MONOCUBE: The Rituals
Genre: Dark Ambient
Verlag: Malignant...
Vertrieb: Malignant...
Erscheinungsdatum:
3. Januar 2017
Medium: CD
Preis: ~13,00 €
Kaufen bei: Drone Records


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MONOCUBE ist ein seit 2008 aktives Dark-Ambient-Projekt aus der Ukraine, das hierzulande wohl erst 2016 mit seinem Beitrag zur "Drone Mind // Mind Drone Vol. 5"-Compilation des in Bremen ansässigen DRONE RECORDS-Labels einen größeren Bekanntheitsgrad erlangte. Laut Monocube">discogs handelt es sich bei "The Rituals" zwar bereits um das dritte Album, es ist allerdings das erste, das auf einem international renommierten Label wie MALIGNANT erschienen ist. Dem Autor dieser Zeilen war MONOCUBE bis dato übrigens völlig unbekannt, weshalb die folgende Rezension sozusagen streng albenimmanent angelegt ist.

Mit "The Rituals", das zeigt sich ab der ersten Minute, bekommt der geneigte Hörer Dark Ambient satt serviert: der ist hier zwar nicht von der allzuglatten und -sterilen, weil vollsynthetischen Sorte – wofür schon allerhand analog eingespielte Elemente, wie Percussion, Saiteninstrumente und diverse Vokalparts sorgen –, grenzt sich mit seiner finster-mystizistischen Grundstimmung sowie deren bedächtigem, introvertiert-rituellem musikalischen Ausdruck jedoch ganz klar gegenüber benachbarten Musikgenres ab. Wo die Reise in etwa hingeht, erschließt sich ja anhand des Titels schon recht deutlich, und so sind es denn auch insbesondere die "rituellen" Einsprengsel, die das Album auszeichnen. Positiv zu werten ist in diesem Sinne erst einmal, dass es im großen und ganzen nicht unmittelbar eingängig ist, sondern dem Hörer eine gewisse aktive Einfühlung abverlangt; dass es lebendig und organisch klingt, also durchaus so etwas wie "Seele" hat, sowie insbesondere, dass es vergleichsweise abwechslungsreich ist und nicht in selbstgefällig-sinistrer Monotonie 65 Minuten lang behäbig vor sich hinbrummt. Dies wird durch den Umstand freilich zusätzlich begünstigt, dass drei der neun Tracks Kollaborationen mit altgedienten Dark-Ambient-Kämpen, nämlich APOCRYPHOS, TREHA SEKTORI und ASMOROD, sind.


Das ändert allerdings wenig daran, dass das Opus in seiner Summe nicht allzusehr über das gehobene Mittelmaß dessen hinausragt, was man seit Jahr und Tag in den einschlägigen musikalischen Gefilden zu hören bekommt – dazu fehlt es den einzelnen Stücken zum einen an echter Originalität, zum anderen an interner Kohäsionskraft, will heißen: so manche Nummer beginnt vielversprechend und begeistert mit unkonventionellen Einfällen, um sich im weiteren Verlauf jedoch zu zerfasern und in Ermangelung eines roten Fadens schließlich in Beliebigkeit aufzulösen. Exemplarisch sei hier auf das gute 13 Minuten dauernde "Fires Shifting - Nocturnal Motion" verwiesen, das sein akustisches Ausgangsmaterial zu Anfang recht effektiv in Szene setzt, um sich mit voranschreitender Spielzeit mehr und mehr in seinen eigenen Loops zu verheddern und schließlich darin abzusaufen – was der Rezipient nach einer knappen Viertelstunde nur noch mit einem entnervten Gähnen quittieren kann. Hier wäre man mit einer um die Hälfte reduzierten Laufzeit zweifellos besser beraten gewesen, da ein substanzarmes Stück Musik bekanntlich nichts dadurch hinzugewinnt, dass man es immer weiter aufbläht. In der Regel – so auch hier – ist das Gegenteil der Fall.




Die großen Momente des Albums versammeln sich ziemlich klar in dessen erster Hälfte: "Visiones III", das Eröffnungsstück, generiert mit seinen verhallenden und wiederkehrenden, von allerhand Straßengeräuschen unterlegten Soundschleifen die Atmosphäre eines nächtlichen Spaziergangs durch eine jener verwunschen-morbiden, neuenglischen Hafenstädte, wie sie H. P. Lovecraft in seinen Geschichten beschrieben hat. In "Drowned Sun" wird dieser diffus-verwaschene Eindruck noch intensiviert und mit intervallartigen Beatsequenzen konterkariert, bis mit "Downwards", einer Kollaboration mit dem US-amerikanischen Dark-Ambient-Projekt APOCRYPHOS, das gelungenste Stück des Albums folgt. Der durchgehend auf "The Rituals" diagnostizierbare Anklang an den typischen CYCLIC LAW-Sound der frühen Jahre, verkörpert durch Bands wie KAMMARHEIT, NORTHAUNT oder SVARTSINN, ist hier am stärksten ausgeprägt, und das ist insofern wenig verwunderlich, als auch besagter APOCRYPHOS bereits dort veröffentlicht hat. Der Achtminüter überzeugt jedenfalls durch seinen abwechslungsreichen, vielschichtigen Aufbau sowie insbesondere durch jene innere Kohärenz und Stringenz, deren das übrige Material betrüblich oft entbehrt. Eine letzte explizite Erwähnung wert ist überdies das wunderbar düster-bedrohliche "Father Fenris", das mit seinem grollenden Geröchel und gutturalen Geknurre dem Wolf im Titel stimmungsvoll & angemessen Rechnung trägt – nächtens und im Zappendusteren goutiert dürfte hier wohl ein zünftiges Maß an daemonophiler Gruselstimmung garantiert sein. Im direkten Vergleich drängt sich freilich der olle PTV-Klassiker "Thee Wolf Pack (For Bachir Attar)" auf, doch da zieht "Father Fenris" seiner relativen Stimmigkeit ungeachtet trotzdem den kürzeren.



Kurz gesagt: "The Rituals" geht durchaus als solides Dark-Ambient-Album durch, weist jedoch nicht die Authentizität und Originalität auf, die nötig wären, um in die Liga des Überdurchschnittlichen oder gar Außergewöhnlichen aufzurücken. Zudem mangelt es ihm empfindlich an einer inneren, die Tracks im einzelnen und das Album im ganzen durchziehenden Spannungskurve. Nichtsdestoweniger punktet es durch seinen Facettenreichtum im musikalischen Ausdruck sowie eine lebendig-organische Grundatmosphäre, die ihm eben jenen Charakter verleihen, der den genretypischen Vollsynthetikbrummorgien zumeist komplett abgeht. Ausgesprochen lobend soll zu guter letzt noch die Verpackung in Gestalt eines superschicken 3-panel-DigiPaks aus mattschwarzer Kartonage Erwähnung finden, dessen Cover-Artwork vermittels seiner raffinierten, chthonisch-abgründigen Blumigkeit elegant mit den Grenzen zum Eso-Kitsch spielt, ohne diese jedoch zu überschreiten: Alleine der verschmitzt vor dem Hintergrund einer zunehmenden Mondsichel dreinblickende Ziegenbock vom Frontcover würde jedenfalls ohne weiteres eine LP-Version rechtfertigen. Fazit: Sympathische, wenn auch nicht wirklich spektakuläre Veröffentlichung, die für die Zukunft Luft nach oben aufweist. – Da geht noch was!


 
Endsal für nonpop.de


Verweise zum Artikel:
» MONOCUBE @ facebook
» MONOCUBE @ VK
» MONOCUBE @ SoundCloud
» MONOCUBE @ discogs
» MALIGNANT RECORDS-Homepage
» "The Rituals" @ bandcamp


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Zusammenfassung
Solides Dark-Ambient-Album, das mit organischem Aufbau, anspruchsvoller Strukturierung & instrumentalem Facettenreichtum punktet, dabei aber leichte Defizite in puncto Eigenständigkeit & interner Stringenz aufweist. Trotzdem eine sympathische Veröffentlichung, die Lust auf mehr macht.

Inhalt
01: Visiones III (9:08)
02: Drowned Sun (4:50)
03: Downwards (feat. Apocryphos) (8:06)
04: Totem Incantation (7:35)
05: Fires Shifting - Nocturnal Motion (13:15)
06: Through Our Blood (5:26)
07: Father Fenris (5:33)
08: Anthracite Glow (feat. Treha Sektori) (4:41)
09: Initiation (feat. Asmorod)
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