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Endsal

GNAWED: Pestilence Beholden

Meditationen über Niedergang, Nullung & Nichtung


GNAWED: Pestilence Beholden
Genre: Death Industrial
Verlag: Malignant...
Vertrieb: Malignant...
Erscheinungsdatum:
9. September 2016
Medium: CD
Preis: ~13,00 €
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Mit "Pestilence Beholden" präsentiert MALIGNANT das dritte reguläre Studioalbum von GNAWED, Death-Industrial-/Noise-Projekt des aus Minneapolis, USA, stammenden GRANT RICHARDSON – und das fällt, betrachtet man es in Relation zu seinen Vorgängern, bemerkenswert ruhig und atmosphärisch aus. Diese Tendenz scheint bei US-Projekten derzeit allerdings im Trend zu liegen, denn just während er dies Wörtlein in die Tasten klimpert, wird dem Rezensenten bewusst, in letzter Zeit alles mögliche atmosphärisch zu finden, wenn die Rede von Noise-Veröffentlichungen nordamerikanischer Provenienz ist. Indes, der Promotext haut in dieselbe Kerbe: das neue Album präsentiere sich "dragged down into an even deeper space, this time enriched by added layers of foreboding atmospherics and foggy ambience". Und in der Tat geht es mit dem, was man im engeren Sinne als Noise oder Death Industrial bezeichnen könnte, recht eigentlich erst ab Track No. 3 los, denn das einleitende "A Bitter Harvest" firmiert nicht minder als das anschließende "Serpent In The River Of The Arms Of God" weit mehr unter einer reichlich schraddeligen Spielart des Dark Ambient. Doch auch "The Hand That Feeds“ wird in erster Linie von einem Droneloop nebst dezidiert tiefgelegtem Sound getragen, durchbrochen lediglich von einem extrem verschleppten Beat, über den hinweg die aufs Gründlichste zerschredderten, im übrigen bisweilen frappierend an STEEL HOOK PROSTHESES erinnernden Vocals irrlichtern. Der anschließende Quasi-Titeltrack "Pestilence Beholden II"Römisch-Eins findet sich übrigens auf "Feign And Cloak" von 2014 – wirkt dann im Grunde auch wie eine direkte Fortsetzung: Auch hier handelt es sich um ein primär atmosphärisch-droniges Stück, das flächige, tieffrequente Soundflächen mit verhaltenem Metallgeschepper und aggressiven, bis zur Unkenntlichkeit verwaschenen Vocals kombiniert.


Wer "Pestilence Beholden" ein paarmal durchgehört hat, dem wird überhaupt auffallen, dass sich das Moment der Aggressivität, das bei GNAWED vorwiegend auf vokalem Wege generiert wird, hier erst peu à peu zu voller Pracht und Herrlichkeit entfaltet. Gerade dieser langsam aber kontinuierlich sich vollziehende Anstau zorngesättigter Energie ist es, der im Hörer den Eindruck einer internen Dramaturgie und eines kohärenten Gesamtkonzeptes hervorruft: Ihm wird eine trackübergreifende Spannungskurve ahnbar, die das gesamte Album durchzieht. "The River Runs Dry" wirkt da eher wie ein instrumentales Zwischenspiel, das sich auf komplexe, mit allerlei metallischen Schabgeräuschen angereichertes Drone-Flechtwerk konzentriert, ohne in der Gesamtwirkung jedoch allzusehr in den Vordergrund zu treten. "Who Shall Reap?" mit seinem dezidiert klaustrophobischen Schwung sowie das offensive, beinahe brachiale "Wheat From Chaff“ mit seinem dumpfen Grundbeat kommen ungeachtet des ansonsten unbeirrt weiter beibehaltenen, atmosphärisch-ambientesken Kurses jeweils noch harscher, ruppiger und schwerer daher, bis mit dem furiosen "Nil But Rot (Negation Is Purity)" schließlich in den höchsten Gang geschaltet wird: Für den Rezensenten ganz klar das Highlight des Albums, baut das Stück mit seiner konsequenten Drone-Grundlinie nebst hektisch herumflirrendem Gefiepe und rhythmischem Metal-Junk-Geschepper in Kombination mit GRANT RICHARDSONs herrlich giftnickeligen Vocals eine derart intensiv-grimmige Energie auf, dass der Hörer schon mal in Schnappatmung verfallen kann. Dass der vergleichsweise betuliche Dark Ambient-Abschlusstrack "Perdition (Death's Disease)" dagegen spürbar abfällt und trotz seines zerschlissenen Charmes etwas beliebig wirkt, ist da beinahe zwangsläufig. Insgesamt jedoch überzeugt "Pestilence Beholden" durch ein Höchstmaß an stoisch-finsterer Atmosphäre und emotionaler Dichte. – Ganz in diesem Sinne formuliert auch der Promotextschreiberling von MALIGNANT als zentrales Charakteristikum des Albums eine gelungene "intersection between tensile dread and controlled aggression, as ominous synth beds and throbbing drones are augmented with the cataclysmic reverberations, resonating scrapyard acoustics and mechanized dirge you've come to expect“. Was könnte man dem noch hinzufügen?


Im übrigen würde der Rezensent, ohne an dieser Stelle freilich so genannte "Fake News" – hahaha! – in die Welt setzen zu wollen, seinen Arsch darauf verwetten, dass für das Mastering von "Pestilence Beholden" kein Geringerer als der extrem umtriebige und ohnehin des öfteren in Sachen Sound Engineering für MALIGNANT tätige JOHN STILLINGS verantwortlich zeichnet, denn die Analogien zum aktuellen, unlängst an dieser Stelle besprochenen, nonpop/index.php?mkey=STEEL-HOOK-PROSTHESES-Calm-Morbidity&type=review&area=1&p=articles&id=3079">STEEL HOOK PROSTHESES-Album scheinen umso offener zu Tage zu treten, je öfter man sich das Opus zu Gemüte führt. Und neben NYODENE D, an deren jüngere Veröffentlichungen der hypnotisch-finstere Duktus und kontrollierte Ingrimm von "Pestilence Beholden" erinnern, sind STEEL HOOK PROSTHESES bzw. insbesondere deren letzte CD "Calm Morbidity" zweifelsohne das Referenzobjekt, wenn es darum geht, das vorliegende Album anhand vergleichender Bezüge zu positionieren. In diesem Zusammenhang sei übrigens nicht unerwähnt gelassen, dass "Pestilence Beholden" laut Labelauskunft "in industrial complexes in and around Minneapolis" aufgenommen wurde: "the sound here is deep and immense" – auch hier gilt es beizupflichten, denn das Ergebnis spricht ganz klar für sich. Das Allerdollste aber ist: Von Hördurchgang zu Hördurchgang entfaltet diese musikalische Tiefenmeditation über Dekadenz, Niedergang und Nichtung neue, nekrotische Blüten – es wird einfach nicht langweilig, dem Rezensenten bislang jedenfalls. – Fazit: GNAWEDs "Pestilence Beholden" kann von jedem, der finster-kontemplativen, statisch-grantigen Death Industrial schätzt & liebt, bar jeden Bedenkens aus dem Stand heraus erworben werden. Es sei ihm hiermit sogar dringlich angeraten.


 
Endsal für nonpop.de


Verweise zum Artikel:
» GNAWED @ blogspot
» GNAWED @ facebook
» GNAWED @ bandcamp
» GNAWED @ SoundCloud
» GNAWED @ discogs
» MALIGNANT RECORDS-Homepage
» "Pestilence Beholden" @ bandcamp

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» GNAWED: Feign And Cloak


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Zusammenfassung
Fesselnder Dark-Ambient-Death-Industrial-Hybrid, der durch seine intensive Atmosphäre & energetische Dichte überzeugt. Kontemplative & treibende Elemente generieren in Wechselwirkung einen Maelstrom nihilistischer Transzendenz. Oder so ähnlich. Toll jedenfalls.

Inhalt
01: A Bitter Harvest (6:37)
02: Serpent In The River Of The Arms Of God (2:06)
03: The Hand That Feeds (7:52)
04: Pestilence Beholden II (7:00)
05: The River Runs Dry (5:33)
06: Who Shall Reap? (5:45)
07: Wheat From Chaff (6:33)
08: Nil But Rot (Negation Is Purity) (5:48)
09: Perdition (Death's Disease) (8:07)

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