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Endsal

LUSTMORD: Dark Matter

Bewährte Klänge von der Nachtseite des Raums


LUSTMORD: Dark Matter
Genre: Dark Ambient
Verlag: Touch
Vertrieb: Touch
Erscheinungsdatum:
30. September 2016
Medium: CD
Preis: ~13,00 €
Kaufen bei: Drone Records


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Sieht man von zwei Live-Alben ab, so ist das vorliegende, brandaktuelle LUSTMORD-Opus "Dark Matter" die erste wirklich neue Veröffentlichung seit dem 2014er-Album "The Word As Power" – auf diesem trieb BRIAN WILLIAMS jene Lust an Innovation und Experiment, die sich auf den Alben der letzten Jahre kontinuierlich mal mehr, mal weniger subtil niederschlug, bekanntlich auf ihre einsame, unerhörte Spitze und machte zum ersten Mal in seiner langen Laufbahn von Vocals – wenn auch primär instrumental fungierend – Gebrauch. Insbesondere für die fundamentalistischen, ultra-orthodoxen Verehrer des Wahl-Kaliforniers mit walisischem Migrationshintergrund, der das Genre Dark Ambient im Grunde genommen "erfunden" hat und insofern als eine Art halbtranszendenter Gottvater der Sparte gelten darf, kam dieser Schritt einem mittelschweren Sakrileg (ob Gottvater überhaupt ein Sakrileg begehen kann, sei an dieser Stelle als spitzfindige Off-topic-Frage für Hobbytheologen hinterlegt) gleich, war indes aus nachvollziehbaren Gründen dem Konzept des Albums geschuldet und insofern durchaus gerechtfertigt, zumal das Ergebnis absolut zu überzeugen wusste, wie der Rezensent vor drei Jahren an dieser Stelle jubilierend vermeldete. – Nun, mit Innovation und Experiment (relativ zu jenem speziellen Sound, der für LUSTMORD konstitutiv ist) ist jetzt entschieden Schluss: WILLIAMS legt mit "Dark Matter" ein LUSTMORD-Album vor, wie es exemplarischer und klassischer kaum sein könnte, durch & durch gesättigt mit stockfinsteren, zappendusteren Klanglandschaften aus den entlegensten, abgrundtiefsten Tiefen des Raums. Mit "Dark Matter" besinnt sich WILLIAMS auf die Essenz seiner Musik und entfaltet über eine Gesamtspielzeit von 70 Minuten jene paradigmatisch kalte, luftleere und isolationistische Atmosphäre, welche das Album mühe- und umstandslos in eine Reihe mit Klassikern wie "Heresy", "The Monstrous Soul","The Place Where The Black Stars Hang", "Carbon/Core" oder "[Other]" einpasst.



Bezeichnender- und ironischerweise ist "Dark Matter" der erste LUSTMORD-Tonträger, der auf dem, für seine dezidiert experimentelle Programmatik und die Affinität zu elektronikbasiertem Frickelsound unterschiedlichster Provenienz hinlänglich bekannten, TOUCH-Label erschienen ist. Aus diesem Umstand vermag der kundige Rezipient immerhin eins schon mal ziemlich zweifelsfrei abzuleiten, dass nämlich kaum mit eingängiger Unterhaltungsmusik im weiteren – oder gar engeren – Sinne zu rechnen sein dürfte. Und in der Tat: auf der CD finden sich drei Stücke von jeweils 20, 23 und 27 Minuten Länge, die ernsthafter – und insofern freilich auch LUSTMORD-typischer – kaum sein könnten: Es gibt ultratieffrequentes Brummen, Dröhnen und Summen satt auf die Löffel, angereichert und verwoben mit diversen Field Recordings intergalaktischer Tonsignale, die, von NASA und ähnlichen Institutionen freundlichst zur Verfügung gestellt, dem Ganzen in der Gesamtschau jene ebenso beklemmend-unirdische wie irrlichternd-atmosphärische Wirkung verleihen, die wir vom Oevre des Mr. WILLIAMS so gut kennen und so sehr an ihm lieben. Selbstredend wäre LUSTMORD auch nicht LUSTMORD, gehörten jene extraterrestrischen Abgründe, in die "Dark Matter" den Hörer manövriert, nicht einer 100%ig humorfreien Zone an. Doch auch, wenn an diesem Punkt das statistische Risiko unfreiwilliger Komik eigentlich am höchsten ist, gelingt BRIAN WILLIAMS ganz souverän einmal mehr das Kunststück, ein tutti completo totenbierernstes Werk abzuliefern, ohne dabei auch nur im Ansatz prätentiös, abgeschmackt oder gar albern zu wirken. Das Werk steht da wie der Monolith in Kubricks "2001", und der Mann, der hat's nach wie vor drauf – oder besser: mehr denn je.

Wie der Titel bereits nahelegt, beschäftigt sich das Album thematisch mit dem Phänomen der Dunklen Materie, die, wiewohl nicht direkt sichtbar, in der Kosmologie postuliert wird, um die Bewegung der sichtbaren Materie im kosmologischen Standardmodell erklärbar zu machen. Die Existenz Dunkler Materie ist bislang nicht bewiesen und lediglich theoretisch bzw. anhand ihrer Wechselwirkungen mit Gravitationswellen aufzeigbar, ihr eigentliches Wesen ist jedoch weitestgehend ungeklärt. In diesem Sinne illustriert BRIAN WILLIAMS im Promotext den konzeptuellen Hintergrund des Albums: "Approximately sixty-eight percent of the Universe is unseen dark energy and approximately twenty-seven percent is unseen dark matter. […] The universe began of darkness, not of light. While space is a virtual vacuum, it does not mean there is no sound in space. It exists in space as naturally occurring electromagnetic vibrations, many well within the range of human hearing while others exist at different regions of the electromagnetic spectrum and these can be adjusted with software to bring them within our audio range." Und eben dieses: eigentlich nicht Wahrnehmbares auf raffinierte Weise doch vernehmbar zu machen, das gelingt dem Godfather of Dark Ambient mit dem vorliegenden Album ganz vortrefflich: nicht eines der drei Stücke verfehlt seine Wirkung auch nur ansatzweise, auch wenn – oder doch: gerade weil? – das Album nüchtern und rein stilistisch betrachtet auf Innovationen und/oder Experimente, die aus dem LUSTMORD-genuinen Klanguniversum ausscherten, beinahe vollständig verzichtet. "Dark Matter" beeindruckt durch eine beispiellos dichte, stockfinstere Atmosphäre, wie man sie in dieser Perfektion insbesondere von den Alben der 1990er-Jahre kennt. Und auch heute erweist sich BRIAN WILLIAMS, der sympathische kleine Vollbarträger, der sich übrigens keineswegs zu irgendwelchen obskuren chthonischen Kulten, sondern zu einem nüchternen Atheismus bekennt, als ein – um nicht zu sagen: als der Großmeister nachtschwarzer Tiefenvibrationen schlechthin.

Der langen Rede kurzer Sinn: "Dark Matter" ist ein LUSTMORD-Album geworden, wie es im Buche steht, und für Eingeweihte wie Novizen auf dem Gebiete interstellarer Psychoakustik gleichermaßen empfehlenswert. Selten war eine CD einerseits so vorhersehbar und andererseits doch so uneingeschränkt faszinierend, packend und von der ersten bis zur letzten Sekunde alle Sinne fesselnd wie die vorliegende. – Um abschließend noch einmal den Großmeister höchstselbst zu zitieren: "Behind the world that we experience lies a veil of darkness and much is hidden between, beyond and unseen." Schön, denkt man da doch, dass es Zeitgenossen wie ihn gibt, die uns mit akustischen Psychedelika wie "Dark Matter" dabei helfen, den Schleier wenigstens für einen kurzen Moment zu lüften, um einen flüchtigen, zappendusteren Eindruck zu erhaschen.


 
Endsal für nonpop.de


Verweise zum Artikel:
» LUSTMORD-Homepage
» LUSTMORD @ bandcamp
» LUSTMORD @ SoundCloud
» LUSTMORD @ discogs
» "Dark Matter" @ TOUCH
» "Dark Matter" @ TouchShop
» TOUCH-Homepage

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» LUSTMORD: The Word As Power
» LUSTMORD: Lustmord rising


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Zusammenfassung
LUSTMORD besinnt sich auf seine Essenz: "Dark Matter" überzeugt mit puristischem, tiefenatmosphärischem Dark Ambient, der klingt, als käme er direkt aus den bodenlosen, pechschwarzen Abgründen des interstellaren Raums daher: wunderbar!

Inhalt
01: Subspace (27:34)
02: Astronomicon (20:05)
03: Black Static (23:04)

CD in oversized digifile package.
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